FR. OLTMANNS MORPHOLOGIE U. BIOLOGIE ALGEN MORPHOLOGIE UND BIOLOGIE DER ALOEN VON Dr. FRIEDRICH OLTMANNS PROFESSOR DER BOTANIK AN DER UNIVERSITÄT FREIBURG I. ER. ZWEITE, UMGEARBEITETE AUFLAGE ZWEITER BAND PHAEOPHYCEAE — RHODOPHYCEAE MIT 325 ABBILDUNGEN IM TEXT JENA VERLAG VON GUSTAV FISCHER 1922 ALLE RECHTE VORBEHALTEN Inhaltsverzeichnis. Seite Seite IX. Phaeophyceae . 1 4. Laminariales 121 1. Ectocarpales .... . 2 A. Der Ganietophyt . . 122 A. Isoganie Ectocarpales . 5 B. Der Sporophyt . . . 124 a) Die Vegetationsorgane ö + Äußerer Aufbau 124 a) Haplostiche . 5 a) Jugendstadieii 124 Ectocarpaceae . . 6 b) Die erwachse- Mesogloeaceae . 15 nen Pflanzen 125 Eudesmeae . . . 15 1. Chordaceae 125 Myriogloeeae . 19 2. Laniinaria- Chordarieae . . . 20 ceae . . 129 Corynophloeaceae . 23 a) Laminaria 129 Myrionemaceae . 29 ß) Lessonia .135 Elachistaceae . . 31 y) Thalassio- Spermatochnaceae . 34 phyllum 144 Myriocladieae . . 34 8) Alaria . .149 Acrotricheae . 35 + + Gewebe . . 153 Sperniatochueae . 37 + + + Fortpflanzung . 169 Desmarestiaceae . 40 Literatur . . 169 Sporochnaceae . 44 5. Tilopteridales .... 172 Splachnidiaceae . 48 1. Tilopteridaceae .... 172 ß) Polystiche . . 49 2. Choristocarpaceae . . . 175 Punctariaceae . . 49 Literatur 176 Scytosiphonaceae Dictyosiphonacea . 51 e . 60 6. Dictyotales 177 Asperococcaceae . 64 Dictyotaceae 177 Encoeliaceae . 66 a) Vegetationsorgane . 177 b) Die Fortpflanzung . . 68 b) Fortpflanzung . . . Literatur 182 185 a) Verteilung der Fo rt- pflanzungsorgane . . 68 7. Fucales 186 ß) Die Sporangien . 69 1. Durvilleaceae 186 y) Die Gametangien . 71 2. Fucaceae 187 8} Befruchtung . . . 73 a) Gliederung der Familie ' 188 ß. Oogame Ectocarpales . 78 Vegetationsorgane 190 Giffordiaceae . . . . . 78 Fuco-Ascophylleae . 190 Literatur .... . . 81 Cystosiro-Sargasseae . . 197 2. Sphacelariales . . . . . 83 Loriformes .... . 207 a) Spbaceiariaceae . . . . . 85 Anomalae ... . 208 b) Stypocaulaceae . . . . . 95 b) Gewebe . 210 c) Cladostephaceae . . . . 102 cj Haargruben und Kon Die P'ortpflanzung . . . . 107 zeptakeln .... . 213 Literatur . . 108 d) Sexualorgane und Be 3. Cutleriales . . 109 fruchtung .... . 217 Fortpflanzung .... . . 113 V er waiidsc haften Verwandtschaften . . . . 120 der Phaeophyceae 225 Literatur . . 121 Literatur . 227 62816 2 IX. Phaeophyceae. 1. Ectocarpales. Der Thallus bildet verzweigte Fäden oder mannig- fach gestaltete Körper, die sich onto- oder phylogenetisch auf Fäden zurück- führen lassen. Wachstum meistens interkalar, typische Scheitelzellen sind nur ausnahmsweise vorhanden. Gameten annähernd gleichgestaltet. 2. Sphacelariales. Meist stark verzweigte Sprosse mit geradezu auf- fallender Scheitelzelle und sehr regelmäßiger Verzweigung. Gameten an- nähernd gleich. 3. Cutleriales. Thalli mit trichothallischem Wachstum. Zoosporen auf diploiden, Gameten auf haploiden Individuen. Oogamie. 4. Laminariales. Ein kleiner, haploider, fädiger Gametophyt wechselt mit dem großen diploiden Sporophyten ab. Letzterer stellt die größten Tange dar mit festem oft weit differenziertem Gewebe. Wachstum erfolgt durch eine interkalare Vegetationszone. 5. Tilopteridales. Verzweigte, meist monosiphone Fäden wie bei den Ectocarpales. Ungeschlechtliche Individuen mit vierkernigen Monosporen, geschlechtliche mit Oogonien und Antheridien. Wahrscheinlich ein regel- mäßiger Wechsel zwischen den beiden Formen. 6. Dictyotales. Meist flache mäßig große Sprosse, welche mit Scheitel- zelle oder Scheitelkante wachsen. Ungeschlechtliche Fortpflanzung durch unbewegliche, nackte Sporen, welche zu viert im Sporangium entstehen. Sexualorgane auf der Thallusoberf lache, weibliche Gameten unbeweglich. Haploide Geschlechtspflanzen wechseln mit diploiden ungeschlechtlichen In- dividuen, welche den ersten völlig gleich sind. 7. Fucales. Größere Tange mit festen Geweben, die aus Scheitelzellen hervorgehen. Sexualorgane in flaschenförmigen Vertiefungen der Rinde (Konzeptakeln). Keine ungeschlechtliche Fortpflanzung. Haploide Phase sehr kurz, die ganzen Pflanzen sind diploid. Wenn man will, kann man die Gruppen 1—3 als Phaeosporeae zu- sammenfassen, die Laminariales aber, welche man ihnen früher zuzählte, finden in ihnen wohl keinen Platz. 1. Ectocarpales. Den Anfang der Phaeosporeenreihe bildet sicher die Gruppe der Ectocarpales. So mannigfach der Aufbau des Thallus, so einheitlich sind die Fortpflanzungsorgane. Wir unterscheiden Zoosporangien (unilokuläre) und Gametangien (pluri- bzw. multi-lokuläre Sporangien, Trichosporangien). Die ersteren sind mit Vorliebe (Fig. 288, 2) ei- Ijis kugelförmig, sie entlassen zahlreiche Zoosporen, welche zu keiner Zeit ihrer Entstehung durch feste Wände getrennt sind. Die Gametangien sind meist schmäler, schoten- oder fadenförmig. Zwecks Bildung der Gameten zerfallen eine oder mehrere benachbarte Zellen durch feste Wände in zahlreiche Zellchen (Fig. 288, 4, j) und jede von diesen entläßt einen Gameten. Mit Ausnahme der bekannten Pleurocladia lacustris (Klebahn, Wille) und einiger weniger untersuchter Formen (Arnoldi) gehört unsere Gruppe dem Meere an. Ihre Vertreter dringen aber ziemlich weit und leicht ins Brackwasser vor, sie werden deshalb z. B. im finnischen Meerbusen noch recht reichlich angetroffen. Ungeheure Mengen von Ectocarpaceen beherbergen die nordischen die nordatlantischen und wohl auch die nordpazifischen Regionen; von dort aus gehen sie auch in die wärmeren Meere, das Mittelmeer z. B. beherbergt sie reichlich. In den rein tropischen, in den australischen usw. Meeren 1. Ectocarpales. 3 fehlen sie nicht, treten aber, soviel ich sehe, nicht so stark in den Vorder- grund wie an den ersterwähnten Orten, siehe z, B. Börgesen. Die einzelnen Zellen, welche die Fäden, Thalli usw. der Ecto- carpales aufbauen, scheinen bei allen Gliedern der Familie im wesentlichen gleich zu sein. Das stark vakuolige Plasma enthält einen Kern; die leder- gelben Chromatophoren sind plattenförmig, bald einfacli, bald gelappt, ge- schlitzt oder sonst gegliedert. Pyrenoidähnliche Gebilde werden beobachtet; darüber, wie über die Assimilationsprodukte resp. Reservesubstanzen wird im Kapitel „Chromatophoren" resp. „Assimilation" das Nötige gesagt werden. Die Zellwand dürfte in den typischen Fällen nicht übermäßig von der- jenigen höherer Pflanzen abweichen. Sauvageau fand bei Ectocarpus ful- Fig. 288. I Schwärmer eines Ectocarpus n. Kuckuck. 2 fast reifes unilol^uläres Sporangiiim von Sperfnatocfimis paradoxus. 3 dasselbe im Jugendstadium. 4 pluriloku- läres Sporangium von Ect. Remboldü Reinke. 5 dass. von Pogotrichum filiforme^ 2 — 5 n. Reinkes Atlas. vescens eine Art Cuticula, welche die ganzen Zellreihen wie ein zusammen- hängender Mantel überzieht. Es folgt auf diesen nach Innen eine Mittel- schicht, welche in die Mittellamellen der Querwände übergeht, und eine Innenschicht, welche direkt an das Plasma jeder Zelle grenzt. In allen drei Schichten findet sich Pektinsubstanz, in der äußersten wohl am meisten, in der innersten am wenigsten. In letzterer ist dafür um so mehr Zellulose nachweisbar. Wie sich die Dinge bei den stark verschleimten Membranen verhalten, die ja gerade hier häufig vorkommen, wird nirgends befriedigend angegeben. Dem Versuch, die verschiedenen Formen der Ectocarpales in ein ge- wisses System zu bringen, oder sie dem Leser übersichtlich darzustellen 4 IX. Phaeophyceae. setzte ich das alte Motto Tzärra ge7 in der ersten Auflage meines Buches voran. Ich wies darauf hin, daß die Gattungen und Arten nicht bloß in ihren vegetativen und sexuellen Organen variieren, sondern daß auch die Meinungen der Forscher über die Begrenzung der Gruppen unstet hin und her fluten. Ich zeigte das u. a. an der historischen Bearbeitung, welche Sauvageau der Gattung Myrionema zuteil werden ließ. Die Unsicherheit hatte ihren Grund in den unzureichenden Untersuchungen, welche bis in die neuere Zeit vorlagen; unzureichend deswegen, weil diese braunen Algen sich vielfach gegen eine rationelle Kultur hartnäckig sträubten. Die Sach- lage hat sich aber im Laufe der letzten Jahrzehnte erheblich gebessert. Thuret, Bornet, Reinke, Janczewski, Kuckuck, Sauvageau, Kjellman, Kylin u. a. haben dafür gesorgt, daß über Bau und Entwicklung immer mehr bekannt wurde. Aber auch sie mußten aus dem oben angeführten Grunde Lücken offen lassen, die sich in der vielfach unzureichenden Nomen- klatur wie auch in der ungemein wechselnden Umgrenzung der Gattungen zu erkennen geben. Einen Teil der Lücken hat Kuckuck in jahrelang fort- gesetzten Untersuchungen ausgefüllt, die bislang leider nicht veröffentlicht werden konnten. Nach dem Tode unseres Freundes hat Nienburg alles, was einigermaßen druckfertig war, zu einem Manuskript vereinigt; dieses stand mir mit zahlreichen prächtigen Abbildungen zur Verfügung und ich habe alles ausgiebig benutzt, um Kuckucks Beobachtungen nicht verloren sein zu lassen. Farlow, Kjellman u. a., ebenso Kuckuck in seinem Manuskript, haben die hier zu besprechenden Formen in einer Anzahl kleiner Familien untergebracht, während Reinke an einer großen Familie „Ectocarpaceae*' festhielt. Ich bin ihnen damals gefolgt. Nachdem ich Kuckucks Unter- suchungen kennen lernte, scheint mir doch der erste Weg der bessere zu sein. Die in den folgenden Zeilen vorgenommene Gruppierung der Familien und Unterabteilungen gründet sich, wenn auch nicht immer in der Reihen- folge, so doch nach dem Inhalt auf Reinke, Kjellman und Kuckucks ver- öffentlichte und unveröffentlichte Angaben. Von allen weicht sie in Einzel- heiten ab, es schien mir indes nicht erforderlich, jedesmal die Gründe hierfür zu erörtern. Weil die Art der geschlechtlichen Fortpflanzung nur in wenigen Fällen bekannt war, weil sie auch durch die ganze Abteilung hindurch sehr gleichartig zu sein schien, hat man die Einteilung der Ectocarpales immer nach dem Bau der Vegetationsorgane vorgenommen und daran hat z. B. Kuckuck bis zuletzt festgehalten. So geschah es denn, daß man in der Gattung Ecto- carpus teils iso- teils oogame Arten aufführte. Nachdem man die Sexualität bei einer gewissen Anzahl von Ectocarpales kennen gelernt hat, nachdem die Hoffnung besteht, in dieser Richtung auch weiterhin Fortschritte zu machen, sollten wir versuchen, von jenem Verfahren los zu kommen. Aphanochaete holte man aus der großen Masse der Chaetophoreen heraus (S. 316) nach- dem man erkannt hatte, daß sie oogam ist. Ich versuche Gleiches an dieser Stelle und trenne isogame und oogame Ectocarpales. Das ist ein Wagnis, aber ohne solche kommen wir nicht weiter. Und vorläufig ist die Sache vielleicht deswegen schief, weil wir notgedrungen zu den Isogamen alle Formen rechnen, welche gleichgestaltete Gametangien haben, ohne daß wir den Sexualakt immer wahrgenommen hätten. Zu den Oogamen zählen wir alles, was mindestens zweierlei Gametangien besitzt. In vielen Fällen sind wir unschlüssig, weil die Kenntnisse nicht ausreichen. 1. Ectocarpales 5 A. Isogame Ectocarpales. a) Die Vegetationsorgane. Als Typus dieser Familie gelten die reich verzweigten Ectocarpiis- Arten etwa so wie sie Fig. 289 wiedergibt. Sie bilden den Anfang der- jenigen Reihe, welche Kuckuck (Mscr.) als „Haplostichales" bezeichnet, das sind Vertreter mit durchweg monosiphonen Fäden, welche sich reich ver- zweigen aber nie oder fast nie Längsteilungen erfahren. Ihnen gegenüber steht eine andere Abteilung, die ebenfalls auf jene Ectocarpi zurückgeht; das sind die „Poly stichales". Sie zerlegen die meisten Gliederzellen der Fäden usw. durch Längsteilungen und bilden oft Gewebekomplexe mit starker Arbeitsteilung. Die beiden Abteilungen decken sich ungefähr mit dem was wir in der ersten Auflage Mesogloeo-Chordarieen einerseits, Punc- tario-Scytosiphoneen andererseits nannten. a) Haplostiche Ectocarpales. In dieser Gruppe herrscht eine gewaltige Mannigfaltigkeit der Formen, die nicht ganz leicht zu übersehen und demgemäß auch nicht so einfach zu schildern ist. Reich verzweigte buschige Fäden, Krusten, dicke und dünne Polster, durch Verschlingung und besondere Verkettung der Hauptachsen und Seitenzweige gebildete Thallome wechseln bunt miteinander ab, und doch kann man in ihnen allen eine gewisse Ordnung herstellen, wenn man nach der Lage der teilungsfähigen Zellen fragt. Die ganze Abteilung treibt gleichsam ein Spiel mit dem Vegetationspunkt bzw. mit der wachsenden Zone. An den einfachsten Formen kaum erkennbar tritt sie in den ver- schiedenen Abteilungen ganz scharf, bald an der Basis, bald an der Spitze des Gesamtthallus hervor, ja es kann zur Ausgestaltung normaler Scheitel- zellen kommen. Berücksichtigt man das, so kann man etwa folgendes Schema aufstellen, das natürlich beliebig abzuändern ist. ElacJiistaceac Leptonema Halotrix Elachistea Desmarestia Lithoderma Ascocyclus Streblonema Ectocarpui Ectocarpaceae -Nereia Sporochnus [ Sporochnaceae u. a. Coryno- phlaca- /Eudesme Cylindrocarpus '^^Castagnea Microcoryne Corynophlaea Myriactis Strepsithalia 1 Myrionema \ Myrioncmaceae Ralfsia 1 Mesogloea Myriogloea Chordaria Splachnidium Mesog loca ceae Myriocladia Acrothrix Nemacystus Spermatochnus Stilophora Halorrhiza SpcriiiatocJinaceac 6 IX. Phaeophyceae. Ectocarpaceae. Die Haiiptvertreler der Gattung Ectocarpus z. B. E. siliculosus, confervoides, criniger, virescens usw. sind Arten, welche in der litoralen Region auf Steinen und Holz ebenso wie auf anderen Algen oder Pflanzen flutende Büschel oder dichtwollige braune Überzüge bilden, die an zarte Cladophoren usw. erinnern (Fig. 289). Mit den Chaetophoreen und Coleochaeten haben diese Ectocarpi eine aus verzweigten Kriechfäden gebildete Sohle gemein, welche bald loser, bald fester zusammen- schließt. Von ihr erheben sich zahl- reiche, monosiphone, bei den erwähnten Spezies reich ver- zweigte Fäden, wel- che meistens in eine Spitze oder gar in ein Haar endigen. Die Verzweigung ist eine seitliche, doch kommen durch nach- trägliche Verschieb- ungen Pseudodicho- tomieen zustande (Fig. 289). Das Wachstum der Haupt- u. Seiten- sprosse vollzieht sich bei verschiedenen Artengruppen ver- schieden ( Kuckuck). 1. Ectocarpus confervoides, San- drianus u. a. teilen beliebige Zellen des Fadenverbandes, es ist weder ein termi- naler noch ein inter- kalarer Vegetations- punkt vorhanden, die Zellen sind bis in die Spitzen der Äste gleichmäßig mit Chromatophoren ver- sehen (Fig. 290). 2. Ect. siliculosus, virescens u. a. teilen ihre Fadenzellen ebenso, aber an den Spitzen strecken sich die Zellen erheblich in die Länge. Da hierbei die Chromatoi)lioren nicht vermehrt werden, resultieren fast oder halb farblose Haare (Fig. 289). 3. Ect. criniger (Kuckuck nennt ihn im Mskr. spinosus) u. a. Die Teilungen vollziehen sich wieder in beliebigen Zellen der Fäden, die Haare aber sind scharf gegen die farbigen Achsen abgesetzt und verlängern sich P'ig. 289. Ectocarpus vires- cens n. Sauvageau (Rio- CREUX). Zweigsysteni mit plurilokulären Sporangien. 1. Ectocai-pales. durch eine Wachstumszone an der Haarbasis, die kurz ist, aber intensiv arbeitet (Fig. 291). 4. E c 1 c a r p u s g r a n u 1 o s u s u. a. in Kuckucks Mskr. Die Teilungen werden lokalisiert. Zwar kommen noch keine richtigen Teilungszonen zu- stande, wohl aber sieht man die Zerlegungen an gewissen Stellen häufiger als an anderen und so kommt vor allem in der Hauptachse eine Region zum Vorschein {in Fig. 292), in deren Nähe die Verzweigung besonders einsetzt. Die Enden der Haupt- und Seitensprosse teilen sich nicht mehr (Fig. 293). ö.Ect. irregularis u. a. zeigen bereits das für viele Phaeophyceen charakteristische trichothallische Wachstum wie es Janczewski zuerst bezeich- nete. Hier liegt in den Faden- verband eingeschaltet eine Zone teilungsfähiger Zellen , von welchen nach oben hin farbige Fig. 290 Orig. Kuckuck, Ectocarpi. . ovatus. Fig. 291. Ectocarpus spinosus. Original cc Kuckuck. / Junge Pflanze. 2 wachsende Spitze einer älteren Pflanze; a aufrechte, d kriechende Fäden. oder farblose Fäden abgegeben werden, die zum Aufbau des Ganzen nicht wesentlich beitragen, während nach unten hin alles abgegliedert wird, was die Sprosse aufzubauen hat. Dies Wachstum erscheint bei Ect. irregularis nach Kuckucks, dem Mskr. entnommenen Abbildung 294 noch nicht ganz IX. Phaeophyceae. Fjg.292. Orig. Kuckuck. Ectocarpus gramdosus. ;« Teilungszone Fig. 293. Orig. Kuckuck Ectocarpus granulosus. rein; es kommen auch noch Teilungen an behebigen Stel- len der Fäden vor ; ein Zeichen dafür, daß sich solche Formen von den unregelmäßig wach- senden herleiten. 6. In vollem Glanz zeigt sich das trichothallische Wachs- tum endlich u. a. bei einer Art, welche Kuckuck in seinem Mscr. bald als Ect. para- doxus bald als Ect. KosseU bezeichnet. Er wollte wohl eine neue Benennung schaf- fen. Die Fig. 295 bedarf keiner Erörterung mehr. Es ist mir freilich nicht ganz klar, ob die Art noch zu Ectocarpus gezählt werden dürfe. Ganz erschöpft sind mit diesen Typen die Vorgänge kaum, z. B. gibt Kuckuck für seinen Ect. lucifugus neben spärlichen interkalaren Teilungen ein Scheitelwachs- tum an. 1. Ectocarpales. 9 Alle diese Angaben über das Wachstum der Fäden beziehen sich je- doch nur auf die aufrechten Teile; die Kriechfäden der Sohlen haben ein Spitzenwachstum, und ohne ein solches würde auch kaum eine erfolgreiche Festheftung auf den Substraten möglich sein. Fig. 294. Orig. Kuckuck. Ectocarpus irregularis. Natürlich gilt das auch für die im Gewebe anderer Algen kriechenden Fäden. Solche Arten legen dann einen interkalaren Vegetationspunkt mit Vorliebe dorthin, wo die Triebe aus der Wirtsalge hervortreten, ent- weder unmittelbar an die Oberfläche der letzteren oder ein wenig von ihr entfernt. Die uni- oder plurilokulären Sporangien pflegen seitlich an Haupt- und Nebenästen aufzutreten (Fig. 289); sie sind kaum etwas anderes 10 IX. Phaeophyceae. als Umbildungen der letzten Auszweigungen, doch ist Verwendung ganzer Äste nicht ausgeschlossen, z. B. bei Ectocarpus litoralis (Pilayella) liegen Sporangien und Gametangien inmitten der fertilisierten Zweige und grenzen beiderseits an sterile Zellen, Fig. 295. Orig. Kuckuck. Ectocarpus paradoxus. An die aufrecht-buschigen Ectocari)us- Arten, schließen sich andere an, welche kurz gesagt, einen niedrigeren Wuchs zeigen und schließlich zu typischen Krusten formen hinüber führen. Eine Form, welche Kuckuck (Mskr.) auch unter Ectocarpus paradoxus aufführt (Fig. 296), verkürzt die hypomeristematischen Teile und verschiebt die Gametangien annähernd in eine Ebene. Das alles weist auf die später zu besprechenden Polster- formen hin. Im gewissen Sinne ähnlich ist Ect. monocarpus (Kuckuck 1. Ectocarpales. 11 Mskr., Fig. 297) indeß ist die Verteilung der Sporangien eine andere, der Be- ginn einer Scheibenbildung ist auch hier klar. Solche ist bei Ect. faerö- ensis weiter fortgeschiitten (Fig. 298) und noch stärker tritt der Zusammen- schluß bei Ect. elachistaeformis (Fig. 299) hervor. Bei allen diesen Arten mögen Haare vorhanden sein, sie treten aber nicht so scharf in die Er- scheinung. Das ist nun aber der Fall beiEctocarpus speciosus (Fig. 300) und damit erreichen wir den Anschluß an die Ectocar- peen, welche Derbes und SoLiER alsStreblonema bezeichneten. Die Haupt- masse des Thallus bilden reich verzweigte epi- oder endophytische Kriech- fäden; über das Substrat erheben sich nur einige Haare mit interkalarem Vegetationspunkt und außerdem die nicht oder kaum verzweigten Äste mit den Sporangien (Fig. 301). Solche Formen führen dann hinüber zu Kuckucks Phaeostroma, einer zier- lichen Gattung, deren Fä- den auf Zosteren, Algen usw. kriechen (Fig. 302). In der Regel erheben sich nur einige Haare über das Substrat; auch die Sporan- gien sitzen diesem direkt auf und ragen nur als Buckel über dasselbe her- vor. Bei Phaeostroma Bertholdi Kck. kriechen die Fäden getrennt umher, bei Ph pustulosum ver- einigen sie sich häufig zu einer Scheibe, welche indes ihren pseudoparenchymatischen Charakter ständig wahrt. Phaeostroma Bertholdi leitet dann leicht auf Mikrosyphar Kuck, hin, welche fast genau so lebt wie Entocladia unter den Chaetophoreen. Speziell die membranbewohnende Mikrosyphar Polysiphoniae gleicht der Entocladia viridis derart, daß ungefärbte Abbildungen beider kaum zu unter- scheiden sind. Wie bei Entocladia fehlen auch hier die Haare völlig oder fast völlig, und die Sporangien einiger Mikrosyphar-Arten sind so reduziert, daß oft aus jeder Fadenzelle nur eine Zoospore hervorgeht (Vgl. das Kap. Endophyten, Bd. III). Auf einige andere Gattungen, wie Streblonemopsis u. a., die sich zwanglos hier einfügen, mag nur hingedeutet sein. Fig. 296. Orig. Kuckuck. Ectocarpus „paradoxus" 12 IX. Phaeophjxeae. Die Parallele mit den Chaetophoicen und Verwandten wäre aber un- vollständig, wenn wir nicht noch einige Gattungen zu erwähnen hätten, welche eine Phycopeltis oder Coleochaete scutata fast genau repetieren. Dahin gehört Ascocyclus (inkl. Phycocelis) (Fig. 303). Die Keime flachen Fig. 297. Orig. Kuckuck. Ectocarpus monocarpus. sich sofort nach dem Festsetzen scheibenförmig ab, teilen sich zunäclist durch eine Querwand (Fig. 303, /) und beginnen dann nach oben genanntem Muster ein oft sehr gleichmäßiges Randwachstum, das wohl oline Kommen- tar aus Fig. 303, 2 ersichtlich ist. Später erheben sicli aus der Scheibe, von der Mitte beginnend, Sporangien und Haare (Fig. 303, 5), außerdem farblose Schlauchzellen, die das Charakteristikum der Gattung darstellen. 1. Ectocarpales. Hier reihen sich noch andere Gattungen an (Chilionema, Hecatonema u. a., SauvageAu). Ich erwähne besonders Kuckucks Petroderma. Die Sporangien rücken so dicht aneinander, daß J^ig. 298. Orig. Kuckuck. Ectocarpus faröensis Borg. Fig. 299. Ectocarpns elachistaefot viis Heydr. n. BÖRGESEN. Fig. 300. Orig. Kuckuck. Ectocarpus spedostis. 14 IX. Phaeophyceae. f'"' Haarbildungen und ähn- liches kein Platz bleibt, und das könnte hinüberführen zu Lithoderma, (Svedelius nennt sie Pseudolithoderma, ich glaube, KüCKüCK stimmte dem, nach einer kurzen Bemerkung zu schlie- ßen, nicht ganz zu) die frei- lich nicht mit voller Sicher- heit an dieser Stelle unter- 'f^.' Fig. 301. Strehlonema sphaeri- C7mi Derb. u. Sol. n. Kuckuck. Kriechender Faden mit auf- rechten uni- {u) und pluri- (p) lokulären Sporangien. h Haare. gebracht werden darf. Es handelt sich um große, dunkle, bis handgroße Krusten. Aus einer ein- schichtigen, zusammen- hängenden Sohle erheben sich vertikale, miteinander verwachsene Zellfäden (Fig. 304). Diese tragen bei dem von Kuckuck reformierten Lith. fatis- cens die uni- oder pluri- lokulären Sporangien auf dem Scheitel (Fig. 304). Areshougs Lithoderma gehört wohl anderswo hin, dagegen mögen sich aus- schließen Symphyo- carpus, Sorapion u. a. (RosENviNGE, Kuckuck). Kuckucks Nachlaß ist mit Bezug auf die Ectocarpus - Arten am Fig. 303. Ascocychis secundjis Strömf. n. Reinkes Atla / — 3 Scheiben verschiedenen Alters, h Haare, ps pluri loknläre Sporangien. Fig. 302. Haare. ^ Phaeostro7na Jiertlioldi Kuck, auf Scytosiphon. h (lametaiigien. b Sporangien der Wirtspflanze 1. Ectocarpales. 15 wenigsten durchgearbeitet. Es finden sich die Zeichnungen und dazu manche Notizen, die nicht einmal immer den Autor der Spezies angeben. Trotzdem zeigen alle seine Bilder, daß in der Gattung eine große Verschiedenheit in der Wachstumsweise herrscht. Es wären danach wohl Untergattungen heraus- zuschälen, die sich vielleicht um das gruppieren m()gen, was wir auf S. 6 unter 1—6 zusammenstellten. Diese Typen weisen schon auf gewisse Formen in anderen höher entwickelten Familien hin. Darüber wollen wir später sprechen. Hier sei gesagt, daß die reduzierten Gattungen — wenn es wirk- lich solche sind — nicht einfach in der Reihenfolge, in welcher wir sie auf- zählten, von Ectocarpus herzuleiten sind. Ich werde den Eindruck nicht los, daß fast jede buschig wachsende Ectocarpus-Art den Ausgangspunkt für reduzierte Formen abgeben konnte. Z. B. geht Ascocyclus wohl nicht auf dieselben Ectocarpen zurück wie Streblonema usf. Mesogloeaceae. Eudesmeae. Den Typus dieser Gruppe bilden Eudesme und Castagnea, die ich kaum zu unterscheiden vermag, jedenfalls bestehen keine grundsätzlichen Unterschiede in Bau und Entwicklung zwischen den beiden Gattungen, auch Fig. 304. Lithoderma fatiscens Kuck. Längsschnitte n. KuCKUCK. A mit plurilokulärcn, B mit unilokulären Sporangien {sp). g Gallertlappen, v vegetative Zellen. Mesogioea schließt sich ihnen glatt an. Ihr Aufbau wurde von Thuret, Reinke, Schmitz, Kylin u. a. klargelegt; genaue Aufschlüsse über die Ent- wicklung scheinen mir aber doch erst Kuckucks Notizen zu geben. Sind sie auch nicht immer leicht zu entziffern, so geben doch die trefflichen Figuren höchst willkommene Anhaltspunkte. Die Vertreter unserer Gruppe stellen oft 10 bis 20 cm hohe und wenige Millimeter dicke, mäßig verzweigte Körper dar (Fig. 305), die gelegentlich knorpelig meist aber dermaßen gallertig weich sind, daß sie sich unter dem Mikroskop zerdrücken lassen, um ihren Aufbau zu offenbaren. Man erkennt dann leicht einen Zentralkörper (Kern n. Kuckuck) und eine Rinde. Der erste besteht aus annähernd parallel verlaufenden oder auch umeinander ge- drehten Längsfäden, deren große oft tonnenförmige Zellen arm an Chromato- phoren und anderem Inhalt sind. Von ihnen entspringen farblose Rhizoiden, welche genau abwärts oder auch schräg verlaufend die Längsfäden mit- einander verketten und außerdem, soweit sie bis zur Basis herabreichen, die Haftorgane verstärken. 16 IX. Pliaeopbyceae. r ig. 305. Casfagfiea (EiiJesme) vfrescens Thur. (J. A.) (aus Eng- ler-Prantl) n. Kützing. Zumal von den an der Peripherie des Zentralkörpers gelegenen Leitfäden gehen in radialer Richtung Zweiglein aus, welche, dicht büschelig verästelt (Fig. 306), zu dem zusam- menschließen, was wir oben Rinde nannten. In extremen Fällen entsteht so ein Bild wie Fig. 306; hier sind die radial gerichteten Zweiglein sehr lang, das ganze schließt lose zusammen; in anderen häufigeren Fällen ist die Basis der Büscheläste kürzer und dann entsteht eine festere Rinde wie in Fig. 307. Die Büschel enden reich verzweigt in sogenannten Assimilatoren, d. h. Zellreihen, welche an ihren Enden (Fig. 307) oft kopfig aufge- schwollen, in jedem einzelnen ihrer Elemente, zumal in den zu äußerst gelegenen, tief ge- färbte Chromatophoren in größerer Zahl führen. Neben den Assimilatoren stehen in jedem Büschel farblose Haare mit basalem interkalarem Vegetationspunkt. Sie überragen die Rindenschicht oft weit. Die Sporangien (Fig. 308) sitzen am Grunde der Assimilatorenbüschel, haben also dieselbe Stellung wie die Haare; die Ga- metangien sind Umbildungen der Assimila- tionsfäden (Fig. 307). Ohne die Entwicklungsgeschichte würde man kaum an eine Verwandtschaft dieser For- men mit Ectocarpus denken, und doch tritt diese sofort hervor (s. Reinke, Kjellman, Schmitz), wenn wir auf Kuckucks Bild (Fig. 309) von Castagnea fistulosa blicken. Es stellt eine Keimpflanze dar; von der Sohle erheben Fig. .306. Orig. Kuckuck. Mesogloea crassa Suring. Längsschnitt des Thallus. 1. Ectocarpales. 17 sich zahlreiche aufrechte Fäden (Leitfäden), die an Fig. 294 erinnern. Interkalare Teilungen in den oberen Regionen sorgen für Verlängerung und für Verzweigung. Fig. 307. Mesogloea Leveillei. Original Kuckuck. Längs- schnitt durch ein Stück des Thallus. Die größeren Seitenzweige richten sich so auf, wie das Fig. 310 zeigt und legen sich an die Leitfäden derart an, daß man diese kaum noch zu Olttnanns, Morphologie u. Biologie der Algen. 2. Aufl. II. 2 18 IX. Phaeophyceae. unterscheiden vermag. So spricht man denn gern von Längsfäden, weil man die Sprosse verschiedener Ordnung später nicht leicht unterscheidet. Alle Längsfäden schließen unter wiederholter Verzweigung zu einem Zentralkörper (Kern n. Kuckuck Mscr.) zusammen, an dessen Spitze sich eine inter- kalare Wachs- tumszone heraus- bilden muß, denn die teiliingsfähi- gen Stellen in den Einzelfäden sitzen annähernd am gleichen Platz. Wo die meristemati- schen Zellen ge- nau auf gleicher Höhe liegen und auch eng begrenzt sind, resultiert eine scharf abge- setzte innere Ve- getationszone; wo sich die Teilungen in den Längsfäden auf längere Streckenverteilen, wird die fragliche Zone unscharf. Letzteres ist bei unseren Gat- tungen die Regel. Die mittleren Längsfäden, die eigentlichen Leit- fäden verlängern sich wohl an- nähernd gerad- linig nach oben (Fig. 309) und bilden nach allen Seiten Äste, die seitlichen aber verzweigen sich (Fig. 3 10,/) schein- bar einseitig, jedenfalls richten sie alle Organe nach außen und indem diese sich wieder reichlich verzweigen, entsteht die aus Assimilatoren usw. gebildete Rinde. Nun sprechen Schmitz u. a. von einer monopodialen Verzweigung, Weber, Fig. 308. Castagnea fistitlosa. Orig. TvLT'Kric. Längsschnitt durch den Thallus. 1. Ectocarpales. 19 VAN Bosse, Börgesen u. a. finden eine sympodiale Bildung der Längs- fäden. Wenn ich mir die Bilder der verschiedenen Forscher ansehe, möchte ich glauben, daß die primären Leitfäden z. B. in der Fig. 309 mono- podial sind, während allerdings die sekundären Längsfäden z. B. in Fig. 310 durchaus den Eindruck eines Sympodiums machen, die Endzweiglein werden von den seitlich an ihnen gebildeten Sprossen übergipfelt und nach aus- wärts zur Seite gedrängt. Ich glaube freilich erneute Prüfung anraten zu sollen; in Kuckucks Aufzeichnungen finde ich nichts. So Eudesme und Castagnea. Mesogloea, in seinem Aufbau diesen völlig gleich, unterscheidet sich ziemlich scharf dadurch, daß zunächst aus der Sohle nur ein einziger Leitfaden aufsteigt (Fig. 311). An diesem ist viel schärfer als zuvor ein inter- kalarer Vegetationspunkt ausge- prägt, der über sich ein wenig be- deutungsvolles unverzvveigtes Haar trägt. Basalwärts von der Teilungs- zone brechen seitlich aus dem Leit- faden Äste hervor, welche den Ver- zweigungsmodus des Leittriebes im wesentlichen wiederholen. Anfäng- lich seitwärts gerichtet erheben sie sich bald zu einer senkrechten Lage (Fig. 311) und schmiegen sich dem Leitfaden an. Da sie nun ebenso rasch oder zunächst gar etwas rascher als jener wachsen, so bildet sich auch hier eine ganze Gruppe von Längsfäden, die umso breiter wird, je mehr sich alle einzelnen nach der eben gegebenen Vorschrift verzweigen. Der primäre Faden ist kaum noch zu erkennen. Da die Längsfäden verschiedener Ord- nung in ihrem Wachstum weit- gehend harmonieren, muß wieder eine Vegetationszone entstehen, die hier schärfer begrenzt ist, weil die teilungsfähige Region in den Einzel- fäden nur kurz ist. Aus Fig. 311 ist ohne weiteres klar, daß die Rinde genau so entsteht wie bei Eudesme- Fig. 309. Castagnea ßstulosa. Orig. KUCKÜCK. Keimpflanze. Castagnea. Myriogloeeae. Unter dem Namen Myriogloea finden sich in Kuckucks Manuskript die beiden hier wiedergegebenen Abbildungen (Fig. 312). Den Vertretern dieser Gruppe fehlen die farblosen Haare, alle Sprosse sind farbig. Einstweilen ist nicht zu ersehen, ob die Gattung, für welche Kuckuck eine besondere Familie schuf, wirklich hierher gehört, denn es ist nicht klar, ob das Fehlen der Haare auf einen primitiven Typ hinweist oder ob wir mit einem Verlust derselben zu rechnen haben. Zunächst möchte ich wohl glauben, daß man auf die Gesamtentwicklung mehr Wert legen müsse, als auf ein einziges Merkmal. Und der gesamte Bau stimmt tatsächlich mit Mesogloea überein. Wir haben hier (Fig. 312, /) zu- 2* 20 IX. Phaeophyceae. nächst den einzigen Leittrieb mit seinen Seitenzweigen und sodann den Zusammen- schluß der letzteren mit dem ersteren zu einem Kern, wie er netter kaum gedacht werden kann. Die teilungsfähige Zone ist hier besonders scharf umgrenzt. Chordarieae. Chordaria, auch von Henckel bearbeitet, besitzt einen ziemlich festen Thallus. Auf dem Querschnitt (Fig. 313, 2) erkennt man leicht die großen Längsfäden (l/), welche durch zahlreiche Hyphen (/i) auseinander geschoben aber auch wieder zusammengehalten werden. Dem entspricht der Längsschnitt (313, j). Die Assimilatoren schließen zu einer gleich- Fig. 310. / Etidesme virescens. Orig. KuCKUCK. 2 Castagnea Zostcrae n. BÖRGESEN. mäßigen Schicht fest zusammen, sie tragen die allein bekannten unilokulären Sporangien an ihrer Basis. Hier wie in anderen Fällen nennt man sie gern Paraphysen, weil sie die Sporangien eng umschließen. Das weicht nicht grundsätzlich von Mesogloea u. a. ab; der Scheitel sieht freilich (3L3. /) zunächst erheblich anders aus. Genaue Betrachtung (Kuckuck Mskr.) aber ergibt unzweifelhafte Ähnlichkeit mit Myriogloea wie mit Mesogloea und Eudesme. Diese tritt besonders an jungen Zweigen der Chordaria Ander- sonii Kuck. mscr. (Mesogloea Andersonii Farlow) hervor. Man sieht in Fig. 313, 4 den Leitfaden mit den Seitenzweigen. Letztere legen sich bei anderen Arten und an älteren Sprossen dem Leitfaden an und so entsteht dann unverkennbar das in Fig. 313, / wie(lergegel)ene Bild, welches die Leitfäden und die nach auswärts gebogenen Äste derselben erkennen läßt. 1. Ectocarpales. 21 Die meristematisclie Zone ist deutlich sichtbar, der Hauptunterschied von Mesogloea besteht darin, daß von ihr nicht lange Fcäden, sondern nur kugelige Assimilatoren thallusauswärts gebildet werden. Fig. 311. Mesogloea Leveülei. Kuckuck. Längsschnitt der wachsenden Spitze. Mit Chordaria verwandt sind wohl einige Gattungen, welche sich durch rhizomähnliche Bildungen auszeichnen. Die einfachste Form ist Haplosiphon 22 IX. Phaeophyceae. filiformis Rupr. (Ruprechtiella Yendo). Von einem korallenartigen Sprossensysteni, das der Unterlage angepreßt ist, erheben sich (Fig. 314, 6) un verzweigte Sprosse. Diese werden (Yendo) auf der Unterseite des „Wurzelstockes" angelegt und biegen sich späterhin aufwärts. Ähnlich ist wohl Analipus fusiformis, die Yendo mit Chordaria vereinigt. Auch andere Arten der Gattung Chordaria scheinen hierher zu gehören. Caepidium hat Skottsberg neuerdings beschrieben. Von einer ziemlich dicken Sohle gehen dichotom verzweigte Triebe aus, welche sich dem Substrat anlegen. Sie sind ziemlich derb und doch wohl dem Rhizom von Ruprechtiella vergleichbar. Bei stärkerer Entwicklung der Pflanze legen Fig. 312. / Myriogloca Andersomi. 2 Myriogloea Schirjis. Orig. KuCKUCK. sie sich übereinander und sehen fast aus wie die Haftorgane der Laminarien. Nach aufwärts entsenden die kriechenden Massen kurze gerundete Triebe, welche auf ihrem Scheitel verbreitert, aber in der Mitte eingesenkt sind (Fig. 314, j). Der Vegetationspunkt liegt in dieser Vertiefung und mit seiner Hilfe erheben sich aus den Becherchen lange verzweigte Sprosse (Fig. 314, j) welche den Bau der Chordaria haben und wie diese fruchten. An den Ästen des Rhizoms ent- stehen aber noch gerundete etwas gelappte Körper, welche (Fig. 314, 2, ^) einer Colpomenia weitgehend gleichen; sie haben im Innern langgestreckte farblose Zellen, an der Peripherie die üblichen Assimilatoren, Sporangien usw. (Fig. 314, 5) Die Vermutung, daß diese Knollen Fremdkörper, d. h. epiphytische Algen ganz anderer Herkunft darstellen, dürfte Skottsberg widerlegt liaben. In der Antarctis 1. Ectocarpales. 23 fand Skottsberg nur ßbizome und die Langtriebe von Knollen vorhanden. November bis Februar, im Winter Coryiiophlaeacae. In sehr nahen Beziehungen zu den Mesogioeaceae stehen die Gattungen Cylindrocarpus, Microcoryne, Strepsithalia, Corynophlaea und Myiiactis. Die Fig. 313 n. Kuckuck u. Reinke's Atlas. / Längsschnitt durch den Scheitel von Chordaria Chordaria KuCKüCK. 2 Querschnitt durch den Sproß von Chordaria flagelh- formis. 3 Längsschnitt durch den Sproß von Chordaria Chordaria KuCKUCK. 4 Scheitel von Chordaria Anderssoiii KuCKUCK. If Längsfäden, h Hypen. Ähnlichkeiten sind so groß, daß Kuckuck die Frage erörtert, ob nicht alles in eine große Familie zusammenzufassen sei. Der Unterschied der genannten Gattungen von den Mesogloeen liegt im Wuchs, es handelt sich um Krusten, Polster, Ballen usw., nicht um langgestreckte Sprosse. Im 24 IX. Phaeophyceae. Übrigen kehren Form und Stellung der Sporangien und Gametangien in der Weise wieder, wie sie oben für Mesogloea und Verwandte beschrieben wurden (vgl. Fig. 304 ff.). Einen hübschen Typus stellt C 3^ 1 i n d r o c a r p u s m i c r o s c o p i c u s dar. Epiphytisch auf Kalkgestein usw. lebend, bildet die Alge kleine birnförmige Körper (Fig. 315, /). In diesen erheben sich von einer Sohle zahlreiche, wenig gefärbte derbe Fäden, welche sich nach der Peripherie hin reich- licher verzweigen. Die Büschel schließen ziemlich fest zusammen, außerdem Fig. 314 n. SkOTTSBERG und YeNDO. 7—5 Caepüiium a7ttarcticum n. SkOTTSBERG. / Rhizom mit Fruchtsproß. 2 Rhizom mit Knollen, j Rhizom mit der Basis aufrechter Triebe. 4 Knollen auf Rhizomästen. 5 Längsschnitt durch eine Knolle. 6 Rhizom von Chordaria abietina. sorgen im Innern zahlreiche Hyphen für Verkettung. Ein Vergleich der Fig. 315, 2 mit Fig. 310 ergibt sofort die Ähnlichkeit mit den Jugendstadien der Eudesme-Castagnea. Die Längsfäden enden mit Büschelästen und diese tragen den interkalaren Vegetationspunkt an ihrer Basis. Da die teilungs- fähigen Stellen in allen Längsfäden ungefähr auf gleicher Höhe liegen, resultiert ein aus den Längsfäden bestehender Kern, der hier birnförmig ist, überzogen von der teilungsfähigen Zone, die ihrerseits nach außen immer neue Büscheläste produziert, nach innen aber die Längsfäden verlängert. 1. Ectocarpales. 25 Cylindrocarpus kann auch auf Gracilaria leben. Dann sendet sie Kriech- fäden {€ Fig. 315, j) in das Wirtsgewebe, über dasselbe aber erheben sich zahlreiche schwach gefärbte Sprosse, welche an ihrem Oberende Büschel von Assimilationsfäden tragen. Das alles aber schließt nicht besonders dicht zusammen, die Wirtsalge wird nur von zarten Häschen überzogen. So fehlt eine zusammenhängende Teilungszone. Dafür lassen sich die Fäden leicht Fig. 315. Cylindrocarpus nücroscopicus Gl", n. Kuckuck. / Pflänzchen auf Stein gewachsen ; etwas vergr. 2 Stück aus einem radialen Längsschnitt durch /. 3 Zweig mit plurilo- kulären Sporangien. 4 die Alge auf resp. in Gracilaria. 5 einzelnes Pflänzchen von 4. e der im Gewebe des Wirtes wachsende Teil. Haare, a Assimilatoren. p plurilokuläre Sporangien. isolieren (Fig. 315, j>, 5) und demon- strieren ohne Kommentar die Ähn- lichkeit mit Castagnea. Microcoryne bildet ähnliche Polster wie Cylindrocarpus auf Ge- stein, kann aber nach Kuckuck (Mskr.) kleine aufrechte Sprosse entwickeln; danach wäre sie glied von Eudesme zu der hier behandelten Gruppe. Thallus zeigt weiterhin die Ähnlichkeit (Fig. 316). Corynophlaea bildet meist gewölbte Polster „.^_ Von der Sohle (Fig. 317) erheben sich Längsfäden, welche dicht -'zusammen wohl das Übergangs- Ein Faden aus dem auf anderen Algen. 26 IX. Phaeophyceae. schließen und an ihrer Spitze in Büschel übergehen, in welchen Assimi- latoren, Sporangien und Haare leicht zu erkennen sind. Die Polster wachsen durch eine inter- kalare Zone an der Grenze von Längsfäden und Büscheln. Leathesia ist kaum etwas ande- res als eine ver- größerte Coryno- phlaea. Sie stellt bis eigroße gerun- dete, aber auch et- was gelappte Kör- per dar, welche anderen Algen aber auch lebloser Unterlage auf- sitzen (Fig. 318). DieJugendstadien der Leathesia glei- chen denen der Corynophlaea weitgehend. Von der Sohle strahlen die Längsfäden aus, eine an üb- licher Stelle lie- gende Teilungs- schicht sorgt für Vergrößerung des Polsters. Dieses wird annähernd kugelig zunächst kann man (Fig. 319) die Längs- fäden noch er- kennen, später aber zerreißen sie im Zentrum und die Kugel, die auch äußerlich un- regelmäßiger wird, erscheint hohl. Die Endaus- zweigungen der Büscheläste, die Assimilatoren, schließen bei Lea- thesia zu einer dichten Rindenschicht zusammen, die nach außen fast glatt erscheint, nur die Haare ragen weit über alles hinaus. Fig. 316. Kuckuck. Microcoryne ocellata. Orig. Schnitt durch das Polster. 1. Ectocarnales. 27 Die einfachste \'er- treterin unserer Familie ist wohl die Gattung Myriactis (Sauvageau. Kuckuck Mskr.). Sie lebt vielfach endophytisch oder parasitisch auf anderen Algen, z. B. entsendet Myriactis stellulata ihre Fäden in das Gewebe der Dictyota (Fig. 320), hebt die sogenannte Epi- dermis ab , durchbricht diese an gewissen Stellen und bildet (Fig. 320) kleine Polster, die im wesentlichen wachsen wie Corynophlaea u. a. Eins freilich ist auf- fallend ; bei Myriactis schließen die Assimila- tionsfäden nicht zu einer festen Schicht zusammen, und nun erhebt sich die Frage nach der Phylo- genie der eben behandel- ten Gruppen. Kuckuck stellt Myriactis an den Fig. 3V, Cory7iophlaea crispa. Ol'lg. durch das Polster Kuckuck. Schnitt Fig. 318. Leathesia difformis auf Furcellaria fastigiata, Orig. 28 IX. Phaeophyceae. Anfang der Reihe. Er weist auf die Ectocarpus-Arten hin, welche (S. 11) den Vegetationspunkt an die Basis in unmittelbare Nähe des Substrates verlegen, z. B. auf Ectocarpus paradoxus (Fig. 296) und muß dann annehmen, daß sich die aus der Sohle entspringenden Fäden polsterförmig häuften. So wäre Myriactis entstanden, von hier könnte dann der Weg über Corynophlaea zu Leathesia führen, auf der anderen Seite käme man dann zu Cylindrocarpus und zu Microcoryne und von dieser aus wäre die Verbindung mit Castagnea, Eudesme, Mesogloea u. a. zu suchen. Das alles läßt sich hören, und doch möchte ich die Frage stellen, ob man nicht die Fig. 319. Leathesia diffor7nis. Orig. KucKUCK. Schnitt durch das Polster. Mesogloeaceen an den Anfang stellen und dann die Corynophlaeaceen als reduzierte Formen betrachten solle. Auch das läßt sich verteidigen. Ich neige aber jetzt eher der Auffassung zu, die ich schon auf S. 4 andeutete: sie haben einen verschiedenen Ursprung. Was hindert uns Eudesme und seine Verwandten direkt von Ectocarpus granulosus (Fig. 29;>) oder Ect. irregularis (Fig. 294) herzuleiten? Die Jugendstadien von Castagnea (Fig. 309) sehen ihnen doch unglaublich ähnlich. Und kann Ect. paradoxus nicht, wie das auch Kuckuck will, den Übergang zu Myriactis vermitteln? Die unzureichende Kenntnis der Gattung Ectocarpus selber hindert einst- weilen noch eine endgültige Antwort. 1. Ectocarpak 29 Myrioiiemaceae. In der Gruppe der Mesogloeaceen und Corynophlaeaceen nehme ich gern eine rückläufige Entwicklung an, weil es dann nicht schwer fällt, die Myrionemen glatt anzureihen. Das Verbindungsglied ist Sauvageaus Strepsithalia. Die basalen Fäden dieser Alge kriechen auf Helmintho- cladia, Liagora u. a. In bestimmten Abständen entsenden sie zum Substrat senkrechte Äste, welche (Fig. 321) die bekannten Zweigbüschel mit Haaren und Sporangien tragen. Die Büschel sind namentlich bei jungen Pflanzen deutlich getrennt, können aber auch so dicht stehen, daß das Ganze zu Fig. 320. Myriactis stelhdata. Orig. KuCKUCK. Schnitt durch das Polster. einem kleinen Polster wird, dessen ziemlich ebenmäßige Fläche die Haare überragen. Es hätte keine Bedenken unsere Gattung neben die endophy- tischen Formen des Cylindrocarpus zu stellen, aber ebensogut finden sie hier ihren Platz. Als eine kondensierte Strepsithalia kann man wohl die Gattung Myrionema (s. Sauvageau) auffassen. Myr. vulgare bildet wie ver- schiedene Algen eine scheibenförmige pseudoparenchyniatische Sohle, deren Zusammensetzung aus Einzelfäden indes noch immer deutlich ist — das Ganze wächst fast genau wie Coleochaete soluta. Aus der Sohle erheben sich, vom Zentrum her beginnend, neben den üblichen Haaren vertikale Assimilations- fäden mit der schon mehrfach erwähnten Stellung der verschiedenartigen 30 IX. Phaeophyceae. Sporangien (Fig. 322). Eine seitliche Entstehung der plurilokulären Spor- angien ist in Fig. 322, / noch erkennbar. Nach Sauvageau gibt es aber neben der eben erwähnten Form von Myrionema vulgare andere, bei welchen die Haare und Assimilatoren fast oder völlig unterdrückt sind. Das ist schon in Fig. 322, j sichtbar, aber noch weiter gegangen ist die Rückbildung in dem durch Fig. 322, 2 wieder- gegebenen Fall. Hier sitzen die plurilokulären Sporangien der Sohle direkt und ohne Zwischenglieder auf. Derartige Differenzen können an demselben Individuum wahrgenommen werden. Als vorgeschrittene Myrionemeen dürften dann die RalfsienFig. 322, ^ — 6) aufzufassen sein, jene dunklen, auf Steinen, Muschelschalen usw. nicht seltenen Krusten, welche an der Wassergrenze emergierend als schwarze Streifen makroskopisch bemerkt werden. Hier liegt eine kompakte paren- chymatische Sohle vor, welche nach dem Muster der Coleocliaete scutata ein normales Rand- wachstum zeigt. Die Kruste wird aber mehr- schichtig, indem sich aus der eigentlichen Sohle Zellreihen vertikal auf- wärts erheben (Fig. 322, 6). Diese sind zwar parenchymatisch verbunden, lassen sich aber noch deutlich auf Einzelfäden zurück- führen, wie das u. a. aus der eingesenkten Stel- lung tler Haare hervor- gehen dürfte (Fig. 322, 4). DieParenchymreihen gehen später unter Ab- hebung einer kutikuloi- den Schicht an ihrer Spitze in getrennte Assi- milatoren über, welche meistens nur uniloku- läre Sporangien (Fig. 322, 4) in bekannter seitlicher Stellung führen. Batters und Kuckuck fanden jedoch auch an einigen Ralfsia-Arten neben solchen die plurilokulären Sporangien (Eig. 322, 5) in Terminalstellung. Damit bestätigt sich die Richtigkeit der von Reinke vertretenen Auf- fassung, da£) Ralfsia sich den Myrionemaceen anreihe. Nach den Erfahrungen an Myrionema liegt es nun nahe, wie das auch viele Autoren tun, Ascocyclus u. a. hier anzuschließen, alle jene Formen, welche aus der Sohle direkt oder auf verschieden langen vertikalen Fäden plurilokuläre Sporangien hervortreten lassen. Obwohl hier spezifische Assi- railationsfäden niemals gebildet werden, ist eine derartige Ableitung zweifel- los möglich unter Berücksichtigung der auch bei Myrionema vorkommenden Reduktionen (Fig. 322, 2). Da man aber bislang unilokuläre Sporangien bei Ascocyclus usw. nicht fand, wird man wohl eine endgültige Entscheidung nicht eher treffen können, als bis man über diese definitiv im klaren ist, Fig. 321. Strepsühalia Liagorae n. SaUVAGEAU. 1. Ectocarpales. 31 und so glaube ich zunächst an der oben (S. 25) gegebenen Ableitung des Ascocyclus usw. direkt von den Strebloneraen festhalten zu sollen. Elachistaceae. Die Gruppe kann man wohl am besten als Parallelreihe zu den Coryn- ophlaeaceae bezeichnen, namentlich die Polsterformen derselben wiederholen sich hier. Es tritt aber ein Unterschied sofort hervor: die farblosen Haare fehlen fast immer, sie sind ersetzt durch lange, intensiv gefärbte Fäden Fig. 322. 1—3 Myriotiema vulgarem. SaUVAGEAU. 4 — 6 Ralfsia clavata n. ReINKE's Atlas u. Kuckuck. Thalluslängsschnitte. h Haare. // plurilokuläre, it unilokuläre Sporangien. oder analoge Organe, und so erhalten wir in der Regel kurze, bisweilen keulenförmige und daneben lange fädige Assimilatoren, welche die ersteren weit überragen (Fig. 323 u. 324). Leptonema, Halothrix, Elachistea smd die Hauptvertreter. Reinkes Leptonema stellt kurze, lockere Raschen dar (Fig. 329, /). Von einer unregelmäßigen Sohle erheben sich mäßig zahlreiche, nach oben hin völlig unverzweigte Fäden. Diese wachsen zunächst durch Teilung der Zellen im ganzen Fadenverband in die Länge, bald aber hört dies all- gemeine Wachstum auf, und es bleibt nur ein interkalarer Vegetationspunkt m IX. Phaeophyceae. an der Basis der langen Fäden übrig. Wie lange derselbe tätig ist. ersehe ich aus Reinkes Angaben nicht, doch gehen aus ihm zunächst Zweige hervor, welche wie die primären wachsen und welche sich wiederum an der Basis verzweigen. Schließlich bilden gewisse Büschel unilokuläre Sporan- gien aus dem basalen Vegetationspunkt (Fig. 323, 4). Andere Büschel bilden plurilokuläre Sporangien an den Spitzen der langen Fäden (Fig. 323, j). Bei Leptonema fasciculatum var. flagellare (Fig. 323, 5) stehen solche ein- Fig. 323 n. Reinkes Atlas. / Leptonema fasciculatum mit unilok. Sporangien. 2 dass. mit plurilokulären Spor. 3 Faden mit plur. Sporangien an der Spitze. 4 dass. mit unilokul. Spor. an der Basis. 5 Lepton. fasciculatum v. flaggelare mit plurilok. Spor. fach seitlich wie bei vielen Ectocarpeen, bei den anderen Formen werden die ganzen oberen Fadenzellen zum gleichen Zweck auf- gebraucht, doch ist hier genau so wie bei Eudesme ihre Ent- stehung aus seitlichen Organen immer noch angedeutet. Halothrix lumbricalis Reinke wächst im wesentlichen wie Leptonema. Aus einer mehr oder weniger zusammenhängenden Sohle (Fig. 324) erheben sich lange farbige Fäden, welche sehr bald nahe ihrer Basis das übliche Meristem erkennen lassen, das hier tätiger ist als bei Leptonema. Unterhalb desselben ent- springen neue Langtriebe, außerdem aber (Fig. 325) werden hypo- iä 1. Ectocarpales. 33 meristematisch Büschel von Fäden gebildet, die offensichtlich der Assimilation dienen und man kann mit Reinke von assimilierenden Lang- (a) und Kurz- trieben (a) reden. Sporangien sind nicht bekannt; die Gametangien ent- stehen (Fig. 325 />/) durch besondere Teilungen in den langen Assimilatoren. Symphoricoccus radians Reinke (s. a. Kuckuck Mskr.) schließt sich hier der Hauptsache nach an. Elachistea, welche in kleineu ziemlich festen Polstern meist auf größeren Meeresalgen wächst, beginnt ihr Dasein auch mit langen von einer Sohle ausgehenden Fäden, die sich überall quer teilen, erst später wird an der Basis die übliche Teilungszone herausgebildet, die nun wie bei Halothrix arbeitet. Ohnehin kann man Elachistea auffassen als eine Halothrix, deren basale Teile gegeneinander gepreßt und durch Gallerte vereinigt sind. i'ig. 324. Halothrix lumhricalis. Orig. KucKUCK. Junge Pflanzen. Fig. 326, j zeigt besonders hübsch die hypomeristematische Entstehung der kurzen Seitenglieder. Schon bei den früher behandelten Gattungen ist ein Kern, d. h. ein Zusammenschluß der unter dem Teilungsgewebe liegenden Fadenmassen, zu erkennen. Bei Elachistea wird jener durch die starke Tätigkeit des Meristems gewaltig entwickelt und so resultiert ein festes, farbloses „Mark", das von einer Schicht palissadenartiger kurzer Assimilatoren überdeckt wird (Fig. 326, 2, a). Die langen farbigen Fäden ragen daraus weit hervor («'). Die unilokulären Sporangien sitzen endständig auf kurzen Trieben (Thuret), die plurilokulären, welche nur selten ge- funden wurden (Gran, Rosenvinge, Kuckuck Mskr.) folgen dem Beispiel des Leptonema. Bei Elachistea neglecta aber fand sie Kuckuck bereits an ganz jungen Stadien, sie erheben sich hier (Fig. 326, 3) auf dünnen Ästen aus der Sohle. Im \yinter gehen bei den Elachistea-Arten des Nordens die langen Assimilatoren zugrunde, die Polster bleiben als unansehnliche Oltmanns, Morphologie u. Biologie der Algen. 2. Aufl. M. 3 34 IX. Phaeophyceae. Masse zurück, um im nächsten Jahre neue Fäden und wohl auch Sporangien zu entwickeln. Kuckuck schließt in seinem Manuskript an Elachistea noch die neue Gattung Philippia (Elachistea australis) an. Die in Fig. 327 wieder- gegebenen Fäden schließen nicht so fest zusammen wie diejenigen von Elachistea; im übrigen ist der Aufbau grundsätzlich der gleiche wie bei dieser. Ich hätte die Abbildung kaum wiedergegeben, wenn Kuckuck nicht gerade diese Form als den Anfang der Elachistea-Reihe betrachtete. Er will sie damit an gewisse Ectocarpus-Arten mit basalem Vegetationspunkt an- schließen (E. paradoxus u. a.). Ich vermag seine Auffassung nicht ganz zu teilen und glaube eher, die Entwicklung habe den umgekehrten Weg ge- nommen. Doch — chi lo sa! Spermatochnaceae. Myriocladieae. Myriocladia (Kuckuck Mskr.) erinnert in ihrem Scheitel ganz und gar an Mesogloea, wir finden (Fig. 328) einen Leitfaden, der sich durch ,_^ interkalare Teilungen verlängert. Hier wie dort wird er durch einen langen Assimilationsfaden gekrönt. In der Entwicklung wird aber ein anderer Weg eingeschlagen: der Leitfaden dominiert dauernd und bleibt als solcher leicht sichtbar (Fig. 329), weil seine Verzweigung eine ganz andere ist. Die Gliederzellen des Hauptfadens bilden wirtelig gestellte Seitenorgane, diese sind (Fig. 328) ÖÖGO^ Fig. 325. Halothrix lumhricales n. ReiXKES Atlas. a kurze, Gametangien. lange Assimilatoren. // teils dünne Kurztriebe, welche zu Assimilatoren werden, teils dickere Lang- triebe. Letztere legen, soweit ich Kuckuck verstehe, sich dem Zentralfaden nach oben hin an und bilden so eine Hülle um ihn, entsenden aber außer- dem aus ihrer Basalzelle abwärts wachsende Berindungsfäden, die weiterhin dafür sorgen, daß die Umhüllung der Haui)tachse verstärkt und gefestigt wird (Fig. 329). Aus den Basalzellen der verschiedenen Seitenzweige können noch dünnere farbige Fäden hervorgehen, welche bald direkt zu Assimilatoren- Büsclieln mit Sporangien werden, bald aber auf den dickeren Fäden entlang kriechen, um sich erst später nach auswärts zu verzweigen und Büschel zu entfalten (Fig. 329). 1. Ectocarpales. 35 Acrotricheae. Acrothrix gracilis von Kylin zuerst beschrieben, besitzt nach diesem wie nach Kuckucks Notizen den Zentralfaden der Mesogloeen/doch ist dieser wirtelig verzweigt wie bei Myriocladia. Die Wirteläste sind Kurz- triebe, welche in Assimilatoren ausgehen und später auch Sporangien bilden. Die Epibasalzelle trägt ventral ein farbloses Haar in ganz augenfälliger Stellung (Fig. ooO). Von den Basalzellen der Seitenzweige gehen Be- rindungsfäden. sowohl nach abwärts wie nach aufwärts, aus. Die aufwärts gerichteten sind kürzer (Fig. 330). Freilich paßt der Ausdruck Berindungs- Fig. B26. / u. 2 Elachistea scutulata n. Thuret. / Polster auf den Riemen dei Himan- thalia. 2 Längsschnitt durch ein Polster, j Elachistea neglecta. Orig. Kuckuck, w Gewebe der Wirtspflanze, m „Mark", a kurze, ä lange Assimilationsfäden. fäden nicht ganz, es handelt sich um dicke, weitlumige Zellen, welche die Hauptachse einhüllen. Daß sie aber wachsen, wie bei vielen Algen die Berindungsfäden, zeigen die Pfeile in Kuckucks Figur. So entsteht zu- nächst ein dicker einschichtiger Mantel um den Zentralsipho, jener wird später verstärkt, indem von den zweiten Basalzellen der Wirteläste, wie auch von den dicken Rindenzellen, kleinzellige Fäden ausgehen, welche dicht zusammenschließen und nach auswärts Assimilatoren usw. hervorgehen 3* 36 IX. Phaeophyceae. Fig. 327. Philippia australis. Orig. KucKUCK. Längsschnitt. 1. Ectocarpales. 37 lassen (Fig. 831). Die Haarspitze des Zentralfadens geht allmählich verloren, dabei bleibt die teilungsfähige Zone (Fig. 331, a) noch ziemlich lange erhalten. Sperniatochneae. Nemacystus Derb, et Sol. stimmt nach Kuckuck (Mskr.) weitgehend mit Acrothrix überein. Die Hauptachse (der Zentralsipho) trägt an jedem Glied wirteUg gestellte Kurztriebe, welche auf ihrer epibasalen Zelle wieder ein Haar führen (Fig. 332), das nunmehr für alle hier noch zu behandelnden Vertreter charakteristisch wird. In dem Maße, als die Gliederzellen sich strecken, verlängern sich auch die Basalzellen der Wirtelälste und schaffen eine großzellige Berindung, Diese wird ganz wie bei Acrothrix verstärkt durch kleinzellige Be- rindungsfäden, welche sich den inne- ren Teilen auflegen und auch nach außen Assimilatoren mit Sporangien liefern. Die primären wirte- ligen Äste sind des- halb später nicht mehr unterscheidbar. Hätten wir den Scheitel von Nema- cystus nicht, so wür- den wir die Gattung wohl mit Acrothrix vereinigen, das geht aber deswegen nicht, weil jener mit einer typischen Scheitel- zelle wächst (Fig. 332). Dieselbe ist ge- rundet und gliedert Segmente ab wie jede andere. Damit ist aber ein äußerst will- kommener Übergang zu Sporochnus und seinen Verwandten gegeben und es wird die von Reinke ver- tretene Auffassung voll bestätigt, wonach sich ein Übergang vom trichothallischen zum normalen Scheitelwachstum in dieser Gruppe vollzogen hat. Den Typus derselben stellt wohl Spermatochnus paradoxus Roth dar (Fig. 333). Die Pflanze bildet scheinbar dichotom verzweigte bis 1 mm dicke Fäden. Ein axiler Schnitt zeigt wieder den monosiphoren Zentral- faden, welcher mit einer Scheitelzelle endigt. Deren Segmente erfahren keine weiteren Querteilungen, jedes von ihnen produziert vier (selten fünf) primäre Wirteläste, die sich bald als Assimilatoren zu erkennen geben Fig. 328. Myriocladia Lovenii. Orig. KuCKUCK. Sproßspitze. 38 IX. Pbaeophyceae. (Fig. 333, 5 a). Die genannten Seitenorgane bilden sich sukzedan, wie aus Fig. 333, 3 leicht ersichtUch, sie haben gekreuzte Stellung. Unterhalb der Assimilatoren — primäre mögen sie heißen — strecken sich die Segmente des Leitfadens und fast gleichzeitig gehen aus der Basal- zelle der ersteren (öFig. 333, 5) Ästchen hervor, die nach abwärts am Zentralfaden entlang wachsen. Das sind wieder Berindungsfäden, die auch hier zu einem vollkommenen Mantel zusammenschließen. Späterhin wird nun die Rindenschicht verstärkt; das geschieht einer- seits durch Fäden, welche aus der epibasalen Zelle der Assimilatoren her- vorgehen {epb Fig. 333, 6), andererseits aber und hauptsächlich durch wieder- holte Tangential teilun gen in der primären Rindenschicht (bei r, Fig. 333, 4). Reinke zählte bis zu sieben Rindenlagen. Die ganze Rinde hebt sich später vom Zentralfaden ab ; dieser ist nunmehr zunächst von Schleim man telförmig um- geben (schlFig. 333,7,5). erst dann folgt die Rinde. Letztere steht mit dem Zentralfaden nur noch durch die primären Wir- teläste in \'erbindung (Fig. 333, 7, 8). Betrachtet man jetzt den Sproß, mäßig ver- größert, von außen, so er- hält man das Bild der Fig. 333, 2. Aus der pseu- doparenchymatischen Rinde ragen die primären Assimilationsfäden her- vor. Diese letzteren aber werden späterhin, wenn die Fruktifikation be- ginnen soll, abgeworfen, meistens mitsamt dem Haar, welches aus den epibasalen Zellen schon sehr zeitig hervorgeht (Fig. 333, 5, 6, h). Es iDleiben nur die in der Rinde steckenden Zellen der Assimilatoren (Wirtel- äste), d. h. die basale und epibasale übrig (Fig. 333, 8, b, cph). Erstere hat sich stark verlängert, letztere aber produziert jetzt Haare (Ä')> sekundäre Assimilationsfäden (a'), und schließlich an der Basis der letzteren unilokuläre Sporangien. Diese sind ihrer Entstehung gemäß zu Gruppen (Sori) ver- einigt, welche durchaus gesetzmäßig angeordnet sind, entsprechend der Stellung der primären Assimilationsfäden. Späterhin freilich entstehen an den älteren Sproßteilen an ganz be- liebigen Stellen der Rinde Assimilatoren und Haare, die man als tertiäre bezeichnen kann {a'\ h", Fig. 333, 8), und in Verbindung mit diesen auch Sori. Fig. 329. Myriocladia Lovenii. Orig. KuCKUCK. Längs- schnitt des Sprosses. 1. Ectocarpales. 39 Hierbei gehört auch zweifellos die von Life bearbeitete „Chorciaria", (Mesogloea) divaricata. (Kuckuck Mskr., s. auch Reinkes Atlas). Stilophora und Halorrhiza haben nicht einen, sondern mehrere Achsenfäden. Diese schließen bei Stilophora (Fig. 334, 2) überall fest an- einander, bei Halorrhiza aber liegen sie an ihren Spitzen ganz frei (Fig. 334, j). Reinke gab nun an, daß die kuppenförmigen Spitzenzellen nicht als Scheitelzellen anzusprechen seien, die Teilungen sollten sich in den unter ihnen liegenden Zellen vollziehen. Allein Kylin, wie auch Kuckuck er- klären, das sei unzutreffend, auch hier seien normale Scheitelzellen vor- handen. Die Vorgänge der Berindung usw. sind bei Stilophora und Halor- rhiza ganz ähnlich wie bei Spermatochnus (Fig. 334, j), nur sind die Fig. 330. Acrothrix gracilis. Orig. KUCKÜCK. Fig. 331. Acrothrix gracilis. Orig. Längsschnitt des Sprosses, a terminales Haar. Kuckuck. Längsschnitt des Sprosses. a teilungsfähige Zone. Teilungen nicht ganz so regelmäßig; ich verweise dieserhalb auf Reinke und bemerke nur, daß die primären Assimilatoren nicht so regelmäßig stehen und daß die Sori scheinbar aus beliebigen Zellen hervorbiechen. Schon bei Stilophora ist die Neigung vorhanden, schließlich große Teile der Rinde zur Bildung der Sori zu verwenden, das wird bei Halorrhiza weiter getrieben, indem an den fruktifizierenden Exemplaren die ganze Oberfläche der Sprosse von Assimilatoren und Sporangien überzogen ist. 40 IX. Phaeophyceae. Bei den meisten der behandelten Gattungen herrscht die Neigung, die zentralen Elemente voneinander zu trennen. Daraus resultiert dann entweder ein mittlerer Hohlraum oder es ergeben sich, durch den ganzen Sproß zerstreut, isolierte Längsfäden. Diese stehen nur noch an wenigen Stellen miteinander in Querverbindung, sie sind in Schleim- resp. Gallert- massen eingebettet, und außerdem bemerkt man, namentlich in den unteren Thallusteilen, zwischen ihnen kleinere Zellen, das sind Hyphen, welche an beliebigen Zellen entspringen und dann abwärts wachsen. Viele von ihnen treten unten hervor und bilden die Haftscheibe. Desmarestiaceae. Die Gruppe ist nicht ganz leicht unterzubringen, ich setze sie einmal versuchsweise in die Nähe der Stilophoreen auf Grund ihres interkalaren Vegetations- punktes und ihrer Berindung, Kuckuck plazierte sie ähnhch. Es muß hier aber auch wieder auf Ectocarpeen, z. B. Ect. granulosus (S. 8, Fig. 292), hingewiesen werden. Desmarestia und Arthrocladia bilden bisweilen 1 — 2 m lange, reich verzweigte Sproßsysteme (Fig. 335). An den relativen Hauptästen sind die langen Seitenzweige (Lang- triebe) ursprünglich zweizeilig gestellt, doch kommen häufig nachträgliche Verschiebun- gen vor. An den Lang- trieben entwickeln sich zahl- reiche Kurztriebe, diese sind bei Desmarestia stets zwei- zeilig, bei Arthrocladia da- gegen wirtelig angeordnet. Vielen Botanikern werden diese Kurztriebe nur in Ge- stalt der knorpeligen „Dor- nen" bekannt sein, welche der Desmarestia aculeata (Fig. 335, 2) den Namen gegeben haben. In diesem Entwicklungsstadium findet man sie auch im Hoch- sommer und Herbst, vom Januar dagegen bis in den Sommer steht an Stelle der Dornen und außerdem an alten Langtriebspitzen ein dichtes Büschel langer, far- biger Fäden (Fig. 335, /). Um diese Zeit findet auch, wie besonders Söderström und Jönsson betont haben, das Wachstum statt. Über dieses gab zuerst Janczewski klare Aus- kunft, seine Angaben wurden ergänzt durch Falkenberg, Reinke und die beiden eben genannten Autoren. Unter dem Mikroskop lösen sich die Fadenbüschel auf in ein System monosiphoner Fiederäste (Fig. 335, j, 4, 5); man erkennt einen Zentralfaden (c), welcher zahlreiche Seitenäste in zweizeilig opponierter Stellung trägt: jede Glieder- zelle hefert deren zwei. In der Nähe der Büschelbasis (bei w, Fig. 335, j, 5) erkennt man eine interkulare Teilungszone, diese liefert nach oben wie nach Fig. 332. Nemacystus ramulosus. Sproßspitze. Orig. Kuckuck. 1. Ectocarpales. 41 Fig. 333. Spermatochtms -paradoxus n. Reinkes Atlas. / Habitusbild. 2 | Sproßspitze von außen, j Vegetationspunkt. 4 Sproßspitze im Längsschnitt. 5 Zentralfaden (r/) mit primärem Astwirtel und beginnender Berindung. 6 dass. im Längsschnitt. 7, .*? Quer- resp. Längsschnitt durch einen älteren Sproß, v Scheitelzelle. 5 Segment, cf Zentralfaden, schl schleimführender Hohlraum, h, h' , h" Haare, a, a', a" Assimila- toren. r Rinde, b Basalzelle, epb Epibasalzelle. 42 IX. Phaeophyceae. unten neue Gliederzellen, aus welchen dann natürlich auch Seitensprosse hervor- gehen (Fig. 335, 5). Da die jungen Gliederzellen noch eine Zeitlang teilungs- fähig sind, können jüngere Seitenzweige zwischen etwas ältere eingeschoben werden (Fig. 335, j). Die Fiederzweige besitzen auch ihrerseits an ihrer Basis einen interkalaren Vegetationspunkt (Fig. 335, ^), welcher wieder Fiedern höherer Ordnung liefern kann. Aus den der Hauj^tachse angrenzenden Zellen brechen Zweiglein hervor, welche sich bald als Berindungsfäden zu erkennen geben (Fig. 335, j — ^). Diese, anfangs getrennt, schließen zu einer einschichtigen Rinde zusammen, und Fig. 334 n. Kuckuck u. Reinkes Atlas. / u. 2 Stilophora rhizoides. Scheitel. 3 Halorrfiha. sp Spitzen- zellcn. T teilungsfähige Zellen. solche wächst nun, oft rapide, zu vielzelligen Lagen heran, welche die Zentral- achse dicht einhüllen (Fig. 335, j, j, 6). Die Außenschichten dieser Rinde sind farbig und wirken demgemäß, die inneren sind fast ohne Chromatophoren. Von den primären Seitenachsen gehen manche (Fig. 335, ^ f) sehr rasch zugrunde, ihre Stümpfe werden von der Rinde überwallt, andere sind wachs- tumsfähiger, ihr basaler, interkalarer Vegetatioiispunkt schiebt sich in dem Maße nach auswärts als die Rinde dicker wird (Fig. 335, ^, j); er bleibt auch weiterhin tätig und liefert entweder die dornigen Kurztriebe oder bei andauernder Aktion die Langtriebe. 1 Ectocarpales. 43 Fig. 335. 7 Destnarestka aculeata im Frühjahr. Orig. 2 dieselbe im Herbst. Orig. 3 dieselbe; wachsende Region n. Reinke. 4 Arthrodadia villosa\ Stück des Zentral- fadens (c) mit Seitensprossen und Berindungsfäden (r) n. Falkenberg. 5 Desmarestia hgulata\ wachsende Region n. dems. 6 Demarestia aculeata; Querschnitt. 7 Phaeurtis antarcticus n. Skottsberg. iv interkalarer Vegetationspunkt, r Rinde u. Rindenfäden. c Zentralfaden, h Hyphen. / hinfällige Seitenglieder, a Assimilatoren. ^; 44 IX. Phaeophyceae. Die Pflanzen sind mehrjährig, bei Beginn der neuen Jahresperiode wachsen nicht bloß die normalen Langtriebe weiter, sondern es können auch aus deren Achseln Sprosse hervortreten. Es handelt sich wohl um „ruhende Augen", deren Entstehung noch nicht ganz klar ist. Der Bau der Rinde kann durch Hyphen, durch besondere assimilierende Zellen in der Nähe der Zentralachse recht bunt werden — s. Jönsson. Skottsbergs Phaeurus ist einfacher gebaut. Der Zentralfaden ist an seinem Ende unverzweigt (Fig. 335, 7) besitzt aber auch die interkalare Wachs- tumszone. Unterhalb derselben entstehen zahlreiche wiederum einfache Seitenäste, welche als Assimilatoren wirken. An deren Basis bilden sich Berindungsfäden, welche durch Teilung usw. eine der Desmarestia ähnliche, wenn auch nicht so dicke Rinde bilden. Die Assimilatoren werden von ihr an der Basis umschlossen und wachsen mit, weil sie ja ihre Meristem- I ' / Zone behalten haben. Sie überziehen die Langtriebe dauerend mit einem dichten Pelz. Als Fortpflanzungsorgane wurden bislang nur unilokuläre Sporangien sicher nachgewiesen. Bei Arthrocladia wandeln \ >K ^^^^^^ *^'® letzten Auszweigungen der Faden- büschel einige oder alle Zellen zu Spor- angien um. Ein einzelnes sporangien- // tragendes Zweiglein sieht kaum anders . • ■^ y aus als ein beliebiger Ectocarpus oder ^- ' , eine Pilayella. Auch bei Desmarestia ^ V '# '- ' ' können nach Johnson die über den inter- V^ ,, .,- ' kalaren Vegetationspunkten gelegenen Glie- \^ ^ ^? derzellen der primären und sekundären -^"^ ' Achsenfäden zu Sporangien werden, häu- figer werden die peripheren Zellen der ' Rinde (nachdem sie noch eine Teilung erfuhren) in solche umgewandelt; so sahen es Thüret, Kuckuck, Rosenvinge, Johnson. Sporochiiaceae. Nereia, Sporochnus, Carpo- mitra, Bellotia und Perithalia gehören hierher. Es handelt sich um Sprosse, die gewöhnlich in einer Ebene Fig. 336. Nereia Montagnei. 1 Sproß- verzwcigt sind iHul an den Enden aller stück, schwach vergr. Orig. Triebe auffallende Büschel farbiger Fä- den („Haare'') tragen. Bei Sporochnus (Fig. 336). Bellotia u. a. lassen sich Lang- und Kurztriebe leicht unterscheiden, bei Nereia (Fig. 341) und Carponiitra ist diese Differenz zum mindesten keine scharfe. Die Gruppe ist von Agardh, Harvey, Kjellman systematisch behandelt, Johnson gab einige Daten über das Wachstum, einen klaren Überblick über den Aufbau gewinnt man aber erst aus der Kenntnis der Keimpflanzen heraus, die uns Berthold und vor allem Kuckuck demon- strieren. Auf die Manuskripte dieser beiden Forscher, die ich benutzen durfte, gründet sich die folgende Darstellung in erster Linie. Das Gewebe der erwachsenen Sprosse von Nereia und Sporochnus, wohl auch der anderen weniger untersuchten Gattungen besteht in der 1. Ectocarpales. 45 Mitle aus großen, faiblosen und langgestreckten Zellen, die derbe Längswände aber zarte Querwände haben. Nach außen werden die Zellen kürze]-, sie besitzen zahlreiche Chromatophoren und entsenden in radiärer Richtung wenigzellige Assiniilatoren mit kopfig geschwollenem Ende, welche die Sporangien neben sich tragen. Fig. 337. i u. 2 zeigen das durchaus klar. Das Scheitel Wachstum der Sporochniden ist wohl das Seltsamste was man in der ganzen Algengruppe hat. Am Ende des Zentralkörpers werden die Enden der längs verlaufenden Fadenreihen von einer einzigen Lage kleiner Zellen gekrönt. Diese stellen das Meristem dar, welches Fig. 337. Nereia filiformis. Orig. KuCKUCK. / Längsschnitt des Scheitels. 2 Längs- schnitt der Rinde. durch Teilung nach unten neue Elemente auf den Sproß aufbaut, nach oben aber die farbigen Haare liefert, die nun freilich, jedes für sich, noch einen eigenen Vegetationspunkt besitzen, der durch interkalare Teilungen für Ergänzung der Haare sorgt, wenn diese Not gelitten haben. So sind also zwei Meristeme vorhanden, die völlig unabhängig voneinander arbeiten. Über die Verzweigung gibt Fig. 338 Auskunft. Es bleiben am Scheitel gewisse Stellen im Wachstum zurück und verzichten auf Teilungen, andere schaffen dafür umso energischer. Sehen wir von den Assimilatoren ab, so gleicht das Ganze einer sich verzweigenden Selaginella. Ein volles Verständnis für den Wachsturasmodus unserer Gruppe gewinnen wir aber erst, wenn wir die Keimlinge verfolgen, die Kuckuck 46 IX. Phaeophyceae. von Nereia vor sich hatte, nachdem schon Berthold vieles gefunden. Aus der keimenden Spore geht ein aufrechter Faden hervor (Fig. 339, j), an welchem sich bald ein interkalares Meristem zeigt. Unterhalb desselben zeichnet sich eine Zelle aus, welche nicht bloß durch eine Längswand zerfällt, sondern sich auch nach außen vorwölbt {d^. lu). Aus diesen beiden Zellen sproßt zunächst ein aufwärts gerichteter Faden hervor {fifi), der zu einem Haar wird (Fig. 329, 2). Die Basalzelle desselben aber wird durch eine horizontale (Quer-) Wand in eine obere und untere Zelle geteilt, {b^° '^2" )• Aus der letzteren wächst ein Faden hervor, der sich abwärts kehrt und an dem Erstlingsstiel bis auf die Unterlage hin wächst, um sich auf dieser zu verankern (Fig. 329, j). Die mit b^° bezeichnete Zelle erfährt eine Längsteilung (Fig. 339, 2) und aus der nach auswärts gekehrten Tochter- Fig. 338. Nereia filiformis. Orig. KuCKüCK. Längsschnitt eines verzweigten Scheitels. zelle (+ Fig. 339, 4) sproßt wieder ein farbiger Faden hervor, dieser läßt erneut an seiner Basis einen abwärts wachsenden Sipho erstehen. Dieses Spiel wiederholt sich so und so oft. Über den Vorgang belehren uns Fig. 339,4; "• 340, ohne daß ich weiteres erzählen müßte; zumal die von Kuckuck eingezeichneten Pfeile sagen mehr als viele Worte. Zusammen- fassend kann man sagen: Von den mittleren Zellen b^—K^ usw. ausgehend wird nach oben ein ausgedehnter Schopf von Assimilatoren entfaltet, nach abwärts aber legen sich immer neue Fäden im Bogen über die primäre Achse, hüllen dieselbe ein und stellen den Zentralkörper dar, reichen aber auch so tief hinab, daß sie als Hafter den ganzen Organismus an der Unter- lage festlegen können. Sporochnus (Fig. 341) hat einen etwas anderen Wuchs als Nereia. An stark entwickelten Langtrieben stehen zahlreiche, mit langen Haar- 1. Ectocarpales. 47 schöpfen endigende Kurztriebe, die in gewissen Zonen keulig verdickt sind. Trotzdem stimmt das Wachstum grundsätzHch mit dem von Nereia überein. Die KeimHnge. hier nicht ganz so lückenlos bekannt wie bei jener Gattung, zeigen (Fig. 341, 2) auf dem Scheitel des Hauptfadens zunächst eine kleine Haargruppe, die sich (Fig. 341, j) auch zu einer raeristematischen Scheibe (///) entwickelt. Nach unten werden wieder Umhüllungsfäden ent- sandt. Die Zuwachszone der älteren Sprosse liegt wohl etwas tiefer als bei Nereia (s. Fig. 341, 4). Die Zell- komplexe dort bauen auf das Sproß- ende einfach neue Elemente auf und heben den Haarschopf empor ohne ihn zu verändern. Seitenzweige (spr), mögen sie sich zu Kurz- oder Lang- trieben ausgestalten, werden unterhalb des interkalaren Vegetationspunktes angelegt und zwar aus einer beliebigen Rindenzelle, welche dann rasch ein Haarbüschel bildet. Die Rinde der großen Sprosse ist etwas einfacher Fig. 339. Nereia filiforjm's. Junge Keimpflanze. Orig. Kuckuck. /i/„ usav. aufrechte Fäden, b^b^ usw. Basalzellen verschiedener Ordnung, a primäre Achse. als bei Nereia, sie erscheint parenchymatisch ohne Assimilatorenschicht. Die übrigen Gattungen sind so wenig bekannt, daß sich eine Be- sprechung an dieser Stelle erübrigt. In allen Hauptpunkten stimmen sie jedenfalls mit den ausführlicher behandelten Vertretern der Familie überein. 48 IX. Phaeophyceae. Als Fortpflanzungsorgane kennt man unilokuläre Sporangien. Solche sitzen wohl bei allen Gattungen unter Bevorzugung der Basis seit- lich an den Assimilatoren, so wie das Fig. 341. 6 für Carpomitra, Fig. 337 für Nereia angibt. Ihre Träger sind zu Sori vereinigt, die meist bestimmte Thallusstellen einnehmen; besonders bekannt ist, daß bei Sporochnus und Carpomitra die Enden der Kurztriebe (Fig. 341, 5, so) von einem Sorus rings umschlossen werden. Berthold nimmt eine Verwandtschaft zwischen den Sporoch- naceae und Mesogloeaceae mit einigem Recht an. Man müßte voraussetzen, daß die Fäden sich am Vegetationspunkt fester vereinigten als bei Eudesme usw. und daß sie nur noch nach außen Verzweigungen bilden konnten. Fast noch mehr Ähnlich- keiten bestehen mit Myrio- gloea (Fig. 312), weil auch bei dieser die farblosen Haare fehlen. Wir wollen aber doch nicht verschwei- gen, daß die abwärts wachsenden Fäden, wie auch die Zuwachszone (un- abhängig von dem tricho- thallischen Wachstum der Haare) etwas ganz Neues darstellen. Splachiiidiaceae. Die Gattung Splachni- d i u m wurde früher gewöhn- lich zu den Fucaceen ge- zählt. Mitchell und Whit- TING aber zeigten, daß dies nicht wohl zulässig sei. Die darmähnlichen Sprosse sind mäßig verzweigt. Ihre Wan- dung ist mehrschichtig, der große, mittlere Hohlraum wird von einigen Fäden durchzogen. Überall in die Oberfläche sind Gruben ein- gesenkt, welche allerdings den Konzeptakeln von Fucaceen gleichen; sie führen indes neben Haaren einfache unilokuläre Sporangien (Fig. 342). Die Gruben entstehen rings um eine biriiförmige Initialzelle, doch ist nach den genannten Autoren auffallend, daß diese keinerlei Teilung erfährt. Solche vollziehen sich in der Umgebung der Initiale, und die Nachbarzellen derselben sind es auch, welche letztere unter die Sproßoberfläche hinabdrücken. Das würde stark an die Fucaceen erinnern. Auffallend ist auch, daß die nämliche Initiale am Scheitel der Pflanze wiederkehrt, der im übrigen aus gleichartigen meristematischen Zellen zusammengesetzt ist. Mir scheint, die Sache bedürfe eingehenderer Prüfung. Die Initiale ist noch rätselhaft. Die Zukunft muß dann zeigen, ob Murray Recht hat, wenn er für Splachnidium eine besondere Familie schafft. — Das vorstehende schrieb ich in der ersten Auflage. Inzwischen hat Kuckuck das Rätsel der Initiale sie ist ein grüner Epiphyt, ein Codiolum (vgl. auch Nienburgs Referat, Fig. 340. Nereia filiformis. Orig. Keimpflanzen. Kuckuck. Ältere 1. Ectocarpales. 49 Ztschr. f. Bot. 1921, 13, 179). Im übrigen hatte Roe die Algen wieder zu den Fucaceen versetzt, Skottsberg aber machte auf die große Ähnlichkeit der Assimilatoren und des Rindenbaus mit Chordaria, Leathesia usw. aufmerksam. Kuckuck gibt dann unter anderem die Fig. 343. Aus dem Längsschnitt des Scheitels geht tatsächlich hervor, daß wir im wesentlichen einen Mesogloeaceen- Vc^etationspunkt vor uns haben. Die Längsfäden wachsen interkalar, ver- zweigen sich einseitig nach auswärts, um dann aber weit auseinanderzurücken und die Zwischenräume mit Schleim zu füllen. ß) Polystiche Ectocarpales. Aus einfachen Fäden gehen durch Teilung in der ganzen Gruppe mehr oder weniger fest zusammenschließende Gewebe hervor, die sich in den einzelnen Familien verschieden weit differenzieren. Die hypothetischen Zusammenhänge der einzelnen Gruppen mag das folgende Schema geben: Hydro- clathraceae Adenocysfis Soranthera Hydroclathrus Colpomenia Phyllitis Delamarea Gobia Dictyosiphon Aspero- [ Asperocoecus cocca- \ Striaria ceae \ Myriotrichia Scytosiphon Stictyosiphon Kjellmania Pogotrichum [ Dictyo- siphonaceae Omphalophyllum Phaeosaccion Punctaria Desmotrichum §5) \, Ectocarpus Punctariaceae. In seiner äußeren Gestalt bildet ein großer Teil unserer Reihe eine auf- fallende Parallele zu den Ulvaceen, fast alle Formen, die wir dort beschrieben, kehren hier in Braun wieder. Den untersten Platz unter den Punctarieen nehmen zweifellos die Desmo trieb um -Arten ein. Mit Reinke wählen wir Desmotrichum un- dulatum als Beispiel. Die Pflanze bildet Rasen, welche im günstigsten Fall aus unverzweigten schmalen Bändern von 10—20 cm Länge und 2—5 mm Breite bestehen, meistens aber (Fig. 344) etwas kleiner sind. Junge Pflanzen besitzen Kriechfäden, aus welchen sich ein unverzweigter, monosiphoner Faden erhebt; ein farbloses Haar krönt denselben. Alle Gliederzellen dieses Fadens sind teilungsfähig, sie vermehren sich durch Querteilung, bald aber treten Längsteilnngen überall auf und es entsteht eine schmale, zunächst einschichtige Zellflächo, welche indes sehr bald zwei- bis vierschichtig wird (Fig. 344, j). Die inneren Zellen des Thallus unterscheiden sich von den oberfläch- lichen kaum (Fig. 344, 5); eine Gewebedifferenzierung ist also noch nicht gegeben. Aus den Oberflächenzellen, besonders am Rande des Thallus, gehen Haare hervor, und an der Basis werden Rhizoiden für die Veranke- rung gebildet. Unilokuläre Sporangien [11) erscheinen etwas in die Fläche eingesenkt, die plurilokulären (/) dagegen ragen als kegelförmige Körper über dieselbe vor (Fig. 344, j). Oltmanns, Morphologie u. Biologie d. Algen. 2. Aufl. II. 4 50 IX. Phaeophyceae. Daß cliesDesmotrichum von einfachen Ectocaipus-Aiten abgeleitet werden müsse, unterliegt nach dem eben gesagten wohl kaum einem Zweifel und alle Autoren (Reinke, Kjellman u. a.) sind darüber einig. Zum Überfluß wird die Sache noch illustriert durch Desmotrichum balticum u. a. Hier besteht die ganze Pflanze aus einem unverzweigten monosiphonen Faden, der nur eine Anzahl von Gliederzellen der Länge nach geteilt hat. Die plurilokulären Sporangien sind einfach umgewandelte Fadenzellen, oder aber sie treten seitlich über denselben heraus. Fig. 341. / Sporochnus pedtmculatus. Habitus. Orig. 2, 3 Keimlinge von dems. Orig. Berthold, m mittlere, p periphere Zellen der Parenchj'mscheibe. ;- Berindungsfäden. 4 Sproßende von dems. im Längsschnitt. Die dunkle Linie zeigt die Längsachse des Ganzen an. v Vegetationszone, spi- junge Seitensprosse. Orig. Berthold. 5 Kurz- trieb mit Sorus {so) von dems. n. Johnson. 6 Assimilatoren mit unilok. Sporangien von Carpomitra. Orig. Berthold. a Assimilationsfäden, sp Sporangien. Isp leere Sporangien. Man würde vielleicht diese letztere Form an den Anfang der ganzen Reihe gestellt haben, wenn nicht Reinke plausible Gründe dafür angeführt hätte, daß das Desmotrichum balticum von D. undulatum herzuleiten sei. Aber auch als reduzierte Form vermag sie immer noch eine Vorstellung über die Entstehung unserer Gruppe zu gewähren. 1. Ectocarpales. 51 An Desniotrichum schließen wir die völlig ulvoide Punctaria selber. Eines Habitusbildes bedarf es nicht, ohne Farben käme keine große Differenz gegen die Bd. I, S. 291, Fig. 193 wiedergegebene Ulva heraus. Der Querschnitt der Punctaria allerdings ist nicht zwei-, sondern vierschichtig (Fig. 344, ^). Die Sporangien entstehen, soweit ich sehe, schon zu einer Zeit, wo der Thallus noch zweischichtig ist; da nicht sie selber, wohl aber ihre Nachbarzellen durch Wände parallel zur Fläche geteilt werden, erscheinen die Sporangien später in das Laub eingesenkt (Fig. 344, ^). Dasselbe gilt für Desmotrichum. Die Gametangien dagegen werden erst gebildet, wenn die skizzierte Teilung vollzogen ist (Fig. 344, ^). Haare entwickeln sich in Gruppen Fig. 342, Splachnidium ritgosiim. Orig. KuCKüCK. Grube mit Konzeptakeln. (Fig. 344 //) über die ganze Thallusfläche zerstreut. Rhizoiden endlich heften die verschmälerte Basis ans Substrat fest. Farlow's Phaeosaccion ist eine braune Enteromorpha (man vergleiche nur die Photographie bei K. Rosenvinge), und das Omplialophy llum dieses Autors gleicht einer Monostroma, deren sackartiger Thallus ziemlich spät einseitig aufgeschlitzt wurde. Speziell bei Phaeosaccion ist die Entstehung aus einem Zellfaden ganz evident, bleiben doch Basis und Spitze noch lange einreihige Gebilde, und auch bei Omphalophyllum läßt sich die Röhrenform an Basis und Spitze sehr lange, wenn nicht dauernd erkennen. Scytosiphonaceae. Ein Seitenstück zu Desmotrichum stellt dann Reinkes Pogotrichum dar, das wegen seiner Vielgestaltigkeit später nochmals behandelt werden 52 IX. Phaeophyceae. soll. Aus einer Sohle, die sehr veränderlich ist, erheben sich nach mancher- lei Zwischenformen unverzweigte bis 5 cm lange Sprosse. Diese entstehen wie üblich durch Teilung eines monosiphonen Fadens; der Unterschied be- steht nur darin, daß hier der Si)roß völlig gerundet ist und (Fig. 345) im Zentrum größere, fast farblose Zellen besitzt, welche von einer kleinzelligen Assimilationsschicht bedeckt werden. Die Sporangien entstehen einfach durch Umwandlung von Rindenzellen, welche regellos über den ganzen Zylinder verteilt sind. Es kann aber auch die ganze Assimilationsschicht für die Sporangienbildung aufgebraucht werden. Nun wenden wir uns mit Reinke zu Stictyosiphon, einer meist fadenförmigen, mäßig stark verzweigten Alge. Längs- und Querschnitte durch einen noch sterilen Sproß lassen Fig. 343. Splachnidium rugosum. Orig. KüCKUCK. Scheitel mit den eingesenkte Codiolunizellen. im Zentrum meistens vier fast farblose, ziemlich langgestreckte Zellen er- kennen. Der von ihnen gebildete Zentralkörper {c Fig. 34G, 2, j) wird von einei' wenig gefärbten Schicht umgeben, deren Zellen bereits viel kürzer sind, und endlich folgt nach außen eine vielfach fast isodiametrische Lage von stark gefärbten assimilierenden Zellen (;-). Aus diesen letzteren gehen dann die uni- und plurilokulären Sporangien hervor. Ihre Anoidnung ist regellos (Fig. 340, ^), und namentlich an größeren Ästen können sie fast die ganze Oberfläche bedecken. Sie treten aber (Fig. 347) noch in den letzten Auszweigungen auf. Der eben geschilderte Aufbau entwickelt sich aus einreihigen Keim- pflanzen oder Ästen (Fig. 346, /). Diese zunächst monosiphonen Organe 1. Ectocarpales. 53 tragen auf der Spitze ein Haar, das mit Hilfe eines interkalaren Vege- tationspunktes selbständig wächst (P'ig. 346, /). Der junge Sproß selber Fig. 344 n. Reinkes Atlas u. Thuret. / Desmotrkhum undulatum. Habitusbild. 2 dass. von der Fläche (Sprnßspitze). 3 dass. im Querschnitt. 4 Pimciaria; „Laub" im Quer- schnitt, h Haare, u uni-, / plurilokuläre Sporangien. 54 IX. Phaeophyceae. ist aber unabhängig davon überall teilungsfähig; keine Region wird bevor- zugt, höchstens dauert an den Spitzenregionen das Wachstum etwas länger an, als in den unteren Zonen. Nach mehrfachen Querteilungen treten in den Gliederzellen zwei zueinander senkrechte Wände auf, welche das zy- lindrische Organ in Quadranten zerlegen. Nun folgt in jedem derselben eine peiikline Wand. Die so gebildeten vier Mittelzellen bleiben fernerhin ungeteilt, die peripheren aber liefern durch weitere Radial- und Tangential- teilungen die äußeren Zellagen, welche wir schilderten. Haare sowohl wie Seitenzweige entstehen (Fig. 346, /) an jungen Organen recht regelmäßig, können aber spätei'hin überall aus beliebigen Zellen der Assimilationsschicht hervorgehen (Fig. 346. 4). Im Prinzip den gleichen Aufbau wie Stictyosiphon, zeigt der meist unverzweigte Scytosiphon (Fig. 348, j, 4). Die Keimlinge sind von denen des Stictyosiphon kaum zu unterscheiden. Durch Längs- und Quer- teilungen resultiert ein an- atomischer Aufbau, der un- gefähr der Fig. 346, 2 u. j von Stictyosiphon entsprechen mag. Später freilich wird die Sache etwas anders, weil die zentralen Zellen sich von- einander lösen und dadurch einen Hohlraum schaffen, der meistens Luft führt. Die Sprosse von Scytosiphon lo- mentarius erreichen den Durchmesser eines mäßigen Federkieles (Fig. 348, 6)\ dar- aus ergibt sich, daß die Rinden- zellen und die ihnen nach innen ansitzenden Elemente ein erhebliches Wachstum in tangentialer Richtung erleiden müssen. Letzteres ist nicht überall genau gleich und so resultieren die schwachen Ein- schnürungen, welche in Fig. 348, 6 wiedergegeben sind. Die plurilokulären Spor- angien gehen, wie bei Stictyo- siphon, aus der peripheren, anfangs assimilierenden Zellschicht des Sprosses hervor (Fig. 348, 5), doch erfolgt hier nicht bloß eine Teilung der Zellen, sondern die Sporangien strecken sich (Fig. 348, j) über die Oberfläche hervor, wobei häufig die äußerste Schicht der Mutterzellmembranen (nach dem Bei- spiel der später zu erwähnenden Ralfsia) zusammenhängend abgehoben wird. Die Sporangien bei Scytosiphon stehen zunächst in kleinen Sori (Fig. 348, j) beisammen. Diese aber können zusammenfließen, weil sich immer mehr Oberflächenzellen an der Sporangienbildung beteiligen. Wie das Thuret abbildet, stehen dann die Sporangien dicht palissadenähnlich beisammen. Bei Sc. lomentarius sind mäßig zahlreiche keulenförmige, sterile, aber fai'l)ige Zellen (Assimilatoren) zwischen die Sporangien ein- gestreut. Fig. 345. Pogotrichnm filiforme Rke. n. ROSENVINGE / Habitus. 2 Querschnitt, pl plurilok. Sporangien r farbige Rinde. 1. Ectocarpales. 55 Fig. 346. Orig. Kuckuck. / Stictyosiphon subsymplex ; junge Zweige. 2 Stictyosiphoii torttlis ; Längsschnitt der Sprosse, j Stictyosiphon adnaticus ; Querschnitt der Sprosse. 4 Stict. adriaticus ; Sproß von der Fläclie mit Sporangien. 5 Ders. mit Gametangien. 56 IX. Phaeoph3rceae. P'ig. 347. Stictyosipho7i adriatiais. Orig. Kuc'KUCK. Seitenzweig mit Gainetangien. 1. Ectoc.irpales. 57 Mit Scytosiphon nahe verwandt dürfte auch Reinkes Kjellmania sein; sie stellt eine relativ einfache Form dar, die vielleicht als Bindeglied zwischen niederen Ectocarpeen nnd den hier behandelten kann aufgefaßt werden. Als ein abgeflachter und stark verbreiterter Scytosiphon kann wohl die bekannte Phyllitis angesehen werden, die durch ihren großen (bis 20 cm Fig. 348 n. Orig. Kuckuck u. Reinkes Atlas. / u. 2 Phyllitis Fascia (Muell.) Kütz. Keimpflanzen. 3 w. 4 Scytosiphon lomentari^is. Lyngl. J. kg. Keimpflanzen. 5 Scvfo- siphon pygmaeiis. Stück der Wand mit pludlok. Sporangien f^!-/). ö Scytosiphon lomentarms; ganze Pfl. Orig. 58 IX. Phaeophyceae. hohen) blattartigen Thallus auffällt. Die plurilokulären Sporangien bilden bald einzelne Flecke, bald eine fast zusammenhängende Schicht über einen großen Teil des Thallus. Fig. 349. Phyllitis- und Scytosrphon-\ oxV^mwa. Urig. Kuckuck. 1. Ectocarpalee. 59 Fig. 350 n. Reinke, Kuckuck u. Skottsberg. / — 4 Dictyosjpho». i Habitusbild. Orig. 2 Längsschnitt durch die Sproßwandung. 3 Längsschnitt durch Keimlinge. 4 Längs- schnitt eines älteren Sprosses mit Seitenast. 5 u. ö Cladothele Decaisnei, junge Sprosse. 60 IX. Phaeophyceae. Auch Pliyllitis zeigt in der Jugend monosiphone aufrechte Fäden, (Fig. 348, /, 2) die sich durch Längs- und Qucrteihingen in die flachen Sprosse umwandehi. Sie sowohl wie Dictyosiphon beginnen ihr Dasein mit kriechenden Fäden, die Kuckuck als Vorkeime bezeichnet. Ich habe seine sauberen Zeichnungen in Fig. 349 wiedergegeben. Zugehörige Notizen fanden sich nicht. Die Bilder sagen aber wohl genug. Zu unserer Gruppe muß man auch wohl Rosenvinges Coelocladia rechnen. In Bau und Sporangienbildung erinnert sie an Scytosiphon, in der Verzweigung an Stictyosiphon; von beiden weicht sie ab durch die aus geprägt trichothallische Wachstumszone. Lithosiphon, Isthmoploea u. a. nenne ich hier, obwohl Kuckuck in seinen Notizen eine besondere Familie für die erstere aufstellte. Leider fehlt die Begründung. Dagegen gehört sicher in die Familie Börgesens Rosenvingea; sie hat ca. 20 cm lange Sprosse, im übrigen gleicht sie im Bau dem Scytosiphon. Dictyosiphonaceae. Dictyosiphon, Delamarea, Gobia, Scytothamnus, Coelodesme und Cladothele haben in der äußeren Erscheinung viele Ähnlichkeiten mit der vorigen Fa- milie, es sind meistens knorpelige ver- zweigte Sprosse von mäßiger Länge (Fig. 350, I). Auch die Gewebeanordnung weicht nicht so gewal- tig ab, z. B. zeigt ein Längsschnitt durch den Sproß von Dic- tyosiphon (Fig.350, 4) die zentralen lang- gestreckten ,.Mark"- Zellen überzogen von kleinzelligen stark ge- färbtem Gewebe. Dieses entwickelt sich vielfach eigenartig, die Sache läuft aber immer darauf hinaus, die Sporangien in ste- riles Gewebe einzu- schließen, ja sie zu versenken (Fig. 350,2). BeiDelamarea (Fig. 351) und Cladothele (Skotts- bero) wird das durch kurz schlauchartige Zellen (a) erreicht, welche aus dem sterilen Rindengewebe vorgestülpt werden. Sie umschließen auch die Haare (//). Bei anderen Gattungen setzen in den zwischen den Sporangien stehenden Rindenzellen Teilungen ein (Fig. 350, 2). Das entstehende (Jewebe kann (Fig. 352) die Sporangien konzeptakelartig bedecken, es können sich auch bei Gobia (Fig. 353) die radialen Zellreihen aus dem Verbände lösen um Assimilatoren nach dem Muster der Mesogloeaceen darzustellen. Meistens wird angegeben, daß die Dictyosiphoneen mit Schcitelzelle wachsen (s. Reinke-Murbeck), Kuckuck Mscr. aber bezweifelt, ob die Dinge .;3issS^^^- Fig. 3.51. Delamarea atlenuata. n. KuCKUCK. Querschnitt des Sprosses, n unilokuläre Sporangien. a Assimilatoren. h Haare. 1. Ectocarpales. 61 Bi'^^ii überall so liegen. Mir scheint für den Seitenzweig der Fig. 350, ./ sei die Sache dnrchaus klar. Die Scheitelzelle teilt sich und die Segmente werden gesetzmäßig zerlegt. Ganz ähnliche Bikler zeichnet Skottsberg für Scyto- thamnns, nicht minder wie für eine Varietät von Cladothele. Bei einer anderen, schwächer entwickelten Form der letzteren waren die wachsenden Spitzen der Zweige von einem Haar gekrönt (Fig. 350, j). Dieses beteiligte sich am Wachstum nicht, Zellteilungen setzten erst tiefer unten in den Faden- zellen ein. Das stimmt nun mit Dictyosiphonkeimlingen übeiein, die Kuckuck abbildet (Fig. 350, j). Auch bei diesen krönt ein farbloses und an sich unbedeutendes Haar die teilungsfähigen Regionen. Danach ist der Schluß, den auch Kuckuck zieht, gewiß berechtigt, daß damit sehr nahe Beziehungen zu den Stictyosiphoneen bekundet werden. Wie die Mesogloeaceen mit inter- kalarem Vegetationspunkt in die Spermatochnus- formen mit Scheitelzelle übergehen, so dürften auch die hier behandelten Gat- tungen leicht verstanden werden, wenn man an- nimmt, daß siedle Scheitel- haare eingebüßt und ein Scheitelwachstum be- gonnen haben. Freilich sind die Sachen hier nicht so gut untersucht und Kuckucks Notizen fließen spärlich. Einige Zeich- nungen von ihm, die ohne Kommentar gefunden wur- den, mögen andeuten, daß in unserer Gruppe sich vielleicht ein Scheitel wachs- tum abspielt, das an Chor- daria erinnert (Fig. 354, I, 2). Sauvageau fand, daß die oben beschriebenen Pflanzen die ungeschlecht- lichen Individuen von Dic- tyosiphon darstellen. Diese tragen nur Sporangien. Die aus ihnen entstehenden Zoosporen wachsen zu krie- chenden, verzweigten Fä- den aus, welche etwa einer Strepsithalia (S. 30) gleichen, und Gametangien tragen. Die Gameten gleichen denen des Ectocarpus. sie kopulieren wie diese, können aber auch parthenogenetisch keimen. Aus den Zygoten wie aus den Partheno- sporen gehen wieder kriechende, verzweigte Fäden hervor, die auch auf- rechte Zweige entsenden, und solche Jugendstadien gleichen dann ganz den Geschlechtspflanzen, aber sie sind nur Erstlingsstufen, denn aus Fig. 35- Scytothamus Lyallii. Orig. KuCKUCK. Längs- schnitt des Sprosses mit Sporangien. 62 IX. Phaeophyceae. ihnen entstehen nun aufrechte Säulchen, welche zum normalen Dictyosiphon werden. Ich möchte wohl glauben, daß alles dieses den Jugendstadien ähnlich Fig. 353. Orig. Kuckuck. Gobia bal- tica. 1 Längsschnitt eines jüngeren Sprosses. 2 Längsschnitt der Rinde. Fig. 354. Orig. Kuckuck. / Scytothamnus australis. 2 Coilodesme buUigera. Scheitel. 1. Ectocarpales. 63 sehe, welche Kuckuck für Phyllitis und Scytosiphon (Fig. 349) abgebildet hat. Nach Sauvageau läge bei Dictyosiphon ein regelrechter Wechsel zwischen Gametophyten und Sporophyten vor. Das ist sehr wohl möglich. ^ n "^^ Fig. 355. / Myriotrtchia repetts. n. KuCKUCK. 2 Querschnitt, 3 Seitenansicht der Myr. densa n. KuCKUCK. 4 Striaria attemiata ; Stück des Sprosses. 5 Asper ococctis ; Habitus- bild n. Thuret. 6 ders. ; Thalluswand (mit „Sorus") im Querschnitt, h Haare, sp Sporangien. in Internodien. kn Knoten, a Assimilatoren. 64 IX. Phaeophyceae. Immerhin ist mir ein Punkt unklar geblieben. Ich ersehe nicht, ob das Schicksal der Geschlechtspflanzen weiter verfolgt wurde. Wäre es nicht möglich, daß auch sie später lange Sprosse mit unilokulären Sporangien erzeugen? Wir hätten dann das, was Kuckuck für Elachistoa (S. 35, Fig. 326) angibt. Asperococcaceae. Als Anfangsglied dieser Gruppe, die freilich in allen ihren Gliedern noch keineswegs genügend untersucht ist, kann wohl Myriotrichia gelten (Fig. 355, i) die an Ectocorpus oder auch an Desmotrichum anklingt. Myriotrichia repens Karsakoff läl.it aus den kriechenden Basal- fäden lange, un verzweigte, monosiphone Triebe hervorgehen. Nach Kuckuck setzen im obei"sten Drittel der Langtriebe interkalare Teilungen ein und diese führen zur Bildung kuizer tjommelformiger Zellen (Knoten), welche mit längeren (Inteinodien) al)weichen. Aus den Knoten entstehen neben zahl- reichen Haaren viele Sporangien (Fig. 355, i) in wirteliger Anordnung; uni- und plurilokuläre sind bald miteinander gemischt, bald getrennt. Zwischen die primären Knoten können durch interkalare Teilungen neue eingeschoben werden. Fig. 356. Co/fi omema simiosa. Orig. Nat. Ciröße. Die großen Blasen von oben gesehen. Myriotrichia- Arten wie M. Protosperococcus u. M. dansa zerlegen nach Kuckuck (s. a. Batters), Knoten und Iiiternodien durch Längswände; be- sonders die Knoten erfahren ziemlich weitgehende Teilungen, so daß auf dem Querschnitt Bilder wie Fig. 355, 2, resultieren. An diesem sieht man auch, daß sich besondere Assimilationsfäden (a) bildeten, welche die Spo- rangien {s/>) meist seitlich tragen. Durch die vielfachen Teilungen wird die Wirtelbildung ziemlich verwischt (Fig. 355, j). Diese ist nun wieder bei Striaria deutlich (Fig. 355, ^). Der Spross entsteht aus einfachen Fäden durch Teilung, etwa wie Stictyosiphon. Ein später auftretender axiler Hohlraum wird von zwei Zellagen umgeben. Die äußeren Zellen produzieren die Sjjorangien in Querzonen (Wirtein); diese ragen weit über die Oberfläche hervor und sind von farblosen Haaren wie auch von einzelligen, dickwandigen Assimilatoren begleitet. 1. Ectocarpales. 65 Hierher vielleicht Sorocarpus (Pkingsheim, Kjellman) und Disco- sporangium (Falkenberg). Asperococcus endlich stimmt in seiner Entwicklung aus Fäden mit der Striaria durchaus überein, ebenso in seinem anatomischen Aufbau, nur werden die Sprosse meistens zu großen darm- und sackartigen Gebilden, welche an der Basis in einen festen Stiel zusammengezogen sind (Fig. 355, 5). Damit kontrastieren dann eigenartige Verkümmerungsformen der Ostsee, welche im wesentlichen die primitive Fadenstruktur beibehalten. Trotzdem erzeugen sie Sporangien, Die Normalformen entwickeln unilokuläre Sporangien in Soris, welche über die ganze Oberfläche zerstreut gefunden werden und schon mit bloßem Auge als dunkle Punkte erkennbar sind. Neben den Sporangien stehen (Fig. 355, 6) zahlreiche, wenigzellige Assimi- latoren. Da dieselben hier wie auch bei Striaria und Myriotrichia oft recht Fig. 357 nach Mitchell, Barton und Skottsberg. / Sorus v. Soranthera. 2 Ders. bei Colpomenia sinuosa. j Haargruben und Assimilatoren von ders. 4 Scheitelgrube von Cladochroa. h Haare, a Assimilatoren. ti, pl Sporangien. derb und starr sind, bezeichnet sie Reinke als Stacheln. Ihnen verdankt die Pflanze den Namen; die Sori fühlen sich meist sehr rauh an. Die Gametangien stehen nach Buffham bei Asp. bullosus ebenfalls in Sori, untermengt mit „Stacheln", bei Asp. compressus fand sie Sauvageau auf relativ kleinen Pflänzchen, sehr große Flecke bildend, und bei Asp. scaber entdeckte Kuckuck uni- und plurilokuläre Sporangien, nicht selten gemengt und dann von Assimilatoren begleitet; außerdem aber ergaben sich Exemplare, auf welchen die plurilokulären Sporangien allein und dann ohne „Stacheln", oft weite Strecken überziehend, vorkommen. Oltmanns, Morphologie u. Biologie d. Algen. 2. Aufl. II. 5 66 IX. Phaeophyceae. Eiicoeliaceae. Hauptvertreter sind: Colpomenia, Hydroclathrus, Soranthera, AdenocYStis und Cladochroa. Mit Ausnahme der letzteren, die nach Skottsberg verzweigt ist (Fig. 358), handelt es sich um große mit Flüssig- keit oder auch mit Luft gefüllte Hohlkörper. Diese stellen bei Adeno- cystis (Fig. 358) einen kurz gestielten, birnförmigen Körper dar, ebenso bei Utriculidium Skottsberg, bei Soranthera sind sie fast kugelig, bei Col- pomenia (Fig. 356) dagegen erscheinen sie unregelmäßig gelappt und ohne Stiel. Hydroclathrus endlich hat netzig durchbrochene Blasen- wandungen, er erinnert an den Pilz Clathrus cancellatus. Davon später. Die in Rede stehenden Algen verankern sich häufig im Gewebe anderer Tange, doch kommt Colpomenia u. a. auch auf Gestein vor. Diese Art erschien etwa im Jahre 1906 in großer Menge an den atlantischen Küsten Frank- reichs (Sauvageau), sie schädigte dort die Austernbänke. ¥ig. 358 n. Skottsberg. / Cladochroa chnoosporiformis. utricularis. -5 Keimlinge von Adenocystis Die Wand der Blasen — bald lederig, bald knorpelig — bietet im Aufbau keine wesentlichen Abweichungen von Asperococcus, welchen Murray, Kjellman u. a. sogar hierher rechnen. Ein Vegetationspunkt ist nicht erkennbar, das Wachstum dürfte auf den älteren Stufen wenigstens inter- kalar sein. Von Interesse sind hauptsächlich die Haargruben. Am einfach- sten sind diese Cryptostomata bei Colpomenia (Mitchell). Die Rinde 1. Ectocarpales. 67 senkt sich einfach an gewissen Stellen ein oder besser es bleiben bestimmte Punkte im Wachstum zurück, während die benachbarten Elemente sie über- holen (Fig. 357, 2). Die Zellen in der Vertiefung wachsen zu Haaren aus, rings um dieselben liefern die Rindenzellen Sporangien (//.) — wie es scheint stets plurilokuläre. — Sind diese entleert, dann treiben die gleichen Basalzellen keulige Gebilde (Fig. 357, j, a), die man als Paraphysen oder lieber als Assimilatoren bezeichnen kann. Im wesentlichen gleich verhält sich Soranthera (Barton), nur werden hier die Sporangien gleichzeitig mit den Assimilatoren entwickelt (Fig. 357, /). Ganz ähnliche Beziehungen zwischen Haargruben und Sporangien geben Kjellman und Murray an, nur sind die Cryptostomata hier wohl tiefer und schärfer ausgeprägt, ebenso bei Chnoospora. Sind einmal in Verbindung mit den Haargruben Sporangien gebildet, so können sich letztere zu großen zusammenhängenden Flecken (Sori) gruppieren, indem immer weitere Teile der Rinde auswachsen. Leider ist die Entwicklung dieser Form wenig bekannt. Skottsberg zeichnet ein junges Exemplar von Adenocystis (Fig. 358, :?), dasselbe ist noch solid und trägt auf dem Scheitel ein eingesenktes Haar, das wiederum für die Entwicklung keine Rolle spielt. Diese vollzieht sich in dem parenchy- matischen Gewebe. Es ensteht ein keuliger Körper (Fig. 358, 4, 5), der eine Haargrube auf dem Scheitel trägt und kugelig aufschwillt, wohl deswegen, weil im Inneren das Zentralgewebe auseinander weicht. An solche Jugendstadien erinnert Skotts- BERGs neue Gattung Clado- chroa (Fig. 358, /). Auch an ihr treten die Haargruben des Scheitels gut hervor (Fig. 357, ./), und nicht minder die seit- lichen. Ihr Bau stimmt z. B. mit dem von Colpomenia durch- aus überein und man ist zu der Frage berechtigt, ob wohl Clado- chroa dem Anfangsgliede der Encoeliaceae nahe stehe. Von Soranthera fanden" Barton und Kuckuck junge Stufen. Diese sind kugelig. In ihnen strahlen zahlreiche, ziem- lich dicke Zellreihen vom Zen- trum aus (Fig. 359), um an der Peripherie in eine kleinzellige Rinde überzugehen, aus welcher zahlreiche, kurze Assimilatoren radial hervor- sprossen. Durch Zerreißen der inneren Zellen wird die Kugel später hohl. Außerdem werden — das ist auffallend — die primären Assimilatoren abgeworfen, die Oberfläche erscheint dann auf gewissen Stufen wiederum glatt. Später liefert sie dann, in Verbindung mit den Haargruben und Sporangien, die schon oben erwähnten sekundären Assimilationsfäden (Fig. 357, j). Gehören die Myriotrichen, Asperococcen und Epcoelien so zusammen, wie wir annehmen, dann bilden sie unter den polystischen Ectocarpales eine Nebenreihe, die durch Desmotrichum mit Ectocarpus direkt verkettet sein mag. Mit dieser Auffassung schließe ich mich im wesentlichen an Reinke und Kuckuck an, welche beide die Asperococcen als besondere kleine Gruppe ansehen, und ich trage auch Sauvageau Rechnung, welcher eben jenen Anschluß an Desmotrichum betont. Fig. 359. Soranthera tdvoidea. PoST et RUPR. Orig. Kuckuck. ßg IX. Phaeophyceae. b) Die Fortpflanzung. a) Die Verteilung der Fortpflanzungsorgane. Schon aus früheren Andeutungen geht hervor, daß uni- und plurilo- kuläre Sporangien keineswegs in allen Gruppen in der gleichen Weise über die verschiedenen Individuen verteilt sind. Wir heben nun hier einiges von dem heraus, was die direkte Beobachtung ergab. Kulturen, die allein end- gültigen Aufschluß zu geben vermögen, liegen nicht vor. Im Allgemeinen erscheinen die Fortpflanzungsorgane naturgemäß auf halbwegs erwachsenen Pflanzen, doch ist das keineswegs allgemeine Regel, besonders Kuckuck wies auf die sogenannte Prosporie. d. h. auf das Auftreten von Sporangien an ganz jugendlichen Pflanzen hin. Er erwähnt besonders Pogotrichum filiforme, Myrionema u. a., Algen, welche Sporangien an den Kriechfäden und Sohlen zu einer Zeit produzieren, in welcher von aufrechten Sprossen noch nichts zu sehen, oder die Entwicklung noch nicht im entferntesten abgeschlossen ist. Bei vielen Formen folgen uni- und plurilokuläre Sporangien an den- selben Pflanzen aufeinander, meist gehen die ersteren voran. So bei Ecto- carpus (Pilayella) litoralis, tomentosus u. a.; es treten im ersten Frühjahr die Sporangien, später die Gametangien in die Erscheinung. Die Art der Ablösung wird von der Außenwelt abhängen. Auf alle Fälle muß ein Stadium eintreten, auf welchem die beiden Arten von Sporangien mitein- ander gemischt erscheinen, und es mag Spezies geben, welche auf dieser Stufe recht lange verharren. Das scheint für Ectocarpus siliculosus u. a. zuzutreffen. Man findet hier neben den Gametangien fast immer Sporangien in mäßiger Zahl. Letztere allein sind selten (Kuckuck). Bei Myrionema sah Kuckuck zunächst nur unilokuläre Sporangien (s. oben), die plurilo- kulären traten sehr viel später auf, aber zeitweilig waren sie mit den ersteren gemischt. Die umgekehrte Reihenfolge gibt Barton für Soranthera an. doch ist die Sache hier recht kompliziert und der Prüfung bedürftig. Kuckuck fand bei Myriotrichia im Frühjahr pluri- und im Sommer unilokuläre Spo- rangien, bei Elachistea sah er (Mskr.) die Gametangien an kurzen aufrechten Ästen aus den Sohlen hervorgehen, die Sporangien kommen später an den ausgebildeten Polstern zum Vorschein. In allen vorerwähnten Fällen ist nicht anzunehmen, daß die Beobachter sich durch aufeinander folgende Generationen täuschen ließen. Der Gedanke läge ja nahe, weil es tatsächlich nicht wenige Arten gibt, bei welchen die verschiedenen Fortpflanzungsorgane auf verschiedenen Individuen stehen, das sind z. B. Leptonema (Fig. 323, S. 31). Lithoderma, Ralfsia, Aspero- coccus, Strepsithalia u. a. Bei den genannten Gattungen finden verschiedene Beobachter (s. a. Kylin), daß die Individuen mit plurilokulären Sporangien in der Form ein wenig von denen mit unilokulären abweichen. Das würde hinüberführen zu Sauvageaus Befunden an Dictyosiphon, wo die kleinen Gametophyten ganz anders dreinschauen als die großen Sprosse mit uni- lokulären Sporangien (S. 61). Freilich steht für die erwähnten Fälle nicht fest, daß ein regelmäßiges Alternieren Platz greife, ein Generationswechsel wird sich schwer konstruieren lassen, weil Exemplare mit einer Fortpflanzungsform oft weit häufiger sind als solche mit der anderen, dazu noch in der gleichen Gattung. Lithoderma hat nach Kuckuck weit mehr Gametangien-Exemplare als Individuen mit Sporangien. Bei Asperoccocus bullosus und compressus überwiegen Pflanzen mit unilokulären Sprorangien, bei Asperococcus scaber solche mit plurilokulären. 1. Ectocarpales. 69 ß) Die Sporangien. Diese entstehen, wie für die verschiedenen Abteilungen bereits geschil- dert wurde, entweder im Fadenverbande oder als kurze Seitenzweige bei fädigen Formen oder als Ausstülpungen der Kortikalschicht bei den Phaeo- sporeen mit parenchymatischem Gewebe. Das junge Sporangium, welches mit dichtem Inhalt versehen ist, ent- hält zunächst einen Kern und, je nach der Spezies, einen bis wenige Chro- matophoren. Beide vermehren sich (Fig. 360, ^), die letzteren werden klein, scheibenförmig. Sie liegen zunächst noch ganz an der Peripherie der Zelle, mit der flachen Seite der Wand zugekehrt (Fig; 360, 2a), spä- ter aber verteilen sie sich nach Kuckuck bei Ectocarpus sili- culosus, lucifugus u. a. ungefähr gleich- mäßig durch die ganze Mutterzelle. Dabei kehren sie viel- fach dem Beobachter, also auch der Zell- wand, ihre Kante zu, und es erhalten die Sporangien das Aus- sehen, welches etwa Fig. 360, I wieder- gibt. Nach einem ge- ringen Wachstum der ganzen Anlage be- merkt man bald an jedem Chromatophor einen braunroten Punkt (den zukünf- tigen Augenfleck) (a Fig. 360, 3) und kann zugleich auch in unmittelbarer Nähe je einen Kern nach- weisen (P'ig. 360, 4). Nun zerfällt das ganze Plasma in soviel Por- tionen (Fig. 360, j) als Kerne vorhanden sind. Diese stellen die zukünftigen Schwärmer dar, wel- che vorläufig noch polygonal abgeplattet sind, und es ist allbekannt, daß sie nicht durch feste Zell wände, sondern nur durch Plasmalamellen gegeneinander abgegrenzt sind. Reihen von Punkten (Fig. 360, 3) markieren die Grenze. Davon kommen freilich Abweichungen vor. Kuckuck fand, daß bei manchen Phaeosporeen Schleimsepten kurz vor der Fertigstellung der Zoo- Fig. 360. Unilokuläre Sporangien von Phaeosporeen n. KuCKUCK, Kleb AHN, ReinKE. /, 2 Ectocarpus lucifugus, a jüngeres, b älteres Stadium, j, 4 Pleurocladia lacustris. k Kerne, ehr Chromatophor. a Augenfleck. 5 Pilayella litorahs n. KuCKUCK. 6 Cyli>uirocarpiis tnircoscopicus ; Spitze eines Sporangiums. ■w i/embran. seh Schleim, pl Plasma. 7 Zoosporen von Chorda Filutn. 8 Ectocarpus siliculosus, Zoosporen. 70 IX. Phaeophyceae. Sporen gebildet werden, die allerdings sehr leicht zerfließen. Dieser Be- obachter hebt auch hervor, daß bei Ectocarpus (Pilayella) litoralis die Chro- matophoren sich zunächst gleichmäßig im Plasma verteilen, dann in radialer Stellung an die Peripherie zurückwandern (Fig. 360, 5), um nun erneut gegen die Mitte vorzudringen. Erst jetzt werden die Zoosporenportionen gesondert. Die Zoosporen treten aus dem Sporangium meistens an dessen Spitze aus. Die Membran öffnet sich durch Zerreißen oder Verquellen, und in manchen Fällen, z. B. bei Choristocarpus wird ein regelmäßig umschriebener Porus gebildet. Der Öffnung wird nicht selten durch eine mit Verschlei- mung oder Verquellung verbundene Verdickung der Membran vorgearbeitet und Kuckuck sah außerdem bei Cylindrocarpus eine Ansammlung farblosen Plasmas (Fig. 360, 6). Die Erscheinung ist vielleicht ziemlich verbreitet. Die entleerten Häute bleiben häufig noch lange erhalten und speziell bei den Sphacelarien, aber auch bei vielen anderen Phaeosporeen wächst die Stielzelle in den Hohlraum ein, um ein neues Sporangium zu bilden. Das kann sich mehrmals wiederholen. Die aus den unilokulären Spor- angien entleerten Schwärmer haben meistens Birnform, sie sind lebhaft be- weglich und zwar mit Hilfe der Cilien, welche seitlich inseriert sind, wie das schon Thuret erkannte. Eine der- selben ist, das weiß jedermann, nach vorn gerichtet, die andere nach rück- wärts. Sie entspringen an dem roten Augenfleck, der hier stets seitlich sitzt und wiederum mit einem Chromatophor in Verbindung steht; das ist eine Erscheinung, die auch in anderen Fa- milien genau so wiederkehrt (Fig. 360, 7). Gewöhnlich ist ein Chromatophor gegeben, welches sich, mantelartig ge- bogen, am dickeren Ende befindet. Durchaus nicht selten aber sind in den verschiedensten Gruppen Schwärmer mit ziemlich zahlreichen linsen-scheibenförmigen Phaeoplasten (Fig. 361, g). Da diese sich am Hinterende sammeln, bleibt das vordere frei und farblos. Ein meistens etwas vorgeschobenes Scheibchen trägt den Augenfleck, an welchem auch die beiden Geißeln inseriert sind. Die Zahl der Chromatophoren in den Zoosporen ist vielleicht nicht ohne Bedeutung für die Unterscheidung größerer oder kleinerer Gruppen unter den Phaeosporeen. Die aus den unilokulären Sporangien austretenden Schwärmer wurden niemals in Kopulation gefunden, sie keimen direkt, verdienen also den Kamen Zoosporen ohne allen Zweifel. Sauvageau betont, daß diese bei Elachistea, Myrionema u. a. lang- samer keimen als die Schwärmer aus plurilokulären Sporangien. Ich meiner- seits konnte diese Wahrnehmung an Pilayella litoralis u. a. nicht machen. Vor der Keimung setzen sich die Zoosporen mit Hilfe der Vorder- geißel fest. Diese bildet an ihrer Spitze eine kleine, saugnapfähnliche Verdickung. Unter schlängelnder Bewegung der Geißeln wii'd (Fig. 360, cS^) die Zelle selber an das Substrat herangezogen, während die Vordergeißel Fig. 361. Ectocarpus glohifer. Original Kuckuck. Schwärmer. 1. Ectocarpales. 71 mit dem vorderen Zellende verschmilzt. Dann fließt nach Kuckuck Plasma an der Cilie entlang und sorgt für weitere Befestigung (Fig. 360, S). Schließ- lich findet Abrundung des Ganzen statt und Umhüllung mit Membran. Die Hintergeißel vereinigt sich ebenfalls mit dem dickeren Zellende. Die Schwärmer mit zahlreichen Chromatophoren runden sich häufig ab ohne sich mit der Vordergeißel festzusetzen (Fig. 361). Fig. 362 n. Thuret, Reinke u. Kuckuck. Plurilokuläre Sporangien von Phaeosporeen. 1—3 Stictyosiphon tortilis in verschiedenen Entwicklungsstadien. 4 Ectocarpus ovatus. 5 Ect. siliculosus. 6 Kjelbnania sorifera. y Ect. Reinboldi 8 Ed. Hohnesii; Durch wachsung der leeren Hüllen. y) Die Gametangien entstehen den unilokulären vielfach homolog, Abweichungen wurden früher bereits erwähnt; gewisse Variationen können an der gleichen Spezies auftreten. Die kurzen Seitenäste oder die Aussprossungen der Rinde usw. welche zur Bildung von Gametangien bestimmt sind, werden durch rasch 72 IX. Phaeophyceae. aufeinanderfolgende Querwände in Scheibenzellen zerlegt, und dabei kann es (Microspongium, Ascocyclus Fig. 303) sein Bewenden haben. Meistens aber setzen in diesen Scheiben Längsteilungen ein und so entstehen fast würfelförmige Zellen mit festen Wänden. Jedes Fach enthält einen relativ großen Kern, und es zeigt sich auch besonders bei jenen Arten, bei welchen jeder Schwärmer nur ein Chromatophor enthält, die Neigung, die Farbstoff- träger von der Wandung weg in eine radiale Stellung zu bringen. Diese Profilstellung ist häufig recht auffallend (Fig. 362^). Die Vorgänge sind aber in unserer Gruppe nicht ganz einheitlich. Bei Stictyosiphon z. B. spielen sich einige Kern- und Chromatophoren- Fig. 363. Kopulation der Gameten bei Ectocarpus siliculosus n. Berthold u. Olt.manns. / — 9 n. d. Leben, lo — 16 n. gefärbtem Material. teilungen in den jungen Gametangien ab, ehe zwischen jenen feste Wände gebildet werden (Fig. 362, /) und bei Lithoderma werden alle Kernteilungen vollzogen, erst dann beobachtet man die trennenden Wände. Damit nähern sich die Vorgänge offenbar denen in den unilokulären Sporangien. Es muß aber wohl festgehalten werden, daß die trennenden Schichten und Lamellen bei diesen letzteren erst zum Vorschein kommen, wenn die Schwärmer völlig geformt sind, während die Wände in den Gametangien meist vor diesem Zeitpunkt angelegt und ausgebaut werden. Mag die Wandbildung früh oder spät erfolgen, der Inhalt jedes ein- zelnen Zellchens wandelt sich in toto zu einem Schwärmer um und diese schlüpfen nun auf verschiedene Weise aus. 1. Ectocarpales. 73 All- und altbekannt ist Thurets in Fig 362,5 wiedergegebenes Bild: die festen Zellwände, welche die eben gebildeten Schwärmer noch trennen, werden bis auf wenige ring- oder balkenförmige Reste, welche besonders die ersten Wände noch markieren, aufgelöst; dann öffnet sich das ganze Sporangiuin meist an der Spitze und die Schwärmer treten, zunächst in etwas Schleim gehüllt, heraus, lösen sich aber rasch aus diesem und eilen davon. Wo die Wände sehr zeitig der Zerstörung anheim- fallen, kann ein uni- lokuläres Sporangium vorgetäuscht werden. Einen anderen Modus repräsentieren Ectocar- pus Reinboldi, Litho- derma u. a. Bei diesen reißt jedes Fach des Sporangiums seitlich auf, und jeder Schwärmer schlüpft dem- gemäß einzeln seitlich aus (Fig. 362, 7), Kjellmania (Fig. 362, 6) mag einen Übergang zwischen bei- den Fällen kennzeichnen. Auch die leeren Hüllen der plurilokulären Spor- angien werden, wie Fig. 362, S zeigt, durch- wachsen und von neuen plurilokulären Spor- angien ausgefüllt. Die hier in Frage kommenden Schwärmer haben wie die unge- schlechtlichen bald einen, bald zahlreiche Chromato- phoren, und wenn auch im allgemeinen beiderlei Schwärmerformen gleich sind, ist das doch durch- aus nicht Gesetz. Bei der nämlichen Spezies können gelegentlich die unilokulären einen, die plurilokulären Schwärmer mehrere Farbkörper führen, z. B. bei Myrionemen usw. d) Befruchtung. Die aus den plurilokulären Sporangien ausgeschlüpften Schwärmer sind mindestens zu gewissen Zeiten und unter gewissen Bedingungen Gameten. Fig. 364. Giffordia Lebelii n. Sauvageau. 7v Gewebe der Wirtspflanze, i interkalarer Vegetationspunkt. 74 IX. Phaeophj'ceae. Berthold wies das zuerst für Ect. siliculosus und Scytosipbon lomen- tarius nach, Sauvageau fand später spärliche Kopulationen bei dem gleichen Ectocarpus; ich konnte nach vorübergehenden Zweifeln Bertholds An- Fig. 365 n. Kuckuck. / Nemoderma tingitafia\ aufrechte Fäden mit plurilokulären Sporangien. 2 dass. mit interkalarem unilokul. Sporangium. gal)en für Ectocarpus vollauf bestätigen, und Kuckuck beschrieb bald da- rauf erneut die Sexualität von Scytosipbon. Später beobachtete er sie bei einer Anzahl von Formen, neuerdings macht Kylin Angaben über Asperococcus. Das klassische Beispiel bleibt Ectocarpus siliculosus. 1. Ectocarpales. 75 Nach Bertholds Vorschrift isoliert man einige Exemplare desselben in Glasgefäßen. Sie entlassen dann (in Neapel im März-April, etwa bis 9 oder 10 Uhr vorm.) ihre Gameten, und wenn man jetzt Schwärmer von verschiedenen Exemplaren im Hängetropfen vereinigt, sieht man sehr bald eine Anzahl derselben sich am Lichtrande mit der vorderen Geißel (Fig. 363, J) festsetzen. Die Formalitäten der Anheftung sind die gleichen, wie sie oben für die Zoosporen beschrieben wurden. Die so fixierten Gameten sind die weiblichen; sehr bald nach ihrer Anheftung sammeln sich meist zahlreiche (männliche) Schwärmer von gleicher Größe um die ersteren, heften sich mit der Vordergeißel auf ihnen fest und vollführen eine zappelnde Bewegung (Fig. 363, / — 2). Nach kurzer Zeit nähert sich eines der Männchen dem festsitzenden Weibchen und beginnt mit ihm zu verschmelzen (Fig. 363, 3—6). Schon die erste Annäherung eines männlichen Schwärmers an den festsitzenden ist für die übrigen das Signal zum Rückzug. Die Verschmelzung erfolgt meistens derart, daß das farblose Ende des Männchens auf das chromatophorenführende des Weibchens trifft, doch sind mannigfache Ausnahmen keineswegs selten (Fig. 363, g). Ist die Ver- einigung annähernd vollendet, so rundet sich die Zygote unter Einziehung des Fußes ab, umgibt sich mit Membran und keimt (Fig. 363, 6*) schon binnen 24 Stunden. Während die Kerne sich natürlich vereinigen, ver- schmelzen die Chromatophoren nicht, deren Augenflecke sind sogar noch recht lange sichtbar (Fig. 363, c?). Die Kopulation der Ectocarpus-Gameten ist oft vergeblich gesucht worden, immerhin mehrten sich in neuerer Zeit die Befunde. Ectocarpus- slliculosus wurde bei Neapel im März und April nur von wenigen Be- obachtern in Kopulation gefunden, Kuckuck vermißte diese an der gleichen Pflanze im Juni auf Helgoland, sah sie reichlich und regelmäßig fast all- jährlich im Juli und August. Am besten reagierte ihm auf Helgoland im Januar und Fel)ruar Lithoderma fatiscens; der Sexualakt bleibt fast nie aus. Auch Stictyosiphon gab reichlich Zygoten. Demgegenüber kopulierten bei Scytosiphon von 100 Gameten auf Helgoland etwa 1, an den marokkanischen Küsten keiner. Mit Phyllitis war in Helgoland nichts anzufangen, in Ro- vigno vollzog sich alles glatt und leicht. Solcher Beispiele werden mit der Zeit wohl noch mehr zur Kenntnis kommen (s. Kylin). Die Gründe für die fraglichen Erscheinungen liegen naturgemäß nicht klar. Nur ganz allgemein darf man schon annehmen, das die Außen- welt (Wassertemperatur, Licht usw.) bestimmend eingreife. Da wäre es denn sehr möglich, daß das Verhältnis der männlichen zu den weiblichen Schwärmern eben durch jene abgeändert wird. Kuckuck vertritt diese Auf- fassung und zeigt, daß auf Helgoland die massigen Ansammlungen, von Männchen um die Eizelle unterbleiben, obwohl sonst die Verschmelzung normal verläuft. Nach ihm wären in Neapel mehr männliche Gameten ent- wickelt als vor Helgoland. Wo dann die Kopulation unterbleibt, wären entweder nur Männchen oder nur Weibchen zugegen. Das läßt sich wohl hören, namentlich mit Rücksicht auf das, was über Cutleria noch zu be- richten sein wird. Aber mir scheint, daß doch in gewissen Fällen beide Geschlechter vertreten sind, daß aber die Geschlechtsstimmung unter- drückt wurde. Männliche und weibliche Schwärmer, welche nicht kopulierten, gehen keineswegs zugrunde, alle Beobachter sahen beide zu Keimfäden auswachsen. Das vollzieht sich eventuell in demselben Hängetropfen, in welchem sich 76 IX. Phaeophyceae. bereits Zygoten gebildet hatten. Es würde sich hier um männhche und weibliche Parthenogenesis handeln — wenn der Ausdruck gestattet ist. Viel- leicht liegen die Dinge aber noch komplizierter. Schon Berthold erwähnt „neutrale" Schwärmer, welche auch plurilokulären Sporangien entstammen und ohne jede Kopulation rasch keimen. Ich glaube sogar bei Ectocarpus siliculosus diese Schwärmer erkennen zu können, da sie durch Umriß, Bewegung und Lichtempfindlichkeit ein wenig von den Gameten abweichen. Die Sporangien (wir wollen sie auch neutrale nennen) freilich, aus welchen sie hervorgehen, sind in diesem Falle von den echten Gametangien nicht unterscheidbar. Fig. 366. Giratidia sphace- larioides. Orig. KUCKÜCK. Keimlinge. Ist das alles richtig, so hätten wir ähnliche Verhältnisse wie bei Ulothrix u. a. (Klebs, Pascher, Bd. I, S. 305) bei welchen ja neben Gameten und Zoosporen noch Mikrozoosporen nachgewiesen wurden. Wir müßten uns dann freilich vorstellen, daß die Außenwelt bald männliche und weib- liche Gameten, bald eine Sorte von diesen allein, bald aber neutrale Schwärmer hervorzaubert. Fast möchte man wünschen, daß weitere Beobachtungen diese Dinge vereinfachen. Man würde das hier kaum betonen, wenn nicht die später zu erwähnenden Befunde bei den Giffordiaceen dazu anregten. An sich würde Kuckucks Vermutung, daß beim Unterbleiben der Kopu- lation das eine Geschlecht fehlt, durchaus zur Erklärung der Vorgänge aus- reichen. 1. Ectocarpales. 77 Die Befruchtiingsprozesse bei den Ectocarpaceen sind deshalb von allgemeinem Interesse, weil hier zwar äußerlich gleichgestaltete physiologisch aber verschiedene Gameten vorliegen, wie das so oft schon betont ist. Man kann von männlichen und weiblichen Gameten, wenn man will auch von Eiern und Spermatozoiden reden, was ich freilich als verfrüht ansehe. Sicher aber sind physiologisch verschiedene Gametangien vorbanden und solche wai-en in Bertholds Versuchen unzweifelhaft auf verschiedene Indi- Fig. 367. Orig. Kuckuck. Giraudia sphacelarioides. viduen verteilt, die Pflanzen erwiesen sich also als diözisch. Dem ist aber schon bei Ectocarpus siliculosus nicht immer so, denn Kuckuck fand ihn in Helgoland monoezisch. Ausschließlich monoezisch ist auch Lithoderma fatiscens. Man darf annehmen, daß zwischen beiden Extremen genug der Übergänge vorhanden sind. GoEBEL und Reinhardt haben für einige Ectocarpeen eine völlig isogame Befruchtung angegeben. Die gleichen Objekte konnte bislang niemand nachprüfen. Warscheinlicher sind die Ergebnisse durch die Befunde aus den letzten Jahren nicht geworden. Immerhin bleibt die Möglichkeit be- 78 IX. Phaeoph)'ceae. Stehen, daß in unserer Familie derartiges vorkommt. Wir hätten dann bereits hier einen leichten Aufstieg von der Isogamie zur Oogamie, der nun in den nächsten Gruppen viel augenfälliger wird. B. Oogame Ectocarpales. Giffordiaceae. Die Tatsache, daß die Kopulation bei ganz verschiedenen Gattungen gleichartig verläuft, legte die Vermutung nahe, daß dies auch für die ganze große Gruppe der Ectocarpaceen zutreffe. Indes hat Sauvageau gezeigt, daß in der Gattung Ectocarpus selbst nennenswerte Differenzen auftreten. Seine Untersuchungen beziehen sich auf Ect. secundus, Lebelii, Padinae u. a., welche Batters daraufhin in die neue Gattung Giffordia zusammenstellte. jGiffordia secunda weicht in seiner Wachstumsweise von Vertretern der Gattung Ectocarpus (S. 7) nicht ab, höchstens fällt die einseitige Stellung der Seitenzweige auf (Fig. 368). Andere Giffordien, welche im Gewebe von größeren Algen leben (G. Padinae, Lebelii usw.), lösen ihre Sohlen in Einzelfäden auf und dringen in den Wirt ein. Die über diesen hervor- ragenden Fäden besitzen einen interkalaren Vegetationspunkt {i Fig. 364). Die plurilokulären Sporangien stehen, besonders an jungen Pflanzen, mit Vorliebe unterhalb der letzteren. Ich scheue mich nicht, auch Nemoderma hier anzuschließen. Sie ist von Bornet und besonders eingehend von Kuckuck studiert worden. Von der Sohle erheben sich ziemlich lange aufrechte Fäden (Fig. 365), welche schwach verzweigt teils in Haare teils in kopfig angeschwollene Assimilatoren auslaufen. Unilokuläre Sporangien sitzen bei Nemoderma tingitana interkalar in den aufrechten Fäden (Fig. 365, 2) bei Giffordia wurden sie meines Wissens nicht gefunden. Mit einer Sohle beginnt auch das Leben der Giraudia, welche Derbes und Solier, Goebel und Kuckuck (Mskr.) eingehender unter- suchten. Aus jener erheben sich (Fig. 366, j) monosiphone Fäden, welche mit einem scharf abgesetzten Haar gekrönt sind; die Sache erinnert an Jugendstadien von Dictyosiphon oder Scytosiphon. In den aufrechten Zell- reihen setzen bald Längsteilungen ein und zugleich erscheint ein basales Meristem. Anfangs wenig ausgeprägt beherrscht es später alle Teilungs- vorgänge (Fig. 367). Die Teilungszone ist einreihig, nach oben hin bildet sie indes keulige Fäden, welche durch Längsteilungen parenchymatisch werden, wenn auch keine weitgehende Differenzierung einsetzt. Die Verzweigung ist hypomeristematisch, es entstehen zunächst (Fig. 367, /) monosiphone auf- rechte Fäden, welche später ebenfalls parenchymatisch werden. Plurilokuläre Sporangien werden auf verschiedene Weise gebildet. Ent- weder entstehen sie durch Umwandlung kurzer monosiphoner Fäden, welche unter der Teilungszone hervorsprossen (Fig. 367, j), oder es bilden sich Sorussporangien d. h. aus dem Parenchym der aufrechten Äste treten die fraglichen Körper gruppenweise hervor (Fig. 367, 2). Schließlich können auch wie bei Leptonema interkalare Sporangien (Kuckuck) dadurch gebildet werden, daß die jugendlichen aufrechten Fäden ihre Zellen umwandeln, ehe sie wesentliche Längsteilungen erfahren haben (Fig. 366, 2). Schon Bornet hatte an Giffordia secunda (Fig. 368) zweierlei pluri- lokuläre Sporangien wahrgenommen, einerseits solche mit großen Fächern, welche, intensiv braun gefärbt, relativ große Schwärmer mit zaldreichen 1. Ectocarpales. 79 Scheibenchromatophoren entließen, und andererseits sehr hell gefärbte Sporangien mit sehr kleinen Fächern, welche kleine Schwärmer mit mini- malem Chromatophor bildeten. Sauvageau zeigte dann, daß die großen Schwärmer sich festsetzen, und daß nun die kleinen jene befruchten (Fig. 368, 2—y), ebenso wie das für Ect. siliculosus geschildert wurde. Hier liegen also tatsächlich auch in der Form Antheridien und Oogonien, Spermatozoiden und Eier vor, die bei E. siliculosus erst physiologisch an- gedeutet waren. Antheridien und Oogonien finden sich bald zusammen auf den gleichen, bald auf getrennten Individuen der Giffordia secunda. Die Antheridien fallen dadurch auf, daß in ihnen die Spermatozoiden zwar genau so angeordnet sind wie in den plurilokulären Spor- angien, daß aber feste Zellulosetren- nungswände nicht beobachtet werden konnten. Bei den übrigen Gliedern der Gattung Giffordia konnten ebenfalls Organe gefunden werden, welche zweifellos Antheridien und Oogonien sind, obwohl ihre Funktion als solche noch nicht direkt beobachtet wurde. An den marokkanischen Küsten fand Kuckuck die Oogonien und Antheridien der Nemoderma tingitana auf den gleichen Pflanzen, aber durch- aus getrennt von den unilokulären Sporangien. Er sah das Ausschlüpfen und die Vereinigung der Gameten und schildert sie fast genau so wie Sauvageau bei Giffordia. Kuckuck sah die Befruchtung regelmäßig bis Mitte Mai, später blieb der Sexualakt aus, obwohl die Sper- matozoiden die Eier in Mengen um- schwärmten. Für Giffordia hatte schon vorher Sauvageau Parthenogene- sis angegeben. Hier schwinden zu be- stimmten Zeiten die Antheridien, die Oogonien entstehen weiter, bilden Eier und diese keimen, wenn auch langsam. Kuckuck konnte zwischen Zygoten und unbefruchteten Eiern der Nemoderma in der Keimung keinen Unter- schied finden. Zwischen Formen mit typischen Antheridien und Oogonien und dem Ect. siliculosus gibt es vielleicht noch Übergänge, z. B. erwähnt Karsakoff, daß Myriotrichia clavaeformis zweierlei Formen plurilokulärer Sporangien habe. In der einen werden 8 größere, in der anderen IG kleinere Gameten produziert. Gameten verschiedener Art sollen kopulieren. Die Zeichnungen freilich schaffen keine völlige Klarheit und Kuckuck konnte die Angaben vorläufig nicht bestätigen. Auch bei Myrionema findet Sauvageau ver- schiedene Formen plurilokulärer Sporangien. Das alles erwähne ich, weil bei genauer Prüfung vielleicht noch einige oder gar zahlreiche Formen in die Familie der Giffordieen zu versetzen sind. Fig. 368 n. Bornet u. Sauvageau. "KE, Über die Entwickelung von Phyllitis, Scytosiphon u. Asperocoecus. Pringsh. Jahrb. 11, 262. — , Algenflora der westlichen Ostsee deutschen Anteils. Ber. d. Komm, zur Erf. deutscher Meere in Kiel 1888. — , Atlas deutscher Meeresalgen. Kiel 1889—92. — , Lehrb. der Botanik. Berlin 1880. RoE, M. L., A contribution to our knowledge of Splachnidium. Bot. Gaz. 1916. 62, 400. Rosexvinge, L. K., Grönlands Hafalger. I. Meddelelser om Grönland 1895. 3. auch unter dem Titel : Algues marines du Groenland. Ann. des sc. nat. 1893. — , Deuxieme mem. sur les algues marines du Groenland. Meddelelser om Grönland 1898. 20. Sauvageau, C., Note sur l'Ectocarpus Battersii Bornet. Journ. de bot. 1894. 8. — , Note sur l'Ectocarpus pusillus Griff. Ebenda 1895. 9. — , Note sur l'Ectocarpus tomentosus Lyngh. Ebenda 1898. 9. — , Sur les sporanges pluriloculaires de l'Asperococcus compressus. Ebenda 1895. 9. — , Sur le Strepsithalia, nouveau genre de Pht^osporees. Ebenda 1896. 10. — , Sur la membrane de l'Ectocarpus fulvescens. Ebenda 1896. 10. — . Sur quehjues Myrionemacees. Ann. des sc. nat. bot. 1898. 8 sör. 5. — , Observations relatives ä la sexualite des Phöosporees. Journ. de bot. 1896. 10, 357. — , Sur l'Ectocarpus virescens Thur. et ses deux sortes de sporanges pluriloculaires. Ebenda 1896. 10. — . Remarques sur la reproduction des Ph^osporöes et en particulier des Ectocarpus. Ann. sc. nat. bot. 1896. 8 ser. 2, 223. 2. Sphacelariales. 83 Sauvageau, C, La copulation isogamique de l'Ectocarpus siliculosus est-elle apparente ou reelle. Mem. de la soc. des sc. nat. et math. de Cherbourg 1897. 30, 294. — , Sur l'apparition, renvahissenient et la disposition du Colpomenia sinuosa. Comptes rendus des s^ances de la soc. de Biologie Bordeaux 1908, (55, 751. — , Le Colpomenia sinuosa au voisinage des huitrieres de Marennes. Ebenda 1909. 66,805. — , Sur un nouveau type d'alternance des generations cliez les alques brunes (Dictyo- siphon foeniculaceus). Compt. rend. ac. sc. Paris 1917. 164, 89. Schmitz, Fr., Kleinere Beitr. zur Kenntnis der Florideen. La nuova Notarisia 1894. Ser. 5 (Castagnea). Skottsberg, C, Reniarks on Splachnidium rugosum (L.) Grev. Svensk. Bot. Tidskrift. 1920. 14, 277—287. SöDERSTRÖM, E., Über d. anat. Bau von Desmarestia aculeata Lam. Sv. Vetensk. Akad. Handl. 1889. 14, 3 Nr. 3. SvEDELius, N., Microspongium gelatinosum Rke. en för svenska floran ny Fucoidß. Botaniska Notiser 1899. Thuret, G., Rech, sur les zoospores des algues etc. Ann. sc. nat. bot. 1850. 3 ser. 14, 214. Thuret et BoRNET, Etudes phycologiques 1878. Weber van Bosse, A., Liste des algues du Siboga. I. Myxophyceaa, Chlorophyceae, Phaeophyceae. Monographie 59 der Siboga-Expedition. Wille, N., Über Pleurocladia lacustris A. Br. und deren systemat. Stellung. Ber. d. d. bot. Ges. 1895. 13, 106. Yendo, K., On Haplosiphon filiformis Rupr. Trav. mus. bot. ac. imp. sc. Petersbourg. 1913. 114—121. 2. Sphacelariales. Die Sphacelariaceen stellen oft mäßig große, buschige Gebilde vom Habitus eines mittleren Ectocarpus dar, doch kommen robustere Formen auf der einen, zierlich gefiederte oder sonst eigenartig gestaltete Sproß- systeme auf der anderen Seite nicht selten vor. Charakteristisch für unsere Gruppe ist die große, bisweilen mit bloßem Auge sichtbare Scheitelzelle, welche jeden Zweig krönt (Fig. 370) und durch ihre Teilungen das Parenchym liefert, aus dem mit wenigen Ausnahmen die Sphacelariaceensprosse aufgebaut sind. Die Scheitelzelle lagert oft in Mengen braune bis fast schwarze Sub- stanzen ein, die Spitzen erscheinen deshalb oft brandig, und so entstand der Name Sphacelariaceen oder Brandalgen {ocfdxelog = Brand), Die großen Scheitelzellen, die regelmäßigen Teilungen in ihnen und in ihren Segmenten haben schon früh die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt; so sind wir denn durch ältere Forscher, besonders aijer durch die Arbeiten von Geyler, Magnus, Pringsheim, Reinke und Sauvageau sowie durch gelegentliche Beobachtungen anderer Autoren recht gut über den Aufbau der Sprosse orientiert. Die Kenntnis der Keimungsgeschichte freilich läßt fast alles zu wünschen übrig; es fehlen Kulturen. Die Sphacelariaceen sind in allen Meeren verbreitet; sie leben mit Vorliebe epiphytisch, endophytisch oder gar parasitisch auf größeren Algen (Laminariaceen, Fucaceen usw.). Besonders die epiphytischen Formen pflegen eine relativ große und derbe Sohle zu entwickeln, die typisches Rand Wachstum zeigt und oft mehrschichtig wird; die Parasiten und Endo- phyten lösen hier wie überall ihre basalen Regionen in Einzelfäden oder doch in größere Lappen auf, die das Gewebe des Wirtes durchsetzen. Besonders charakteristische Fälle dieser Art behandeln wir im allgemeinen Teile des Buches. 84 IX. Phaeophyceae. Zu erwähnen ist noch, daß viele Sphacelariaceen ihre Sohlen usw. sehr weit entwickeln, ehe sie aufrechte Sprosse treiben. Das erleichtert unver- kennbar die Verankerung auf dem Substrat. Die Sporangien der Sphacelariaceen gleichen im wesentlichen denen der Ectocarpaceen, doch sind sie häufig größer; die unilokulären haben .•:i'i-:;V' Fig. 371. Fig. 370 n. Reinkes Atlas. Spitze eines Sprosses von Sphace- laria racemosa Grev. Fig. 371. Sphacelaria cirrhosa n. ReiNKES Atlas. / Anlage eines Sporangiunis. 2 plurilokuläre, 3 unilokuläre Sporangien. Neigung, Kugelform anzunehmen, die plurilokulären erscheinen breit zylindrisch bis kugelig (Fig. 371). Die Zellen der Sphacelarien sind sämtlich dadurch ausgezeichnet, daß sich die älteren Teile ihrer Wände, wie Reinke fand, durch Eau de Javelle schwarz färben. Das kann als Kennzeichen für die ganze Familie betrachtet werden. Bei parasitischen Sphacelarien diffundiert die färbbare Substanz auch in das Gewebe des Wirtes. 2. Sphacelariales. 85 Das Protoplasma ist, besonders in den großen Zellen, schaumig; größere Vakuolen aber pflegen zu fehlen (Fig. 372); Swingle zeigte, daß in den Scheitelzellen und in den noch wenig geteilten Segmenten an der Peripherie die Waben größer sind als in den zentralen Teilen, in welchen die Masse dicht schaumig erscheint. Die groß- und klein wabigen Regionen des Plas- mas pflegen scharf gegeneinander abgesetzt zu sein. Inmitten des kleinwabigen Teiles liegt der naturgemäß große Kern (P'ig. 372, k). Diesem sitzen nach Swingle und Excoyex ein oder nach der Teilung desselben zwei Centrosomen an und entsenden kinoplasmatische Strahlungen in den Raum der Zelle (s. Bd. 3). Die Chromatophoren, welche hier sehr klein, dafür um so zahlreicher sind, pflegen der äußersten Wabenschicht eingelagert zu sein, doch bilden sich namentlich in älteren Zellen auch Ansammlungen um die Zell- kerne (Fig. 370). *Die plasmatischen Lamellen, welche die wabigen Räume begrenzen, schließen aber nicht bloß die Chromatophoren, son- dern u. a. 'auch noch Physoden ein, von denen später geredet werden soll. Diese liegen in den Scheitelzellen peripher, in den Segmentzellen aber sam- meln sie sich um den Kern (Fig. 372) und häufen sich außerdem bei Teilungen desselben (die übrigens normal verlaufen) um die Zellplatte an. Wir gliedern die Gruppe in folgende Familien : a) Sphacelariaceae b) Cladostephaceae c) Stypocaulaceae. Das weicht ein wenig ab von der durch Reinke und Sauvageau gegebenen Anordnung. Svedelius hat ihr in seiner Bearbeitung der Phaeophjceen bei Engler- Prantl im wesentlichen zugestimmt. a) Sphacelariaceae (Hemiblasteae). Das Verständnis dieser Gruppe ver- mittelt die einfache Gattung Sphacella Reinke. Kriechende Fäden leben endo- phytisch oder parasitisch in anderen Algen, über deren Oberfläche erheben sich mäßig zahlreiche, verzweigte Fäden (Fig. 373, i), welche nur aus einer einzigen Zellreihe bestehen, Längsteilungen setzen nur ganz vereinzelt ein. Die Fäden wachsen mit Hilfe einer Scheitelzelle, welche zwar scharf ausgeprägt ist (Fig. 373, 2), aber noch nicht so hervortritt wie bei anderen Sphacelarien. Die Seitensprosse entstehen durch Vorwölbung der Wand am apikalen Ende eines Segmentes. Ob Sphacella eine ganz ursprüngliche oder eine auf Grund des Parasitismus reduzierte Form sei, wie Sauvageau andeutet, wird hier so wenig wie in anderen Fällen sicher zu entscheiden sein. Immerhin handelt es sich um die einfachste Gattung, an welche sich nun Ver- Fig. 372 n. Swingle. Sproßspitze von Stypocauloji scopariuni. f Fettkörper. k Kern, c Centrosoma. 86 IX. Phaeophyceae. treter der Gattung Sphacelaria unscb^Yer anreihen; Arten, bei welchen (Fig. 373, j) die Längsteilungen in den Segmenten noch nicht übermäßig zahlreich sind und bei denen eine Hauptachse im Verzweigungssystem nicht oder kaum ausgeprägt ist. Dahin gehören Sphacelaria intermedia u.a. Sph. pulvinata, Hystrix und endlich Sph. olivacea. Auch das sind zum Teil parasitische Formen. Sph. olivacea ist epiphytisch mit einer gut entwickelten 5 Fig. 373 n. Reinke. / Sphacella siihtilissima; Fäden mit unilokulären Sporangien. 2 dies.; Ende eines Fadens. 3 Sphacelaria olivacea. s Sohle. // unilokuläre Sporangien. 4 Battersia mirabilis\ mehrere Sohlen übereinander. Sohle. Diese erscheint gelegentlich allein, bildet keine aufrechten Sprosse, läßt aber aus ihrer Oberseite unilokuläre Si)orangien hervorgehen. Solche Scheiben nannte Kuckuck Spliaceloderma Helgolandicum. Nach Sauvageau gehören sie zu der Sphacelaria olivacea. Danach läge ein Fall vorzeitiger Sporangienbildung vor (Prosporie), ähnlich wie bei manchen Ectocarpeen (S. 68). 2. Sphacelariales. 87 B a 1 1 e r s i a mirabilis (Reinke) bildet Ralfsia-ähnlich wachsende Scheiben oft in mehreren Lagen übereinander (Fig. 373, 4). Sauvageau berichtet, daß diese ungefähr so entstehen wie junge Zanardinien auf alten. Der Prozeß ist freilich weniger regelmäßig. Aus den obersten Schichten gehen Büschel kurzer Fäden mit Sporangien auf den Spitzen hervor. Die Fäden sind vielfach ohne Längsteilung. Da die Scheibe sich durch Randwachstum vergrößert, treten Scheitelzellen nur für kurze Zeit bei der Bildung von aufrechten Fädchen in Tätigkeit. Nach Sauvageau könnte auch die Battersia in den Entwicklungsgang einer aufrechten Sphacelaria gehören. Ist dies aber nicht der Fall, dann dürfen wir sie wohl mit einiger Bestimmtheit als reduzierte Form ansprechen. Fig. 374 n. Sauvageau. / U. 2 Sphacelaria radjcans. 3 Sph. Novae Caledom'ae. Den Ausgangspunkt der ganzen Sphacelarienreihe bildet sie kaum, darin muß man Sauvageau wohl beipflichten. Wir greifen auf Sphacelaria zurück und erwähnen Sphac. radicans, eine ziemlich zarte Form, an welcher auch ein Unterschied zwischen Haupt- und Nebenarten nicht in die Augen springt. Von Interesse sind die basalen Teile der Alge. Diese sitzt mit der üblichen Sohle an der Unterlage fest; aus jener erheben sich natürlich die aufrechten Sprosse, am Rande der- selben aber treiben einzelne Zellen zu Ausläufern aus, die ähnlich gebaut sind wie die Hauptsprosse (Fig. 374, J, 2), diese erzeugen wieder Sohlen und aus beliebigen Zellen derselben brechen aufrechte Triebe hervor. Sphacelaria Novae Caledoniae (Fig. 374, j) entsendet auch von der Basis der Sprosse Ausläufer, diese tragen die Langtriebe auf dem Rücken und bilden an den Flanken durch Aussprossung Sohlen. 88 IX. Phaeophyceae. Etwas größere Formen sind dann Sph. racemosa (Fig. 375, 4) u. a. Die Spezies zeigt derbere Sprosse; sie läßt gelegentlich schon Lang- und Kurztriebe erkennen und besitzt auch — vielleicht in Abhängigkeit von der Beleuchtung — bisweilen Neigung zur Verzweigung in einer Ebene. ZWl- ■ Fig. 375 n. Reinke u. SaüVAGEAU. / Sphacelaria phanigera. Habitus. 2 Sproßspitze von ders. -v Scheitelzelle, s Segment, zwi Zweiginitialen, os oberes, us unteres Seg- ment. 3 Querschnitt durch einen älteren Sproß von ders. Pflanze, ck Zentralkörper. r Ptinde. brf Berindungsfäden. 4 Sphacelaria racemosa; Sproß mit Fruchtästen. 5 Schpace- laria bracteata\ Fruchtast. 6 Sphacelaria Reinkei\ Sproß mit Zweiginitialen (3747). 7 dies.; Fruchtast aus einer Zweiginitiale hervorgegangen. Beide Eigenschaften sind bei Sph. plumigera (Fig. 375, /. 2) völlig zur Regel geworden. Die Pflanze erzeugt immer in der gleichen Ebene 2. Sphacelariales. 89 Astpaare, welche zum großen Teil ein begrenztes Wachstum haben, nur einzelne von ihnen werden zu Langtrieben und erzeugen ihrerseits wiederum Kurztriebe. Das leitet hinüber zu Chaetopteris plumosa, einer stattlichen Form, welche ebenfalls typische Lang- und Kurztriebe hat — alle in einer Ebene Die Scheitelzelle der meisten bisher genannten Formen ist ziemlich lang zylindrisch (Fig. 375, 2); sie gliedert durch Querwände zylindrische Segmente ab, welche weiterhin in zahlreiche kleinere Zellen von meist regel- mäßiger Form zerlegt werden. Die Beobachtung der Sproßscheitel lehrt, daß allein die Scheitelzelle das gesamte Längenwachstum besorgt, die von ihr abgeschnittenen Segmente strecken sich nicht mehr nennenswert, deshalb wird durch die Teilungen zwar die Zahl der Zellen außer- ordentUch vermehrt, aber diese werden auch immer kleiner — ein hübsches Beispiel nach Sachs da- für, daß Wachstum und Zellteilung völlig getrennte Dinge sind. Das von einer Scheitelzelle abgeschnittene Segment zerfällt durch eine Querwand in Halb- segmente und diese werden in der üblichen Weise durch gekreuzte Längswände in Zylinderquadranten zerlegt. Letztere teilen sich in innere und äußere Zellen. Die äußeren zerfallen dann noch durch weitere Wände, und so entsteht ein Zentralkörper, aus größeren, und eine Rinde aus kleineren in der äußeren Ansicht sehr regel- mäßigen Zellen zusammengesetzt (Fig. 375, j, 4). Die primären Querwände der Segmente bleiben an den Sprossen noch lange erkennbar und so ist leicht zu sehen, daß in dem oberen Halbsegment {os. Fig. 375, 2) nicht alle Zylinderquadranten gleichmäßig auf- geteilt werden; es setzen vielmehr an zwei opponierten Stellen des Sprosses die Wände aus, und so bleiben größere, häufig auch plasmareichere Zellen 'übrig, die wir Zweiginitialen nennen wollen {zzvi Fig. 375 2), (Pericysten n. Sauvageau), sie dürften keilförmig von der Peripherie bis zum Zentrum des Sprosses reichen. Zwecks Astbildung wölben sich die Initialen vor (Fig. 375, 2) strecken sich und gliedern durch Wände, die ungefähr senk- recht zu ihrer Wachstumsrichtung stehen, Scheitelzellen ab. Letztere funk- tionieren genau wie diejenigen des Hauptsprosses, sie liefern durch an- dauernde Teilung Langtriebe, oder aber durch baldige Sistierung ihrer Tä- tigkeit Kurztriebe. Im letzten Falle kann die Scheitelzelle dauernd als solche kenntlich bleiben, häufig aber wird sie ganz aufgeteilt oder auch zu einem dornförmigen Organ umgewandelt. So bei den Sphacelarien mit regelmäßig fiederiger Anordnung der Zweige. Auch bei denen, welche eine zerstreute Anordnung der Äste besitzen. Fig 376. Disphacella reticidata n. SaUVAGEAU. Sprosse mit Scheitelzelle. 90 IX. Phaeophyceae. lassen sich in gewissen Fällen die Zweiginitialen leicht nachweisen, z. B. sind sie nach Pringsheim bei Sph. olivacea resp. radicans, nach Sauyageau bei Sph. Reinkei (Fig. 375, 6, y) ohne weiteies sichtbar, alle Seitenorgane gehen aus ihnen hervor, z. B. der in Fig. 375, y wiedergegebene Fruchtast. Nicht bei allen Sphacelarien springen die Zweiginitialen so in die Augen wie eben geschildert: sie haben wohl nicht immer den dichten In- halt, aber vorhanden sind sie gewiß, denn die Seitenorgane gehen auch in solchen Fällen aus dem oberen Plalbsegment hervor und nach- träglich gebildete Seitenorgane fügen sich stets in der für eine Art vor- geschriebenen Weise in die Gesamtanordnung ein. Besonders bei Entstehung schmaler Äste (Fig. 375, 4) braucht nicht immer die Initiale ihrer ganzen Länge nach verwendet zu werden; wie Magnus zeigte, hat es oft mit einer relativ kleinen Ausstülpung am Oberende der Ursprungszelle sein Bewenden. Schon aus dem, was wir soeben von den nachträglich entstehenden Zweigen sagten, geht hervor, daß die Initialen nicht überall sofort nach ihrer Entstehung zu Ästen auswachsen; letzteres erfolgt fast nur an den Hauptsprossen gefiederter Arten, überall sonst bleiben viele von ihnen gleich „schlafenden Augen" vorläufig in Ruhe, um sich erst ganz spät oder bis- weilen überhaupt nicht zu Fruchtästen, Brutknospen usw. auszugestalten. Das ist wiederum bei Sph. radicans, Reinkei usw. am leichtesten zu ver- folgen, weil hier die unbenutzten Initialen überall zwischen den fertigen Zweigen sichtbar bleiben. Wieweit man nach dem, was wir berichtet, noch von Adventivästen reden darf, muß wohl vorläufig dahingestellt bleiben. Als solche betrachten darf man wohl Seitenorgane, welche bisweilen aus den unteren Halbseg- menten hervorgehen. Reinke hat die Sphacelarien. welche sich aus dem oberen Halbseg- ment heraus verzweigen als Hypacroblastae bezeichnet. Sauvageau nennt sie Hemiblasteae und beide sind geneigt diese Eigenart zur Charakteri- sierung der Gruppen wesentlich benutzen. Ich glaube aber nicht, daß sie sich allein darauf gründen lasse, und trage kein Bedenken, hierher auch Sauvageaus Gattung Disphacella zu ziehen. Die Sprosse besitzen eine Scheitelzelle, welche in der bekannten Weise Segmente ab- ghedert. Die Verzweigung ist dann dichotom (Fig. 37G); die Scheitelzelle ver- breitert sich, sendet Fortsätze nach zwei Riclitungen und diese werden abgetrennt, um als normale Scheitelzellen weiterzuarbeiten. Die Pflanze wurde nur an einer Stelle in Grönland gefunden. Könnte sie nicht abnorm sein? Die Seitentriebe, welche ein beschränktes Längenwachstum haben, sind häufig ganz glatt, häufig aber tragen sie, zumal an den Enden, mehr oder minder zahlreiche, farblose Haare, welche an ihrer Basis mit einem interkalaren Vegetationspunkt wachsen (Fig. 377, 2 — j). Pringsheim, Reinke, Kuckuck, Magnus und Sauvageau haben dieselben untersucht. Die Entstehung ist eigenartig. Die Scheitelzelle schneidet durch eine schräg gestellte und ein wenig (uhrglasförmig) gekrümmte Wand an ihrem Ober- ende eine kleine Zelle ab (Fig. 377, 2). Das ist die Anlage eines oder mehrei-er Haare, wir wollen sie gleich Haarzelle nennen. An letzterer schiebt sich die große Scheitelzelle seitwärts vorbei (Fig. 377, j, 4) und erhält so wieder die Form, welche sie vor der Abgliederung der Haarzelle hatte. Letztere rückt immer mehr auf die Seite (Fig. 377, 4) und nun entsteht 2. Sphacelariales. 91 in der großen Scheitelzelle eine Querwand {w Fig. 377, 5), welche die „Uhrglaswand" unter einem rechten Winkel trifft. Inzwischen hat sich die Haarzelle geteilt und ist zu einer Zellreihe (Fig. :]77, 5) geworden, die sich dann vollends zu dem beschriebenen Haar entwickelt. Gewöhnlich geht aus der Haarzelle nur ein Haar hervor; bisweilen aber (Sph. radicans u. a.) teilt sie sich durch eine mediane Längswand (Fig. 377, 5, 9) und dann entspringt aus jeder Hälfte ein Haar. Die Uhr- Fig. 377 n. Sauvageau. Verzweigung bzw. Haarbildung. / Sphacelaria Hystnx. 2—5 Sph. tribuloides. 6~7 Sph. furcigera. 8—g Sph. radicans. sph eigentliche Scheitelzelle, die zur Haarzelle {h) wird, s Segment, w Wand. glaszelle kann auch 4 Haaren den Ursprung geben, wenn nämlich außer der medianen noch eine transversale Wand in ihr entsteht. Die meisten Forscher sehen in dem geschilderten Vorgang eine seit- liche Verzweigung. Dieselbe ist aber doch nicht so ganz leicht verständlich und deshalb vertrat zuerst Magnus, nach ihm Sauvageau mit besonderer Energie den Standpunkt, daß es sich hier um ein Sympodium handle. Die kleine Haarzelle ist für sie die Scheitelzelle (sphacela) {sph Fig. 377, ^), die Zelle, von welcher sie abgeschnitten wurde, das Segment (s. Fig. 377, 4), 92 I^- Ptaeophyceae. welches seinerseits eine Vorwölbung treibt, die sich nun in die Verlängerung der normalen Gewebe setzt. Diese Auffassung macht ohne weiteres die eigenartige Stellung der ersten Wand {w Fig. 376, ^) verständUch, welche auf die Basalwand der Haarzelle senkrecht aufsetzt. Außerdem kommen Fälle vor, in welchen die Sphacela an der Spitze verbleibt und zum Haar auswächst, ohne daß das unterliegende Segment sich weiter entwickelte (Fig. 377, 6, 7), so bei Sph. radicans. Die soeben beschriebene Art der Verzweigung entspricht dem, was Reinke und Sauvageau akroblastisch nennen, während die Entstehung der Haare bei Sphacelaria radicans schon als eine holoblastische im Sinne Sauvageaus betrachtet werden muß. Sie wird noch leichter verständlich, wenn wir weiter unten andere Verzweigungen in Betracht ziehen. Obwohl die genannten Forscher mit jenen Bezeichnungen zunächst die Hauptachsen gemeint hatten, sind sie doch sinngemäß wohl auf die Nebenachsen übertragbar. Bei einigen Sphacelarien (z. B. plumigera) und ganz typisch bei Chae- topteris plumosa herrscht eine besondere Neigung zur Bildung von Be- rindungsfäden aus den verschiedensten Zellen der Rindenschicht (Fig. 378, 2, j). Sie wachsen bei Sphacelaria plumriga abwärts und bilden durch Verflechtung eine unregelmäßige Schicht um die Hauptsprosse (Fig. 375. j); ferner dienen sie an der Basis zur Bildung einer Haftscheibe, welche die Sohle vielfach vollständig verdeckt und natürlich verstärkt. Das Gleiche gilt für die unteren Zonen der Chaetopteris, doch wachsen die Rindenfäden in den oberen Regionen der Sprosse dicht gedrängt mehr weniger schräg nach auswärts (Fig. 378, 4), und da sie alle annähernd gleichmäßig enden, entsteht ein kompakter, außen relativ glatter Mantel, dessen Aufbau aus Einzelfäden kaum noch erkannt werden kann. Da die Berindung erst beginnt, nachdem die Zweige fertiggestellt waren, durchsetzen Kurz- und Langtriebe die fragliche Schicht (Fig. 378, 4). Uni- und plurilokuläre Sporangien pflegen bei der gleichen Art die gleiche Stellung zu haben, und man kann allgemein sagen, daß Scheitel- zellen kürzerer oder längerer Triebe sich in solche Organe umwandeln. Bei Sphacella, desgleichen bei einfachen Sphacelaria-Arten, wie Sph. olivacea (Fig. 373), cirrhosa (Fig. 371) usw. kann jeder Ast im angedeuteten Sinne funktionieren, besonders häufig werden kurze Seitenäste zur Spor- angienbildung verwandt. Die Behälter für die Schwärmer sitzen dann auf kurzem, einzelligem Stiel. Bisweilen fehlt sogar dieser. Bei den höher stehenden Arten aber, wie Sphacelaria plumigera. race- mosa, Reinkei usw. (Fig. 375), bei Chaetopteris (Fig. 378) usw., lassen sich besondere Fruchtäste unschwer von den vegetativen unterscheiden. Solche sind meistens etwas einfacher gebaut als die letzteren, vielfach liegen nur monosiphone Fadensysteme vor, an denen dann auch, wie bei Sphacella u. a., die Sporangien die Spitzen einnehmen. Bei Sphacelaria entstehen die Fruchtäste wohl immer aus zeitweilig ruhenden Zweiginitialen, wie wir schon oben andeuteten, sind im übrigen aber recht mannigfaltig gestaltet. Die fraglichen Gebilde sind z. B. bei Sph. racemosa u. a. einfach monopodial verzweigte Rispen; bei Sph. Reinkei liegen nach Sauvageau Symi)odien vor und bei Sph. bracteata nebst Ver- wandten wird eine scheinbar axilläre Stellung der Sporangien hervorgerufen. Die Sache liegt hier nach Sauvageau so: der sporangientragende Zweig ist eine Seitenachse des Sprosses, welchen Fig. 375, 5 nur abgebrochen wiedergibt; er hat seinerseits das „Blatt" als erstes Seitenorgan erzeugt. 2. Sphacelariales. 93 Auch sopst kommen noch mancherlei Varianten in der Ausgestaltung der Fruchtäste vor, die event. als Merkzeichen einzehier Artgruppen dienen können. Fig. 378. Chaetopteris phimosa n. Reinkes Atlas. / Sproßstück mit Kurztrieben {kt) und Fruchtästen {fr). 2, 3 beginnende Berindung. 4 Längsschnitt durch einen be- rindeten Sproß. Die Fruchtäste der Chaetopteris weichen in ihrer Form nicht von solchen der Sphacelarien ab (Fig. 378), entstehen aber ganz anders, nämlich aus den Enden der Berindungsfäden (Fig. 378, 4). Das zeigt, daß man 94 IX. Phaeophyceae. auf den Entstehungsort der Fruchtäste keinen zu großen "Wert legen darf. Unsere Alge stellt offenbar ein Seitenstück zur Desmarestia auch insofern dar, als hier wie dort die Sporangien auf die Berindungsfäden zurückgehen. Nicht wenige Arten der Gattung Sphacelaria bilden zwecks vegetativer Vermehrung Brutknospen, welche, wie besonders Pringsheim betonte, einem ganzen Seitensproß gleichwertig sind (vgl. auch Janczewski, Magnus, Reinke, Kuckuck, Sauvageau u. a.). Fig. 379. Brutknospen von Sphacelarien n. Pringsheim, Reinke, Kuckuck. /, 2 Sphac. tribuloides. 3 — 5 Sphac. furcigera. 6 Sphac. phwiula. 7 Sphac. Hystrix. 8 Sphac. oli- vacea; „Brutkörner'', s Scheitelzelle, c Zentralzelle der Brutknospen. Aus einer Zweiginitiale treibt ein kurzer, wenigzelliger Ast aus, dessen Scheitelzeiie nicht selten etwas anschwillt. Von dieser wird nun durch eine Querwand ganz oben ein kleiner Zipfel abgeschnitten {s Fig. 379, j,j). Die große untere Zelle (r), welche man immerhin als das Segment der oberen kleinen Scheitelzelle wird betrachten müssen, wächst nun bei Sph. furcigera, ebenso bei biradiata nach zwei Richtungen hin armartig aus (Fig. 379, j, 4). Die beiden Arme werden durch schräge Wände sukzedan abgegliedert und wachsen mit Hilfe einer Scheitelzelle zu kurzen Stäbchen heran, welche weit auseinander spreizen (Fig. 379, j). 2. Sphacelariales. 95 Nicht seilen bildet eine junge Scheitelzelle noch einmal eine „Gabelung" aus, man erhält so drei-, ja vereinzelt vierstrahlige Brutknospen (Fig. 379, j). Das dürfte bei Sph. divaricata die Regel sein. In anderen Fällen entstehen aus der großen zentralen Zelle (c) einer Brutknospenanlage drei gleichmäßig abstehende Strahlen, z. B. bei Sph. tribuloides, Hystrix u. a. (Fig. 379, 2, ;). Die sukzessiven Teilungen inter- essieren im einzelnen kaum. Ich verweise auf die Angaben von Prings- HEiM, Geyler, Reinke, Sauvageau. Von kleinen Abweichungen in den Teilungen usw. hängt es ab, ob die Strahlen lang werden, kurz bleiben usw. Danach richtet sich die Form der Brutknospen, welche für die einzelne Spezies charakteristisch zu sein pflegt. Zwischen den Strahlen einer Brutknospe (Fig. 379, 7) entspringt nicht selten ein Haar. Dasselbe geht aus der kleinen uhrglasförmigen Scheitel- zelle hervor. Damit scheint mir deutlich ein Hinweis auf die Haarbildungen an den Nebenachsen gegeben zu sein (S. 91). Ganz allgemein ist auch bei den Brutknospen die Scheitelzelle wenig entwicklungsfähig, das unter ihr liegende Segment umsomehr. Die ganzen Vorgänge sind doch wohl eine Stütze für die MAGNiis-SAUVAGEAUsche Auffassung. Der Stiel der Brutknospen bleibt immer einreihig; er bricht später ab und die Brutknospe wird frei; aus der Zweiginitiale des Stammes aber kann noch wiederholt unter Benutzung des übrig gebliebenen Stumpfes eine neue Brutknospe hervorgehen. Die in Rede stehenden Organe treiben zu neuen Pflanzen aus, indem die Strahlen sich einfach an ihrer Spitze weiter entwickeln. Die gespreizte Form derselben hat aber vielleicht noch eine Bedeutung. Die Arme könnten als Anker dienen wie die Fortsätze der Trapafrüchte. Der Name Sphac. tribuloides erinnert recht hübsch an den „Tribulus". Die Brutknospen sind nicht bei allen Arten der Sphacelarieae nach- gewiesen. Wo sie vorkommen, treten sie meist massenhaft auf und dann finden sich die Sporangien oder Gametangien in sehr geringer Zahl. Das eine ist der Ersatz für das andere. Ob freilich solch eine vegetative Ver- mehrung die anderen Formen der Fortpflanzung ganz unterdrücken könne, ist zweifelhaft. In gewissen Fällen z. B. bei Sphacelaria Hystrix beobachtete Sauvageau, daß sie sich ablösen. Die plurilokulären Sporangien sah er im ersten Frühjahr, dann traten im April und Mai an denselben Exemplaren Brutknospen auf. Durch diese vermehrt sich die Pflanze (in mehreren Generationen) bis zum Herbst, um nun der Beobachtung zu entschwinden. Pringsheim erwähnt für Sph. olivacea noch Brutkörner (Fig. 379, S) resp. traubige Haufen dieser Gebilde. Sie entstehen aus den Scheitel- zellen oder aus den Zweiginitialen durch wiederholte Teilung. Was aus ihnen später wird, ist nicht sicher bekannt. Im übrigen können auch losgelöste Äste sich zu einer ganzen Pflanze entwickeln. Ferner werden Scheitelzellen, welche verloren gingen, aus dem darunter liegenden Segment ersetzt. Kurz die Regenerationsfähigkeit der Sphacelarien ist eine recht große. b) Stypocaulaceae (Holoblasteae). In dieser Gruppe gehen, wie schon Geyler hervorhob, die Äste nicht aus Teilen der Segmente hervor (hemiblastisch), sondern sie werden in besonderer Weise aus der Scheitelzelle selber herausmodelliert — holo- blastisch im Sinne Saüvageaus, etwa nach dem Muster der Kurztriebe bei 96 IX. Phaeophyceae. Sphacelarien, Cladostephus u. a. Der Typus solcher Formen dürfte in Halopteris gegeben sein, an diese schließen sich Stypocaulon, Phloeocaulon usw. Fig. 380. Halopteris ßlicina nach GOEBEL, Reinke u. Sauvageau. /, 2 Sproßspitzen. 3 Pseudoaxilläre Fruchtäste. 4 Anlage eines pseudoaxillären Sprosses 5 Sporangium, scheinbar in der Zweigachsel, v, v Scheitel- zellen. Z7VI Zweiginitialen. ax\ ax" Anlagen von pseudoaxillären (c) Sprossen. an. Die äußersten Glieder unserer Reihe erfahren in mehr als einer Beziehung Ausgestaltungen, welche an Phanerogamen weitgehend erinnern. Halopteris bildet wiederholt gefiederte, äußerst zierliche Sproß- systeme, die der etwa 10—20 cm hohen Pflanze den durchaus angemessenen Namen verschafft haben. 2. Sphacelariales. 97 Die Achsen verschiedener Ordnung stehen zweizeilig alternierend (Fig. 380, i), die beiden untersten (ältesten) Seitenzweige jedes Sprosses stehen beisammen, so daß sie ungefähr die Achsel des Muttersprosses ein- nehmen (Fig. 380, I, 2). Diese Stellung mag gleich hier als pseudo-axilläre bezeichnet sein. Ausnahmen davon sind freilich vorhanden. Den Scheitel der Hauptsprosse krönt eine große Scheitelzelle. Sie zerfällt durch Querwände in die üblichen Segmente, Halbsegmente usw.-, letztcie werden in zentrale und Rinden-Zellen nach Vorschrift zeilegt. Die Verzweigung beginnt, wie Pringsheim und Magnus zuerst zeigten, damit, daß eine schräg gestellte und etwas uhrglasartig gekrümmte Wand eine Zweiginitiale (Sproß zweiter Ordnung) (Fig. 380, i zwi) von der Sclieitelzelle abtrennt. Durch Wachstum der letzteren wird dann die Initiale ein wenig verschoben, sie erscheint seitlich angeheftet (Fig. 380, i zun''), und nun wird von ihr nach aufwärts eine kleine Zelle {ax') abgeschnitten. Diese möchte man für eine rein axilläre Bildung halten, alle Beobachter aber stimmen darin überein, daß die Hauptscheitelzelle an ihrer Bildung ganz unbeteiligt sei und daß nur die Zweiginitiale den Ursprungsort dieser pscudo-axillären Anlage darstelle. Nachdem die Zelle ax' angelegt, streckt sich (he Initiale und schneidet durch eine Querwand eine Scheitelzelle {ii') ab; diese ihrerseits erzeugt zunächst ein Seitenglied ax", welches wiederum der Hauptachse zugekehrt ist und liefert dann weiter in regelmäßiger Alternanz Seitenachsen wie der Hauptsproß. Die Zellen ax\ ax" werden zu dem pseudo-axillären Sproßpaar, auf das wir bereits oben hinwiesen. Ein solches tritt in Fig. 380, 3 besonders deutlich hervor. An einer Stelle können auch Haarpaare entstehen (Fig. 380, 2) ganz so wie bei Sphacelaria radicans, die mit dem eben gesagten erst ganz verstanden werden dürfte. Die in der geschilderten Weise sich wiederholende Verzweigung kann Sprosse vierter und fünfter, ja höherer Ordnung liefern, doch nehmen die letzten Auszweigungen immer mehr den Charakter von Kurztrieben an, indem sie ihre Scheitelzelle zu einem mehr oder weniger zugespitzten Organ umwandeln, das nicht weiter wächst. Wie bei den Haarbildungen der Sphacelarien setzen die Wände, welche Segment und Scheitelzelle trennen, stets unter einem rechten Winkel an die einstige Uhrglaswand an. Die Basis eines Zweiges sitzt danach immer der oberen und der unteren Hälfte zweier aufeinander folgender Segmente auf. Was für die Haarbildungen an den Seitensprossen der Sphacelarien gesagt wurde, gilt auch hier. Man kann sie mit Magnus und Sauvageau als sympodiale, mit andern als raonopodiale Bildungen auffassen. Jedenfalls liegt hier der Typus der Holoblastie vor. Die Keimpflanzen besitzen zunächst einen einfachen, aufrechten Sproß, der sich dann später regelmäßig verzweigt. Sehr zeitig brechen aus den unteren Regionen Hyphen hervor, welche sich gegen das Substrat richten. Zunächst umhüllen sie den aufrechten Sproß, dann breiten sie sich auf dem Substrat aus und bilden mehr weniger breite Sohlen. Aus diesen erheben sich neue Vertikalachsen, die zunächst in ihren Verzweigungen etwas ein- facher sind als die erwachsenen. Sie können in solche direkt übergehen, vielfach aber sah Sauvageau, daß diese kleinen Triebe das Wachstum bald einstellen, nachdem sie an ihrer Basis derbere Lang-Triebe erzeugt haben. Das tritt bei Stypocaulon noch viel klarer hervor. Oltiiianns, Morphologie u. Biologie d. Algen. 2. Aufl. \\. 7 «98 IX. Phaeophyceae. Die Sporaiigien der Halopteris stehen an Stelle von Kurztrieben letzter oder vorletzter Ordnung (Fig. 380, 5), und Reinke weist besonders darauf hin, daß sie meistens die Umbildung eines pseudoaxillären Sprosses darstellen. Das geht u. a. sofort aus Fig. 380, 4, 5 hervor. Erstere stellt die pseudoaxilläre Zelle (ax) nach der ersten Teilung dar. Die Zelle c wird in vielen Fällen zu einem normalen, vegetativen Ästchen, in anderen aber liefert sie ein Sporangium nebst den Tragzellen desselben (Fig. 380, j). Der Aufbau von Halopteris öffnet nun auch leicht das Verständnis für Stypocaulon, dessen eine Art (St. scoparium) wie Halopteris zweizeilig Fig. 381 n. Reinke u. Sauvageau. / Sproßspitze von Stypocaulon scoparium. 2, 3 Zweiginitialen und sog. Adventiväste von Stypocanlou fmiicitlaie mit Rhizoiden. 4 — 6 Querschnitte durch Sprosse von Stypocauloti. Itr Langtriebe, ktr Kurztriebe. ? Inter- nodien. h Haare, zun Zweiginitialen, rh Rhizoiden. alternierende Äste trägt, während eine andere (St. funiculare) allseitig ver- zweigt ist. Sauvageau zieht beide zu Halopteris. Die riesigen Scheitelzellen sind auch hier vorhanden (Fig. 281, i), sie bilden die Äste wie diejenigen von Halopteris, nur machen sich hier Inter- nodien bemerklich, d. h. einzelne Segmente (/ Fig. 381, J) der Scheitelzelle oder auch Halbsegmente beteiligen sich nicht an der Bildung der Seiten- zweige. Einzelheiten über den Vorgang zu geben, scheint mir nicht 2. Sphacelariales. 99 ht^rj erforderlich, ich verweise auf Sauvageau, clei- alles genau schildert und bemerke noch, daß besonders die ersten Segmente eines Zweiges häufig keine Seitenzweige tragen. Stypocaulon scoparium bringt es in der Verzweigung nicht so weit wie Halopteris; mit einer zweifachen Fiederung hat es sein Bewenden. Die meisten Äste zweiter und drittel- Ordnung werden unter Aufteilung der Scheitelzelle zu Kurz- trieben {ktr Fig. 381, /), nur einige wenige behalten diese und entwickeln sich zu Langtrieben. Eine Vor- ausbestinimung der letzte- ren ist nicht zu erkennen. Die von der Scheitel- zelle abgegliederten Seg- mente erfahren die Längs- teilungen, welche Sauva- geau in seiner Fig. 381, 4, 5 angibt. Es entsteht ein Mark und eine klein- zellige Rinde. In dieser werden vier kreuzweis ge- stellte größere und inhalts- reichere Zellen ausgespart (Z7vi). das sind Zweig- initialen. Sie gehören in erster Linie den oberen Halbsegmenten an. können aber auch aus den unteren gebildet werden ; außerdem sind sie nicht immer gleich groß. Besagte Zellen ruhen vielfach längere Zeit, einige können durch mehrfach auf- tretende Wände zu Rinden- zellen werden. Die meisten aber treiben später, viel- leicht in Abhängigkeit von der Außenwelt, aus. Zu- nächst entsteht (Fig. 381, 2) eine öhrchenförmige Zelle und diese wird (Fig. 381, 3) zu einem Sproß, der an seiner Basis alsbald ein Rhizoid entwickelt, oder auch zu einem Rhizoid allein. Letzteres ist besonders an den unteren Teilen der Pflanze der Fall, dort entsteht dann ein dichter Mantel aus solchen Organen, welcher auch die Basis der Seitentriebe umfaßt (Fig. 381,6). Die aus den Initialen gebildeten Äste bleiben meistens ziemlich klein. Sauvageau u. a. sprechen auch hier immer noch von Adventivästen; ich halte diese Bezeichnung für unglücklich, erinnere vielmehr an Ascophyllum Fig. 382 n. Sauvageau. / Stypocaulon scoparium (Hal- opteris scoparia). ktr Kurztriebe verschiedener Ordnung. p Initialen. 100 IX. Phaeophyceae. u. a. und betone nochmals, daß die Zweiginitialen auf die ersten Segmente der Scheitelzelle normal zurückgehen. Kurztriebe zu sagen, würde völlig ausreichen. Die Verfasser erwähnen außer diesen noch Ersatzsprosse usw. Die Keimlinge von Stypocaulon bilden zunächst eine kleine Haft- scheibe. Aus dieser erhebt sich ein aufrechter Sproß mit begrenztem Wachs- tum (kt)\ Fig. 382). An dessen Basis bricht eine Achse hervor, die schon etwas derber ist als ihr Vater (Fig. 382, j, ktr^). Mit einer großen Scheitelzelle begabt, wächst sie zu einem Sproß heran, welcher dem er- wachsenen Stypocaulon schon ähnlicher ist (Fig. 382, j), allein zur vollen Entwicklung gelangt er nicht; er hat aber an seiner Basis zeitig Zweigini- tialen (p) gebildet und aus einer von diesen geht ein längeres Gebilde her- vor, das zum wirklichen Langtrieb wird, doch können sich auch noch ein bis zwei Triebe mit begrenztem Wachstum bilden, ehe der endgültige Sproß zum Vorschein kommt. Aus den Initialen älterer Sprosse entwickeln sich kaum Langtriebe, auch aus den eben erwähnten Rhizoiden entstehen keine neuen Pflanzen. cix ^ ^^^ m. Fig. 383. Stypocaulon scopariMu n. Reinke u Sauvageait. I — 4 Entstehung der fertilen Sprosse. 5 Pseudoaxillarzellen. 6 Sporangienhaufen. ax Pseudoaxilläre Zellen, pl Plazenta. Dagegen gehen aus Bruchstücken des Stypocaulon Rhizoiden hervor, welche nun große Pflanzen liefern. Wie aus Fig. 38.'>, 5 ersichtlich, werden genau wie bei Halopteris Pseudoaxillarzellen entwickelt, aber diese produzieren niemals einen normal verästelten Seitenzweig — obschon sie einem solchen entsprechen — , son- dern sie rücken vollends in die Achsel und bilden an den sterilen Sproß- systemen Haarbüschel, an den fertilen Sporangienhaufen (Fig. 383, 6). Zu dem Zwecke teilt sich die Pseudoaxillarzelle [ax) durch eine zur Ver- zweigungsebene parallel d. h. median gestellte Wand in zwei Zellen ; es folgt eine Transversal- Wand und aus den so gebildeten vier Zellen gehen zwei transversale Reihen heivor, welche dann die erwähnten Sporangien oder Haare liefern. Reinke bezeichnet den in der Achsel entstehenden Zellkomplex als Plazenta (Fig. 383, 1—4). Nicht ganz wenige Arten schließen sich an Stypocaulon scoparium an. Im Prinzip sind sie gleich gebaut, in Einzelheiten natürlich abweichend, darüber berichtet Sauvageau. Erwähnen will ich, das Stypocaulon panicu- 2. Sphacelariales. 101 latum Reinke (Halopteris hordacea Sauv.) beim Keimen Knöllchen bildet, aus welchen dann die aufrechten Spi'osse hervorgehen. Sehr interessant sind dann einige Genera, welche sich in ihrer Wachs- turasweise unschwer auf Stypocaulon zurückführen lassen. Anisociadus (unter Halopteris bei Sauvageau) wächst wie letztgenannte Gattung, sie produziert aber reichlich verzweigte sogenannte Adventiväste, und diese sind allein die Träger der pseudoaxillär entspringenden Sporangien. Phloeocaulon, das wie Stypocaulon wächst, erhält sekundäre Be- rindung und zwar in den oberen Regionen durch Teilung der primären Kortikalzellen, in den unteren durch hyphenartige Berindungsfäden. Hier treten auch wirkliche Adventiväste aus der Basis abgefallener Kurztriebe hervor. Solcher Ersatz der letzteren erfolgt vielleicht periodisch. Fig. 884 n. Sauvageau u. Reinke. / Ptilopogon hotryo- cladus. 2 3, Phloeocaulon foecuiidiim. 4, 5 Phlococaitlo7i spec- tabile. ca Achse, ktr Kurztriebe, fg Fruchtsprosse, ax pseudo- axilläre Zelle, a Sporangien. sp Gametangien. Die Sporangien von Phloeocaulon stehen nach Reinke auf kätzchen- artigen Kurztrieben (Fig. 384, 4), und zwar sind uni- und plurilokuläre Sporangien auf habituell etwas differente Pflanzen verteilt. Die einzelnen Sporangien entstehen wieder aus einer speudo-axillären „Placenta", aber ge- wöhnlich nur zu zweien nebeneinander (Fig. 384, 5); interessant aber ist, daß beiderseits von den Sporangien — in transversaler Stellung ■ — kleine Kurztriebe auftreten (Fig. 384, 5), welche die Vorblätter dikotyler Sprosse imitieren. Danach reden Reinke und Sauvageau auch hier von Deck- blättern, Vorblättern usw., um damit auch in der Terminologie die erwähnte Ähnlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Ob das zweckmäßig ist, mag dahin- gestellt werden. 102 IX. Phaeophyceae. Phloeocaulon foecundum Sauvageau entwickelt außer den axillären Sporangien(a) solche an beliebigen Stellen der fertilen Kurztriebe (Fig. 384. j). Dann werden die Stiele (Fig. o84, j) von der sich verdickenden Rinde umwallt. Ptilopogon bildet am Hautsproß fiederig verzweigte Kurzstriebe, welche Reinke mit Blättern auch deswegen vergleicht, weil sie zeitig abbrechen ; es sind eigentlich nur die Enden der Langtriebe damit versehen. Die dicke Sekundärrinde umschließt die übrig bleibenden Stumpfe (Fig. 384, i ktr). Schon vor der Rindenbildung werden in den Achseln der Kurztriebe die üblichen Zellen gebildet, doch kommen sie nicht sogleich zur Weiter- entwicklung, sie ruhen von der Rinde überwallt (Fig. 384, i ax). Soll die Fortpflanzung beginnen, so wachsen diese ruhenden Augen durch die Rinde hindurch, verzweigen sich an deren Ober- fläche und bilden Sporangien. Solche können aber auch an den Sprossen unregelmäßig verteilt auftreten; dann wachsen Zellen der primären Rinde zu etwas derberen Zellreihen aus, diese verlängern sich mit der sekundären Rinde und bilden dann an deren Oberfläche Spornagienbüschel (Fig. 384, i fg). Weitere Einzelheiten über diese und andere Formen bei Sauvageau. Wir erwähnen noch Alethocladus, eine von Sauvageau aufgestellte Gattung. Sie hat den Habitus einer mäßig großen Sphacelaria, das Scheitelwachstum aber erfolgt wie bei Halopteris, nur mit dem Unterschiede, daß pseudoaxilläre Zellen niemals gebildet werden. Die Uhrglaszelle wird immer direkt zu einem Sproß. Sau- vageau glaubt darauf eine besondere Gruppe gründen zu müssen, er sieht in der Gattung den einzigen Vertreter der von Reinke Acroblastae genannten Formen. Fort- pflanzungsorgane sind nicht bekannt, auch der ganze Entwicklungsgang nicht. Einst- weilen möchte ich glauben, daß eine Form vorliege, bei welcher die letzte Teilung in der Scheitelzelle unterbleibt, die sonst zu den Haarbildungen usw. führt. Anetho- cladus könnte rudimentär oder reduziert sein. AVir haben ja auch bei Halopteris einfachere Jugendformen. c) Cladostephaceae (Polyblasteae). Die Gattung Ciados tephus stellt einen der eigenartigsten Typen unter den S])hacelariaceen dar. Die 10—20 cm hohe Pfhinze (Fig. 385) bildet knorpelige, dichotom verzweigte Sprosse, welche mit zahlreichen, vielzähligen Wirtein von Kurztrieben dicht bedeckt sind. So mag die Pflanze im Sommer dreinsciiauen. Ihre Sprosse erheben sich aus einem oft mehrere Zentimeter im Durchmesser haltenden Basallager, das eine recht bunte Entstehung hat. Die Keimlinge, welche Sauvageau studierte, geben näheren Aufschluß. Aus den Schwärmern, mögen sie geschlechtlich oder ungeschlechtlich sein, Fig. 385. Orig. Cladostep/ms verücillattis. 2. Sphacelariales. 103 entsteht zuiiäclist eine kleine Scheibe, die ein auffallendes farbloses Haar trägt. Aus einer beliebigen Zelle treibt sie zunächst einen aufrechten Sproß (Fig. 386, j). Fig. 386. Cladostephus verticillatus n. SaUVAGEAU. Die Basalscheibe wächst durch Randwachstum und alsbald entstehen auf ihr weitere aufrechte Organe. Das alles sind Kurztriebe (Fig. 386, 5—5). Nach einiger Zeit aber macht sich in ihrer Mitte ein Sproß bemerkbar, der 104 IX- Phaeophyceae. durch seinen Umfang auffällt. Das ist ein Langtrieb, welcher bald zu der Form auswächst, welche Fig. )]S6, 6 wiedergibt. Teils vor, teils nach der Anlage der Langtriebe bilden sich aus der Haftscheibe Ausläufer (Stolonen). Sprosse, gebaut wie die anderen, entstehen entweder aus der Scheibenfläche oder aus deren Rand; sie liegen dem Substrat von Anfang an auf oder krümmen sich auf dieses hernieder (Fig. 38G, 5, 6). Stets werden sie durch Rhizoiden verankert. Aus der Rückenseite der Stolonen gehen erneut Lang- und Kurztriebe hervor und in Verbindung damit wachsen aus den Flanken Zellen hervor, die sich zu Sohlen zusammenschließen. Die Sohlen haben Randwachstum und sie können nun aus einzelnen Randzellen wiederum Ausläufer bilden, die erneut Kurz- und Langtriebe hervorbringen. Es ist ganz deutlich: Die Stolonen sind liegende Sprosse, die nun genau wie die aufrechten Langtriebe ihrerseits Seitenorgane mit begrenztem oder unbegrenztem Wachstum entstehen lassen. Die Sohlen sind sekundäre Bildungen, bestimmt zur Festheftung und auch zur Überwinterung. Denn die Cladostephussprosse wachsen im Sommer, fruchten im Winter — an verschiedenen Orten etwas verschieden — , sterben aber dann im wesentlichen ab. Vielfach bleiben nur Stumpfe übrig. Aus diesen, vor allem aus den Basallagern, erheben sich (Sauvageau) im ersten Frühjahr neue Achsen und zwar wiederum teils Lang- teils Kurztriebe. Aus der Basis der ersteren gehen neue Stolonen mit Haftscheiben usw. hervor. Letztere überdecken die alten und so kann ein recht buntes Bild entstehen. Sphace- laria radicans und Sph. Novae Caledoniae dürften Vorläufer dieser Form sein. Die Langtriebe haben bereits, wenn sie sich über die Ausläufer erheben, eine geradezu klassische Scheitelzelle (Fig. 388, 6) und diese bleibt denselben zeitlebens eigen. Sie liefert in der bei den Sphacelarien üblichen Weise die Segmente und aus diesen Halbsegmente. Aus solchen gehen wie bei jener Gruppe zunächst nur wenige, oft auch opponiert stehende Seitenäste hervor (Fig. 388, 6). Erst allmählich kommen Wirteläste in großer Zahl zum Vorschein. Diese entstehen so: Aus dem oberen Teil der oberen Halbsegmente, die auch nach wiederholten Teilungen immer noch erkennbar bleiben, wölben sich rings um den ganzen Scheitel Zellen vor {zwi Fig. .'»87, j), welche rasch zu Scheitelzellen werden und dann die Organe mit begrenztem Wachstum liefern (ktr), deren wirteiförmige Anord- nung wir schon betonten. Alles, was an Zellen unter der Kurztriebbasis liegt, kann sich teilen, strecken und damit Internodien zwischen den Kurz- triebwirteln bilden. Meistens aber wird die Sache komplizierter. Auch aus dem Oberende des unteren Halbsegmentes können Kurztriebe {ktr,^ Fig. 387, 2) hervorgehen und endlich entwickeln beliebige Rindenzellen der Internodien auch noch solche (ktrs). Die zuletzt erwähnten Seitenorgane brauchen nicht mehr wirtelig angeordnet zu sein. Die Verzweigung der Langtriebe ist keine sehr ausgiebige, Prings- HEiM u. a. glaubten eine Dichotomie derselben festgestellt zu haben, Sauvageau aber bestreitet das, nach ihm steht ein zum Langtrieb werdender Zweig an Stelle mehrerer Kurztriebe. Auch er bildet sich aus dem oberen Halbsegment, nur wird ein größerer Teil desselben für seine Anlage in An- spruch genommen. Ähnliches sah auch Pringsheim schon. Die Kurz triebe auf den Stolonen gleichen denen an den aufrechten Sprossen völlig. Sie alle wachsen zunächst mit einer Scheitelzelle wie die Sphacelarien. Diese stellt in den ältesten wie an den jüngsten Regionen der Pflanze ihr Wachstum bald ein und so entstehen unverzweigte, etwas 2. Sphacelariales. 105 Fig. 387. Cladostephus verticiUatus n. Sauvageau u. Pringsheiai. / — 5 Längsschnitte, öj 7 Querschnitte durch Sprosse und Sproßteile verschiedenen Alters. /, 2 u. 3 gehören demselben Sproß in verschiedener Höhe an. 8 Längsschnitt durch einen älteren Sproß. OS unteres, us oberes Segment, ktr Kurztriebe versch. Ordnung, fr Fruchtsprosse. ck Zentralkörper. /;- primäre, sr sekundäre Rinde. Z7vi Zweiginitialen. 106 IX. Phaeophyceae. keulige Gebilde. In den mittleren Teilen der Pflanzen verzweigen sich die Kurztriebe holoblastisch (Fig. 388). Das gellt fast genau so vor sich, wie wir es für Halopteris schilderten (S. 97). Besonders häufig bringen die in Ein- oder Mehrzahl gebildeten Fig. 388. Cladostephns verticülatus n. Sauvageau. Kurztriebe, sph Scheitelzelle, deren Segment. iv erste Querwand. Pseudoaxillarzellen Haare hervor. Diese stehen wiederum in Paaren, weil auch hier die Pseudoaxillaren durch je eine mediane Längswand geteilt werden. (In der Zeichnung ist immer nur ein Haar aus einem Paar wieder- gegeben.) 2. Sphacelariales. 107 Die Kurztriebe können sich einige Male verzweigen, dann aber werden die Scheitelzellen aufgeteilt und die einzelnen Äste erscheinen fast dornig (Fig. 387, S). Die Segmente der Hauptscheitelzellen zerfallen durch Längswände in Mark- und Rindenzellen. Letztere erfahren vielfache Teilungen und damit geht aus ihnen eine sekundäre Rinde hervor, aufgebaut aus mäßig langen Zellen, welche (Fig. 387, 4, 7) die Kurztriebe an ihrer Basis um- schließen. In der unteren Hälfte der Pflanze entsenden die äußersten Rindenzellen Hyphen, welche massenhaft auftreten und dicht zusammen- schließend nochmals eine Hülle um den Stamm herstellen. — Sauvageaus Corticorhizoidal-Lager. (Fig. 387, 5.) Die Kurztriebe bedecken ursprünglich die Langtriebe der ganzen Länge nach, schon im Spätsommer aber brechen sie von unten her be- ginnend ab, und werden von den Hyphen überwallt (Eig. 387, 5). Zu Ende des Winters sind oft kaum noch Kurztriebwirtel zu sehen, höchstens an den Spitzen. Dieser Vorgang steht offenbar in Beziehung zur Bildung der uni- wie plurilokulären Sporangien. Cladostephus kann außer den erwähnten noch diejenigen Sprosse bilden, welche Sauvageau als mikr ob las tische bezeichnet hat. Zwischen den Wirtelästen brechen fast aus jeder Oberflächen-Zelle der sekundären Rinde Triebe hervor, welche teils klein und einreihig, teils größer und mehr- reihig sind (Fig. 387, •'■••.•.;»?■■••'.'.'•.•.•• >':cl *•• ■iWv;.v: ÄÖ:^:- Fig. 413. Agarum Turneri Orig.| Fig. 414 n, Yendo. / — j Keimlinge von Costaria. 4 ders. von Undaria. Mittelrippe durchzieht die ganze Laubfläche der Länge nach. Das Auffälligste an der Pflanze aber ist die Durchlöcherung des Thallus mit Öffnungen, welche wohl 1 cm und mehr erreichen mögen. Wir werden unten noch sehen, daß es sich bei der Lochbildung um eine partielle Zerstörung des Gewebes handelt. Am Übergange des Stieles in die Spreite liegt die übliche AVachstumszone. Ein eigentlicher Laubwechsel ist nicht beobachtet, Humphrey schließt aber aus der gedrängten Stellung der Löcher an der Laubbasis und der Neubildung der- selben am gleichen Orte, daß ein kontinuierlicher, interkalarer Zuwachs für Agarum gegeben sei. Mit einigen Bedenken erwähne ich noch Phyllogigas, einen Tang, dem Skottsberg wegen seiner gewaltigen Laubflächen diesen Namen gab. Die Keim- 4. Laminariales. 149 linge haben eine Spreite und an deren Basis bzw. am Stiel seitliche Blattflächen. Die primäre Spreite geht bald zugrunde, die Seitenorgane aber entwickeln sich ganz erheblich. d) Alaria-Gruppe (Costatae). Schon bei manchen Laminarien vom Wuchs der L. saccharina weicht die Mitte der Laubfläche von den seitlichen Teilen ein wenig ab; z. B. bleibt bei L. gyrata nach Kjellman ein mitt- lerer Längsstreifen frei von Sori, bei ja- panischen Lamina- rien hebt sich ein Mittelstück in der Spreite deutlich ab, es kann sich nach einer Seite vorwölben usw. (Yendo). Sie vermitteln, wie mir scheint, den Über- gang zu Cymathere und Costaria, bei welchen mehrere Längsrippen gebildet werden. Yendo schil- dert die Entwicklung von Costaria. (Fig. 414, / — j). Die Keim- linge erhalten erst eine Mittelrippe, dann zwei seitliche, und diesen können wei- tere folgen. Die Rip- pen stellen Verdik- kungen dar, welche teils nach der einen, teils nach der anderen Seite der Laubfläche vorragen. Zwischen den Rippen wächst die Fläche besonders stark, und da erstere sich nicht mehr strecken , kommen die Wellungen zustande, welche Fig. 414, j wiedergibt. Die Pflanzen behalten im wesentlichen die Laminaria-Umrisse bei, nur im Alter wächst die Basis des Laubes derart, daß ein herzförmiges Gebilde entsteht. Die Pflanzen sind in Japan Ende Dezember 10—15 cm hoch, im April des nächsten Jahres 1,5 m. Über einen Laub Wechsel finde ich nichts. Die hier in Mehrzahl gegebenen Rippen konzentrieren sich bei anderen Gattungen gleichsam auf eine mittlere, die dann besonders gut ausgebildet wird (Fig. 414, 4). i Alaria oblonga n. K.JELLMAN, verkleinert. 2 Alaria n. Rasmussen im Laubwechsel. 150 IX. Phaeophyceae. Alaria, von Yendo monographisch bearbeitet, wird bis zu 25 m lang (Frye). Auf mäßig langem Stiel trägt sie eine Endlamina, welche an sich zart ist, aber von einer äußerst kräftigen Mittelrippe durchzogen wird. (Fig. 415). Am oberen Ende des Stieles brechen aus den beiden Flanken meist dicke, mäßig breite zungenförmige Seitensprosse hervor, welche die Sporangien tragen (Sporophylle). So die erwachsenen Pflanzen. Die Jugend- stadien, welche im Januar— Februar entstehen, gleichen denen der Lami- narien, sie erhalten aber bald eine Mittelrippe, und vom Juni— Juli an er- scheinen die Sporophylle, welche im November — Dezember fruchten. Im Winter wird das Laub zerschlagen und zerschlitzt, etwa wie ein Musablatt, und schließlich schwindet alles, was Spreite heißt. Die Wachstumszone aber bleibt erhalten, und schon im Januar oder Februar beginnt in ihr eine energischere Tätigkeit, welche bis zum Frühjahr eine neue Spreite schafft. Hand in Hand mit der Ausbildung der Laubfläche geht die Entstehung neuer Sporophylle über den alten. Letztere brechen erst ziemlich spät ab und, hinterlassen nur eine kleine Narbe. Wenn die neuen Sporophylle ihre Fig 415 a 11. Yendo. Hirome, 2 Undaria. 3 Alaria. 4 Pterygophora. Zoosporen gebildet und entleert haben, stirbt nach Yendo die ganze Pflanze ab; danach sind auch die Alarien wenigstens in Japan zweijährig. Die Sporangien bilden sich auf den Sporophyllen von Alaria esculenta nach KjELLMAN im nördlichen Norwegen während des Juli und August. Doch gibt er für andere Arten auch andere Daten, z. B. produzierte AI. grandifolia sowohl im Januar — Dezember, als auch im Juli— September vor Spitzbergen Sporangien, Letzteres ist kaum befremdlich, da die Sporophylle weit länger erhalten bleiben als die assimilierende Laubfläche. Auch nach Entfernung der letzteren funktionieren die meistens sehr dicken Organe weiter, weil sie reichlich Reservestoffe enthalten. Weder Kjellman noch andere nordische Forscher sagen etwas von zweijährigen Alaria-Arten. So gilt dasselbe was wir oben bezüglich der Laminaria sagten. Rasmussen schildert in Übereinstimmung mit älteren Angaben von Areschoug und Wille den Laubwechsel der Alarien ganz ähnlich wie Yendo und gibt die in Fig. 415, 2 reproduzierte Abbildungen. Da Phillips und Börgesen aber Zweifel bezüglich der Periodizität äußern, ist erneute Prüfung nötig. Den Alarien reiht sich die Gattung Undaria (Ulopteryx) an. Das fieder- teiiige Laub hat eine Mittelrippe, der Stiel produziert auf seinen Kanten stark gewellte, flügelartige Verbreiterungen, welche die Sporangien tragen. Die Keim- 4. Laminariales. 151 linge (Fig. 414, ^) lassen schon sehr zeitig die Mittelrippe erkennen, sie nimmt ihren Anfang in der Wachstumszone und dehnt sich dann gegen die Spitze hin aus. Alaria verhält sich ganz ähnlich. Sodann gehört auch Pterygophora, von Ruprecht beschrieben, von Mc MiLLAN genauer studiert, hierher. Das Ganze gleicht scheinbar einem riesigen, unpaarig gefiederten Blatte, bei welchem die Endfieder nicht größer ist als die Seitenfiedern. Tatsächlich liegt ein Alaria-artiges Gebilde vor, bei welchem die gerippte Endlamina relativ klein, die Sporophylle groß (so groß wie die Lamina) sind. Die Jugendstufen gleichen den Laminarien fast auf ein Haar. Die Abbildungen der Fig. 415« zeigen, wie sich Yendo die phylogene- tische Entwicklung der Alanen denkt. Hirome trägt die Sporangien so- wohl auf der Spreite als auf welligen Auswüchsen an der Spreitenbasis. Undaria hat sie ganz auf solche verlegt. Alaria und Pterygophora bilden spezifische Sporophylle am gleichen Ort. Eine eigenartige Gattung dürfte Lessoniopsis sein. Sie wurde von Mc MiLLAN, Griggs und Reinke studiert. Die Angaben stimmen nicht ganz überein. Die Jugendstadien gleichen den Laminarien, es entsteht aber eine Mittelrippe. Spaltungen der Länge nach, welche in dieser vollzogen werden, bedingen Verzweigung und Laubbildung. Die Flachsprosse sind bei ihrer Ent- stehung unsymmetrisch, die Rippe liegt naturgemäß zunächst einseitig, es findet aber bald eine Ergänzung statt, die verlorene Hälfte wird ersetzt. Ist das geschehen, beginnt neue Längsspaltung in der Rippe u. s. f. Die Autoren be- schreiben besondere Fruchtsprosse. Diese sind bei erheblicher Größe flach und ohne Mittelrippe. Nach Griggs entstehen sie als Auswüchse aus dem noch wachstumsfähigen Stiel der steril blühenden Blätter. Das erinnert dermaßen an Alaria, daß ich die Pflanze hier erwähne. Es wäre nicht ausgeschlossen, daß man sie wegen der Längsspaltungen in der Spreite zu den Lessonien stellen muß. Ist Macrocystis die höchstentwickelte Gattung unter den Spaltlami- narien, so stellt Egregia das Endglied der Costata- Reihe dar. Sie wird durch Alaria, aber auch fast nur durch diese, unschwer verständlich. Are- schoug und Ruprecht beschrieben die erwachsene Pflanze. Setchell und Ramalay lieferten einige Notizen. Reinke beschrieb den ganzen Auf- bau, aber erst durch Griggs wurden mancherlei Zweifel im einzelnen be- hoben, weil er die Keimlinge genauer bearbeitete. Der erwachsene Tang besitzt verzweigte Langtriebe, welche an der Basis gerundet, im übrigen aber bandartig abgeflacht sind. Die bis 10 m langen Bänder tragen an den Kanten zahllose Kurztriebe (Fig. 416, 4), von denen die Mehrzahl flach zungenförmig ist und allein der Assimilation dient. Eine Anzahl von den letzteren schwillt an seiner Basis zu großen Schwimm- blasen auf (Fig. 416, 4). Außerdem kommen, soweit ich sehe, in anderen Regionen der Langtriebe fädig verzweigte Sprosse auf den Kanten vor, über deren Funktion sich vorläufig kaum ein Forscher im Reinen ist. Schließlich sind, auch kantenständig, besondere Sporophylle gegeben, welche gerippt sind und die Sporangien zwischen den Rippen tragen. Die jüngsten Keimlinge sind wieder nach bekanntem Typus gebaut (Fig. 416, /). Die ursprünglich glatte Laubfläche wird später wellig-runzelig; an den Rändern derselben sprossen zahlreiche flache zungenförmige Triebe hervor, ebenso Hefert der Stiel aus seinen Kanten eine große Menge von Seitenorganen. Diejenigen der Spreite sind gleichartig, flach, die am Stiel 152 IX. Phaeophyceae. differenzieren sich in die oben angegebenen Formen. Die Spreite der Keim- pflanze erreicht nur eine mäßige Länge, dadurch aber, daß die interkalare Wachstumszone andauernd tätig ist, wird der Stiel fast ins Ungemessene Fig. 416. Egregia Merzjesn n. Reinke und Fallis. / Keimpflanze. 2 unteres/,j oberes Ende eines älteren Langtriebes. 4 ganze Pflanze, h Hafter, s die teilungsfähigen Zone, f Laubfläche. 4. Larainariales. 153 verlängert una liefert demgemäß zahllose Kurztriebe. Schließlich wird die Spreite der jungen Pflanze wie auch die interkalare Wachstumszone durch die Wellen zerrissen, und es bleibt nur der Stiel mit den Seitenorganen übrig. Solche Stufe ist in Fig. 416, 4 wiedergegeben. An dieser sieht man auch unten die Entstehung der Seitensprosse, die zu Langtrieben werden. Solche treten schon zeitig an den Keimlingen auf (Fig. 416, /). Einzelne Seitenorgane stellen ihr Wachstum nicht ein, sondern sie bilden an der Grenze zwischen der Spreite und dem Stiel eine Wachstumszone, und diese arbeitet nun genau so, wie wir es für die Keimpflanzen be- schrieben haben. Die Egregia ist also eine Alaria, bei welcher die Spreite schwand, während der Stiel mit den Seitentrieben gewaltig entwickelt wurde. Fig. 417. Präp. Gruber. Längsschnitt durch den Stiel eines Za^zwarza-Keimlings (ca. 20 cm hoch), r Rinde, c Zentralkörper, m Mark. Gewebe. Der histologische Aufbau der Laminariaceen ist ein ziemlich kompli- zierter. Seit KÜTZiNG, Ruprecht, Schultz u. a. ist er von Reinke, Grabendörfer, Wille, Will, Rosenthal, Humphrey, Setchell, Mc MiLLAN, GuiGNARD, Sykes Und Yendo Studiert und in seinen ^wesentlichen Zügen klargelegt worden. Manche Unklarheiten beseitigte das Studium der Keimpflanzen durch Yendo und besonders durch Killian. Ganz unmöglich ist es gerade hier, alle die zahlreichen Einzelangaben zu diskutieren und zu erörtern, wie weit sie übereinstimmen und wie weit nicht. Ich glaube das Wichtigste richtig zusammengestellt zu haben, nachdem ich manches noch an Präparaten Ed. Grubers revidiert hatte. Auch Killians Präparate habe ich gesehen. Die physiologische Nomenklatur, welche Wille ein- zuführen versuchte, vermag ich nicht anzuwenden. Bezüglich der Phaeo- phyceen scheinen mir besondere Bedenken vorzuliegen, haben doch z. B. die sogenannten Hyphen überall den gleichen Ursprung, aber nicht die gleiche Funktion. 154 I^- l^liaeophyceae. Bei allen Gattungen stimmt der innere Bau in den Hauptzügen überein. Etwas abweichend von anderen Autoren unterscheiden wir zunächst Rinde und Zentralkörper. Die Rinde besteht aus annähernd isodiametrischen Zellen, der Zentralkörper dagegen baut sich aus zwar verschiedenen, aber doch immer langgestreckten Zellen auf; unter diesen fallen die mitt- leren durch unregelmäßigen Verlauf, Auflockerung usw. auf, wir nennen sie Mark (Füllgewebe). Fig. 417 oder 421 geben ungefähr ein Bild von diesen Verhältnissen, zeigen aber auch, daß eine scharfe Scheidung zwischen den Gewebekomplexen nicht zu treffen ist; das ist deshalb unmöglich, weil Rindenelemente sich im Laufe der Entwicklung zu Zentralkörpergewebe umwandeln. Betrachten wir die Dinge etwas eingehender, so gibt uns ein Längs- schnitt durch die wachsende Zone, etwa von Macrocystis (Fig. 418, / — j), wohl die beste Auskunft. Die Rinde enthält in ihren äußersten Zellen zahlreiche Chromato- phoren, und daraufhin könnte man sie mit Wille als Assimilationsgewebe bezeichnen, allein das ist deshalb kaum ratsam, weil eben diese Rinde auch als Meristem tätig ist. Von ihr geht nämlich fast alle Vermehrung der Zellelemente und damit auch ein eventuelles Dickenwachstum aus. In der äußersten epidermisähnlichen Zeliage treten (Fig. 418, /) zahl- reiche tangentiale und, mehr oder weniger reichlich, auch radiale Teilungen auf. So werden den alten neue Elemente angefügt, und diese vergrößern sich in dem Maße, als sie nach innen rücken. Zunächst besteht die Vergrößerung in allseitigem Wachstum, später aber beginnen die Rindenzellen sich in die Länge zu strecken und werden damit zu Elementen des Zentralkörpers (Fig. 418, 2, j). Letztere erhalten jedoch gegen die Mitte hin wiederum ein differentes Aussehen. Ihre Wände erscheinen erheblich verdickt, sodann treten dünne, unverdickte Querwände auf (Fig. 418, j) und weiterhin verfolgen wir, wie die gestreckten Zellen sich in ihren Längs wänden allmählich voneinander lösen. Das geschieht durch Verquellung und Verschleimung der Mittellamellen. Schließlich ent- steht soviel Schleim, daß die gestreckten Zellen weit voneinander entfernt sind (Fig. 418, -/, 5). Solche Gewebeeleniente bilden dann das Mark. Die längsverlaufenden Markzellen liegen aber nicht isoliert, sie sind vielmehr durch Querfäden (Fig. 418, 5 z'd/.) miteinander verbunden. Wie diese entstehen, erzählen wir unten, bemerken aber hier, daß jene Ver- bindungsfäden sich ziemlich weitgehend auch durch Querteilungen verlängern können. So sind sie imstande, die Verbindung aufrecht zu erhalten, auch wenn die Längsfäden weit voneinander abrücken. Im Mark kommt aber noch ein anderes Gewebeelement hinzu, näm- lich die seit Reinke als Hyphen bezeichneten Gebilde. Wenn die Mark- zellen durch Schleim getrennt werden, bemerkt man auch bald, daß beliebige Stellen (Fig. 418, j, 6 hy) ihrer Wandung sich vorwölben und zu langen Fäden auswachsen, welche durch Querwände gegliedert sind. Diese Hyphen richten sich vielfach quer, verschmähen aber einen Längsverlauf keineswegs. Unter starker Verzweigung durchwuchern sie vielfach die ganzen Schleim- massen und schließen damit die Markzellen in ein mehr oder weniger dichtes Geflecht ein, oft so dicht, daß alles pseudoparenchymatisch erscheint. Da auch Markzellen und Querverbindungen nicht überall einen geraden Verlauf beibehalten, sondern häufig ganz unregelmäßig gekrümmt und verbogen werden, präsentiert sich nicht gelten das Mark als ein fast unentwirrbarer Knäuel von P'äden (Fig. 418, 7). In diesem sind die in der Entwicklung durchaus verschiedenen Elemente kaum noch unterscheidbar, das gilt zumal 4. Laminariales. 155 für Markzellen (Längsfäden) und noch einigermaßen heraus, weil fach quergeteilt sind. Querverbindungen. Die Hyphen kennt man sie dünnere Wände haben und auch mehr- Die^Ähnlichkeit der Längs- und Querfäden hat seinen Grund in dem Umstände, daß sie ihr Wachstum einstellen, während das ganze Organ in 156 IX. Phaeoohyceae. Länge und Breite zunimmt. Dadurch sind Dehnungen und Zerrungen un- vermeidlich. Diesem folgen die Längswände, das Lumen der Zellen wird erheblich verkleinert, die Querwände aber leisten Widerstand, und über oder unter ihnen sind dann die Zellen wie aufgeblasen (Fig. 418, 7). Das sind die „trumpet - hyphae" der Amerikaner. So zutreffend der Ausdruck in seiner ersten Hälfte ist, so wenig paßt er in der zweiten, denn die Hyphen dürften am wenigsten solche Umwandlung erfahren. Das Geschilderte ist im wesentlichen der Bau der wachsenden Zone. Im Spreitenteil kehrt alles in etwas vereinfachter Form wieder. Der feste dickwandige Teil des Zentralkörpers, wie ihn die in Fig. 418, 2 u. 3 ge- zeichneten Komplexe repräsentieren, ist gewöhnlich nicht entwickelt, man bemerkt nur Rinde und Mark (Fig. 418, 8). Die Markzellen samt ihren Verbindungsfäden sind besonders parallel zur Laubfläche weit auseinander gezerrt und durch Schleim getrennt. Hyphen treten nur in geringem Umfange auf. Auch alle inneren Zellen führen noch Chro- matophoren. Die Rinde pflegt nur aus wenigen Zellagen zu bestehen (Fig. 418, 8\ ja in dünnen Spreiten findet sich beider- seits nur eine Lage kleiner epidermisähnlicher Zellen und darunter eine einzige großzellige Rindenschicht. Der Stiel ist natur- gemäß fester gebaut, alle Elemente drängen sich in ihm dicht zusammen (Fig. 421, A\ im übrigen ist in ihm alles das wiederzu- finden, was wir soeben er- wähnten. Fig. 417 läßt das erkennen, ebenso Fig. 419. Im Zentrum des Gan- zen erkennt man die Mark- fäden {mf) umflochten und verwoben durch zahllose Hyphen {hy). Diese dringen auch vereinzelt zwischen das feste, ziemlich dickwandige Gewebe ein. Das Rindengewebe, welches dieses umgibt, ist meist sehr stark ent- wickelt, wie Fig. 421 zeigt. Die Entstehung der eben besprochenen Gewebe schildert uns in erster Linie Killian. Die einschichtige Spreite der Laminaria-Keimlinge wird durch Teilungen parallel zur Fläche erst zwei-, dann drei-, dann vier- schichtig. Aus Fig. 420, / sind die Teilungsfolgen unschwer abzulesen. Die Angaben Yendos bezüglich der Costaria weichen in diesem Punkt von denen Killians etwas ab. (s. auch Sauvageau). Überall aber entsteht eine kleinzellige Rinde, welche zunächst zwei Schichten größerer Elemente einschließt. Diese letzteren vermehren sich unter Mitwirkung der Rinde und so ist der Übergang zu dem Schnitt durch das fertige Laub (Fig. 418, S) gegeben. Fig. 419. Präp. Gruber. Stück des Querschnittes aus dem Stiel einer jungen Laminar ia. w Mark, wz/ Mark- fäden, hv Hyphen. 4. Laminariales. 151 Der Sti«^l zeigt zunächst auch nur eine kleinzellige Rindenschicht und wenige längere Zellen im Innern, diese vermehren sich langsam, und wenn Fig. 420. Laimnaria digitata n. KiLLiAX. / Längsschnitt durch die Spitze eines Keim- lings. 2 Flächenschnift durch Stamm und Blattbasis eines Keimlings von ca. 2 mm Länge. 3 — 7 Entstehung der Querverbindungen im Keimling. 8—g Die weitere Entwicklung der Querverbindungen im Keim, lo Die Deformation der Querverbindungen im Blatte. dann 8—10 Elemente auf den Durchmesser gegeben sind (Fig. 420, 2), beginnt die Erscheinung, welche dem Zentralkörper das Gepräge gibt: Die 158 IX. Phaeophyceae. Längszellen weichen auseinander, die Zwischenräume füllen sich durch Ver- quellung der Mittellamelle usw. mit Schleim, Die Trennung greift auf die Laubfläche über und in dieser werden die Markzellen naturgemäß viel weiter auseinander gezerrt. (Fig. 420, 2). Jedoch bleibt immer eine Verbindung zwischen den Längszellen bestehen. Rücken sie wenig auseinander, so ge- nügen die von Anfang an vorhandenen Tüpfel, sie werden in ihren Kanälen einfach ein wenig auseinander gezogen. Wo die Entfernung größer wird, treten die langen Querfäden (Verbindungsfäden) in ihre Rechte. Die Längs- zellen schneiden durch schräg gestellte Wände meist an ihrem oberen Ende kleine Zellen ab, welche bald durch Verschiebung die in Fig. 420, j, 4 wiedergegebene Form annehmen. Die Zwickel stehen einander gegenüber, sie entsenden Fortsätze, die sich berühren und dann die Trennungswand auflösen (Fig. 420, 4, j). Später treten Querwände auf, welche die ver- einigten Zellen wieder trennen (Fig. 420, 6), bald darauf strecken sich die Querstränge und in dem Maße, als dies geschieht, setzt in ihnen Querteilung ein. Die Entwicklung ist aus Fig. 420, 6 ff. ohne viel Worte zu erkennen. Die Teilungsfähigkeit erlischt aber schließlich, die Dehnung geht weiter und dann kommen Trompetenformen (Fig. 420, w) zustande, die wir schon oben erwähnten. Die gedehnten Wände erfahren meist noch starke Ver- dickung. Im Laub der Keimlinge bilden die Längs- und Verbindungsfäden schließlich ein weitmaschiges Netzwerk, das nach Aufhellung des Ganzen leicht sichtbar wird. Was „längs", was „quer'" sei, ist nur noch zu erraten, weil infolge des Flächenwachstums der Spreite alles verzerrt ist. Im Stiel gehen die Verschiebungen nicht ganz so weit, dafür machen sich in ihnen die Hyphen umsomehr bemerkbar. Sie treten in Laub und Stiel ziemlich spät auf — und das erleichtert die Erkennung der Tatsachen. Im letzteren durchwuchern sie dann wie Pilzfäden alle Räume zwischen den Längs- und Querzellen und führen damit die in Fig. 417 u. 419 wie auch die in Fig. 418, / gezeichnete und oben bereits erwähnte Anordnung herbei. Durch KiLLiANs Befunde werden Einzelangaben von Thuret, Mc MiLLAN, HuMPHREY, Reinke u. a. leicht verständlich. Nach Angaben von Wille, Settchel, Sykes können vielleicht auch ältere Hyphen Ver- bindungen eingehen. Sicheres scheint mir aber nicht erwiesen zu sein. Mit dem Gesagten sind zwar junge und mittelalte Pflanzen verständ- lich, nicht aber die Stämme von gewaltiger Dicke, von welchen wir oben sprachen. Diese verdanken ihr Dasein einem sekundären Dicken- Wachstum. Halten wir uns zunächst an die Laminarien selber, so ist hervor- zuheben, daß infolge des Dickenwachstums zunächst das Mark an Umfang zunimmt. Schon auf jungen Stufen hat es ungefähr den in Fig. 421 a wieder- gegebenen Umriß, und diesen behält es im wesentlichen bei, sein Durch- messer aber nimmt zu und kann auf 1 cm etwa heraufgehen. Alles das erfolgt auf Kosten der dickwandigen Zellen des festen Zentralkörpers, indem diese sich in bekannter Weise isolieren usw. Ganz bedeutend stärker aber als die Markzellen werden die dicken Zellen vermehrt; ja auf der Zunahme des Gewebes, welches sie zusammensetzen, beruht in der Hauptsache die Umfangszunahme der Laminariaceenstämme (Fig. 421 b). Die Rinde baut eben immer neue dickwandige Zellen an die älteren an, so wie wir das oben schon schilderten; aber es sind nicht immer genau dieselben Rinden- elemente, welche in solchem Sinne tätig sind. 4. Laminariales. 159 Bei Macrocystis bleibt nach Rosenthals Befunden die äußerste Schicht der Rinde ständig als meristematisches Gewebe in Tätigkeit, wohl auch bei manchen anderen Laminariaceen ; bei vielen aber, z. B. bei Laminaria, Thalassiophyllum, Lessonia u. a. hört in älteren Stämmen die Tätigkeit der epidermoiden Lage auf, statt dessen werden die meristematischen Funktionen Rindenzellen übertragen, welche mehr nach innen zu gelegen sind (etwa der 6. — 8. Zellschicht von außen gerechnet). Diese funktionieren genau in derselben Weise wie die ursprünglichen peripheren Meristemzellen, indem auch sie nach innen kompaktes Gewebe dem Zentralkörper hinzufügen. Die außerhalb der fraglichen Zone gelegenen peripheren Zel- len sterben vielfach unter Bräu- nung ihres Inhaltes und ihrer Membranen ab und werden ab- gestoßen. Derartige stark in die Dicke wachsende Algenstämme zeigen nun nicht selten auf dem Quer- schnitt eine Schichtung resp. Ringbildung (Fig. 421 B), die wir bereits mehrfach erwähnten. Das Mark wird umgeben von acht, zehn, zwölf und mehr konzentrischen, verschieden hellen Ringen. Sie kommen bei Laminaria ganz ähnlich wie Jahresringe dadurch zustande, daß gewisse Zellen des ' Zentralkörpers ein etwas kleineres Lumen haben als die Nach- Fig. 421a. Orig. n. Präp. Gruber. Querschnitt durch den Stiel einer jungen Laminaria. r Rinde. ck Zentralkörper, m Mark. ^^^^ ^^ m Fig. 421b. Orig. n. Präp. Gruber. Querschnitt durch den Stiel einer älteren Laminaria. r Rinde, sckl Schleimgänge, r^s Ringzone, m Mark. barn; bei Thalassiophyllum bedingen nach Ruprecht und Rosenthal Einlagerungen brauner Substanzen in bestimmte Zellen die Zeichnung; bei Lessonia scheinen nach McMillan die Dinge wieder ähnlich zu liegen wie bei Laminaria usw. 160 IX. Phaeophyceae. Solche Bildungen, über welche nicht wenige der auf S. 153 erwähnten Autoren berichten, als Jahresringe zu betrachten, welche dem Laubwechsel oder wenigstens den Wachstumsperioden entsprechen, liegt ja nahe. Wir sagten aber schon, daß Skottsberg die Frage verneint, und für andere Algen liegt nirgends ein entscheidender Beweis vor. Vielleicht sind die Ringe auch nicht immer gleichartig, z. B. könnten wohl die Zonen bei Alaria, und die Schichtungen bei jungen Lessonien (Wille, Harvey, Yendo) etwas ganz Verschiedenes sein. Siebzellen. Das Aussehen des oben beschriebenen Markes hängt wesentlich von der Menge der Hyphen ab, welche dasselbe durchsetzen. Wir sahen schon, daß dieselben im flachen Teil des Sprosses meist zurücktreten, im Stiel resp. Stamm dagegen meist ungemein reichlich gebildet werden. Doch gilt diese Regel nicht allgemein ; z. B. hat Lessonia nach Mc Millan im Mark relativ wenig Hyphen, und bei Alaria sind die zentralen Markzellen nach W^ILLE frei von solchen Fäden, erst eine das Zentrum umgebende Zone führt solche. Für Phyllogigas und Phaeoglossum gibt Skottsberg stark mit Chro- matophoren versehene Hyphen an, welche wenigstens einen Teil der Markfäden umspinnen (vergl. Desmarestia). Die Markzellen als solche treten uns in zwei Typen entgegen, die aber natürlich durch Übergänge verbunden sind. In einem Falle bilden sie zusammen mit ihren langen Querverbindungen ein nach allen Richtungen anastomosierendes, unregelmäßiges Maschen werk; das ist der Fall in den Flachsprossen, den Stämmen der Lessonia, mancher Laminarien usw. Im zweiten Falle verlaufen die Markzellen alle der Längsachse parallel, sie erscheinen einander stark ge- nähert, demgemäß sind die Querverbindungen sehr kurz, so z. B. bei Nereocystis nach Setchell, bei Alaria nach WiLLE, bei Phyllaria nach Setchell usw. Solche Lagerungen sind wohl mit der Zug- resp. Biegungsfestigung der Organe in Zusammenhang zu bringen. Mit den durch das Wachstum der Spreiten und Stämme bedingten Span- nungen hängt die Verengerung des Lumens zusammen, die wir schon S. 156 erwähnten und nicht selten auch eine ganz erhebliche sekundäre Verdickung der gespannten Wände. Mc MiLLAN vergleicht die so resultierenden Gebilde mit dicken Ther- mometerröhren. Das ist um so zutreffender, als die fraglichen Fäden an den Querwänden erheblich weiter bleiben, ja nicht selten geradezu ausgebaucht werden (Fig. 423). Überall sind die Querwände der Markfäden usw. siebähnlich durchbrochen und von Plasmafäden durchsetzt, daher ist der Name Siebzellen ein ganz passen- der. Am meisten erinnern die großen Gebilde dieser Art bei Nereocystis und Macrocystis an die Phanerogamen. Die beiden Tange besitzen das übliche Mark mit Hyphen und mäßig großen tubaförmigen Zellen (primäre Siebzellen nach Sykes), um jenes liegt konzentrisch eine Zone mit sehr großen Zellen, welche in annähernd radiären Reihen zu 6 — 8 geordnet sind, wir wollen sie sekundäre Siebröhren nennen. Die punktierten Zonen der Fig. 422, I und 2 enthalten sie. Das sind die berühmten Gebilde, welche WiLL, Wille, Oliver, Rosen- THAL, Setchell, Skottsberg, Sykes u. a. untersucht haben. Die letztge- nannte Beobachterin findet, daß man auch bei Laminaria primäre und sekundäre Siebzellen unterscheiden könne, sie fallen weniger in die Augen, weil die Größen- unterschiede nicht so bedeutend sind wie bei den vorgenannten Gattungen, die Lage ist die gleiche. Die sekundären Siebröhren entstehen ziemlich spät. W^enn das eigentliche Mark keine wesentlichen Veränderungen mehr erfährt, dann lösen sich vom festen Zentralkörper an der Grenze desselben gegen das Mark Zellen unter der üblichen Mittellaniellenquellung los und werden in Hyphenmassen {h Fig. 422, j und ^) eingebettet. Diese Elemente verlaufen bei Nereocystis 4. Laminariales. 161 und Macrocystis (Fig. 422, j) fast gerade abwärts, und im Zusammenhang da- mit sind die Querverbindungen nur kurz. Nach ihrer Bildung dürften in diesen Teilen des Zentralkörpers keine wesentlichen Veränderungen mehr vorgehen. Alle Siebplatten besitzen offene Verbindungskanäle, durch welche Plasma- stränge hindurchziehen. In den Rindenzellen der Macrocystis, welche die Siebröhren liefern, fand RoSENTHAL und Sykes Querwände mit im Kreise ge- stellten Tüpfeln (Fig. 423, j), welche von Plasmodesmen durchsetzt sind. Die Fig. 422 n. Setchell, Oliver u. Will. / Nereocystü; Querschnitt durch einen jungen Stiel. 2 Dies.; Querschnitt durch ein junges Laubstück. 3 Macrocystis; Stück eines Stammquerschnittes mit Siebzellen. 4 Dass., stärker vergrößert. 5 Dass., im Längs- schnitt, ck Zentralkörper, h Hyphen, .? Siebzellen, sp Siebplatte, c Kallus. Bildung der Siebplätten beginnt wohl damit, daß die Leisten zwischen den Tüpfeln weggeräumt werden. Später sind dann die jungen Siebplatten bei Macrocystis von zahlreichen Plasmafäden durchsetzt und die sie enthaltenden Poren werden gleichmäßig über die ganze Platte verteilt (Fig. 423, 2 und 4) Man darf wohl annehmen, daß diese unter Auflösung von Teilen der Querwand gebildet werden, nachdem letztere gleichsam ausgeebnet war. Später bilden sich an Stelle eines Plasmafadens Gruppen von solchen, wie das Fig. 423, 5 in der Oltmanns, Morphologie u. Biologie d. Algen. 2. Aufl. II. 11 162 IX. Phaeophyceae. Fläche und Fig. 423, 8 im Längsschnitt wiedergibt. Das „wie" ist mir nicht ganz klar geworden; es muß doch wohl jeweils eine Auflösung von Teilen der Querwand PJatz greifen. Nun beginnt ein eigenartiger Vorgang: jede Faden- gruppe wird von einem Röhrchen umgeben, das aus Kallusmasse besteht, und dann verschmelzen die Einzelfäden in ihm zu einem breiteren Strang (Fig. 423, g). So Macrocystis. Bei Laminaria ist der Vorgang ähnlich (Fig. 423, 6, f), nur fehlen hier die Gruppen von Verbindungsfäden, jeder einzelne Plasmastrang, der die Siebplatte durchsetzt, wird von einem besonderen Rohr umschlossen. /A Fig. 423 n. Sykes. / — 5 Macrocystis. i ältere, 2 junge Siebröhre im Längsschnitt, 3 Querwand einer Rindenzelle, 4 junge, 5 ältere Siebplatte. 6, 7 Laminaria. 6 ältere, 7 jüngere Siebplatte. 8—10 Macrocystis, verschieden alte Siebplatten zum Teil mit Kallus- bildung. In diesem Stadium dürften die Siebröhren auf der Höhe ihrer Entwicklung sein, später lagert sich Kallusmasse auf der Platte ab. Das geht von den kleinen Kallusrohren aus, es erscheinen zunächst nur kleine Knöpfe über der Siebplatten -Fläche, diese vereinigen sich zu Ballen, welche aber noch nicht die ganze Platte bedecken (Fig. 423, 10). Später freilich treten solche Massen auf wie sie die Fig. 423, g anzeigt. Sie ziehen sich sogar an den ganzen Längs- wänden hin. 4. Laminariales. 163 Von ältere!^ Forschern, wie auch neuerdings von Sykes, wird der Kallus als eine Modifikation der Zellulose bezeichnet, jedenfalls ist er nicht eiweissartig. Das durch die Kallusbildung bedingte Oblitteriren der Siebröhren beginnt nach Sykes in den ältesten Teilen der Pflanze. Damit und mit dem, was wir vorher erwähnten, ist nun freilich eine auffallende Ähnlichkeit zwischen den Tangen und den höheren Pflanzen gegeben, und es ist kein Zweifel mehr, daß die großen Siebröhren der Macrocystis usw. Leitungsbahnen darstellen. Auch die Platten der dünneren Markfäden und Querverbindungen dienen gewiß dem Stofftransport; wenn aber die Längswände, wie oben erwähnt, sich bedeutend verdicken, dann spielen sie auch wohl eine Rolle für die Festigung der Pflanze im weitesten Sinne. In dieser Richtung muß vielleicht noch manches geprüft werden, z. B. gibt KjellMAN an, daß bei Phyllaria genau an den Stellen ver- dickte Elemente liegen, wo bei Nereocystis die Siebröhren gebildet werden. Die Hyphen haben ebpnfalls durchbohrte und von Plasmafäden durchsetzte Querwände, da sie vielfach dünnwandig sind, bisweilen Reservestoffe und sogar gelegentlich Chromatophoren führen, kann man sie kaum als mechanische Ele- mente bezeichnen. Wie weit sie der Leitung, der Speicherung usw. dienen, ist mir nicht ganz klar. Die Schwimmblasen von Macrocystis und Nereocystis entstehen durch Auseinanderweichen der Markzellen, gleichzeitig tritt Luft in dem neu gebildeten Hohlraum auf. Ein Teil der Markfäden wird zerstört, doch bleiben nach Mc Millan und Skottsberg in der Blasenwandung Sieb- röhren erhalten, so daß die Leitung wohl nicht unterbrochen wird. Nach Skottsberg ragen isolierte Fäden in den Hohlraum der Blase hinein, nach Mc Millan entsteht in der Blasenwand von Nereocystis — nahe deren Innenfläche — eine teilungsfähige Zellage, die wohl die zerrissenen Gewebe regeneriert. Alaj-ia fistulosa hat eine hohle, durch Diaphragmen gekammerte Mittelrippe. Nach Kibbe folgt hier das Mark dem Wachstum der Rinden- teile in der Längsrichtung nicht, es zerreißt, die Gewebe werden zerstört, aber es bleiben quer durch die Höhlungen Zellmassen übrig, welche durch Hyphen gefestigt jene Diaphragmen bilden. Auch Siebröhren unterliegen der Zerstörung, doch bleiben solche dort erhalten, wo die Lamina an die Mittelrippe grenzt. Über den Gasdruck in den Blasen von Nereocystis gibt Frye Aus- kunft. Derselbe kann geringer sein als der Atmosphärendruck, er schwankt mit der Tageszeit und ist in den Blasen der Pflanzen, welchen das Laub genommen wurde, höher als in unverletzten. In ersteren übersteigt er den normalen Barometerstand. Die Schleimgänge der Laminariaceen, welche als anastomosierendes Kanalsystem die inneren Rindenteile durchsetzen, wurden von Guignard genauer studiert, nachdem bereits Will und Rosenthal Angaben darüber gemacht haben (s. auch Sauvageau und Gruzewska). Ihre Anlage erfolgt in der interkalaren Wachstumszone, und zwar machen sie sich zuerst in der äußersten Rindenschicht (Fig. 424, /) als kleine, schleimerfüllte Spalten bemerklich. Die letzteren vergrößern sich später in dem Maße, als sie weiter in das Innere der Rinde hinein verlegt werden. Dabei ist die äußere, teilungsfähige Kortikalschicht tätig, welche, wie bereits gezeigt, immer neue Zellelemente den alten auflagert. Doch schließlich kommt die Verschiebung nach innen zum Stillstand, die Schleimgänge halten dann eine konstante Entfernung von der Peripherie ein und ein weiteres Dickenwachstum der fraglichen Laminarien wird von den Teilungsgeweben im Innern der Rinde besorgt, welche wir oben (S. 155) schilderten. Nach 11* 164 IX. Phaeophyceae. GuiGNARD liegen diese unmittelbar unter der mit Schleimgängen besetzten Rindenzone. Ob durch sie etwa schließlich eine Abstoßung der Schleim- gänge und eine Neubildung an anderer Stelle erfolgt, wie man vermuten könnte, ist unbekannt. Bei anderen Gattungen, z, B. bei Macrocystis (Skottsberg) werden mit dem fortschreitenden Dickenwachstum, wenn ich Skottsbergs Bil recht verstehe, immer neue Schleimgänge in unregelmäßiger Anordnung entwickelt. Die Schleimgänge haben ihren größten Durchmesser im älteren Teil der Rinde, senden aber schmale Kanäle durch die jüngeren Rindenregionen schl Fig. 424. Schleimgänge der Laminaria Cloustoni n. GuiGNARD. / Längsschnitt durch die Bildungszone. 2 Querschnitt durch ältere Teile. 3 Schleimgänge von der Fläche gesehen, schl Schleimgänge, se „Sekretzellen". bis unmittelbar unter die äußerste Schicht; diese wölbt sich (Fig. 424, 2) sogar ein wenig vor, aber einen Ausgang vermochte bislang niemand zu finden. Die ursprünglichen Schleimspalten sind von einander getrennt, auf älteren Stufen, wie sie in Fig. 424, 2 dargestellt wurden, ist das nur noch scheinbar der Fall. Schnitte, parallel der Oberfläche von Stiel oder Laub zeigen, daß in Fig. 424, 2 nur der Querschnitt eines zusammenhängenden Netzwerkes von Gängen (Fig. 424, 3) vorliegt, Avelchem die nach außen 4. Laminariales. 165 gerichteten engeren Kanälclien als Aussackungen aufgesetzt sind. Der Netz verband der ursprünglichen Spalten wird schon auf sehr jungen Stufen durch Spaltung der Wände zwischenliegender Zellen hergestellt. Ebenfalls auf sehr jungen Stadien werden auf der Innenseite der Gänge (Fig. 424, /, 2) Zellen mit großem Kern und körnigem Plasma gebildet, welche man vielleicht etwas voreilig als Sekretionszellen bezeichnet hat. Diese Zellen vermehren sich durch Teilung und kleiden — auf Querschnitten (Fig. 424, 2) — die einwärts gekehrte Wand der Schleimgänge unregel- mäßig aus. Längsschnitte aber zeigen (Fig. 424, j), daß diese Sekretions- zellen nicht zusammenhängende Lagen bilden, sondern nur in mehr oder weniger weit von einander entfernten Gruppen beisammen liegen. Skottsberg glaubt, daß bei Macrocystis die sogen. Sekretionszellen zuerst differenziert werden, die in Fig. 424, / gezeichneten Spalten würden dann zwischen diesen entstehen. Der Schleim ist in kaltem Wasser löslich, und wohl zweifellos ver- schieden von dem Schleim der Interzellularsubstanz. Im übrigen ist über die Funktion desselben ebensowenig bekannt, wie über die Zusammensetzung. Nur einige Farb-Reaktionen werden angegeben. Die Arbeit von Gruzewska konnte ich nicht erhalten. Schleimgänge kommen nicht allen Laminariaceen zu, in der Gattung Laminaria selber fehlen die Kanäle der L. Agardhii, maxima Kj. u. a., L. saccharina, digitata u. a. haben sie nur im Laub, nicht im Stiel, erst L. Cloustoni, nigripes, Rodriguesii, longicruris u. a. führen sie überall, mit Ausnahme der eigentlichen Bildungszone; hier werden sie ja erst sukzessive entwickelt. Für die übrigen Formen gilt bezüglich des Vorkommens ähn- liches; u. a. fehlen die Schleimgänge bei Thalassiophyllum, Alaria. Wenn sie nicht immer gefunden wurden, liegt das vielleicht daran, daß sie nach FosLiE oft erst an ziemlich alten Pflanzen zur Entwicklung kommen. Für Undaria und Verwandte beschreibt Yendo Schleimdrüsen. Sie entstehen dadurch, daß eine unter der sog. Epidermis gelegene Zelle der Rinde sich stark vergrößert und durch einen nach außen gerichteten breiten Fortsatz die über ihr liegenden Zellen zerdrückt. Der in ihnen enthaltene glashelle Schleim tritt dann wohl über die Oberfläche der Pflanze hervor. Über die chemische Beschaffenheit der Laminariamem brauen weiß man folgendes: Die Schicht, welche das Zellplasma direkt umgibt, zeigt mit Chlorzinkjod blaue bis violette Färbung, dürfte also im wesentlichen aus Zellulose bestehen. Nach Grabendörfer erhält man durch obiges Reagens eine blaue und eine violette Schicht in den Zentralkörperzellen von Lessonia. Die stark verdickten Markfäden geben eine gleichmäßige Zellulosereaktion. Die Siebröhren geben in ihren Längswänden bei Macrocystis nach Skotts- berg keine Zellulose-Reaktion, dagegen zeigen die Siebplatten eine solche. In dieser freilich wird die Mittellamelle nicht durch die üblichen Reagentien gefärbt. Sykes macht abweichende Angaben. An den Hyphen verneinte Skottsberg die Zellulose. Die Beobachter geben vielfach Farbenreaktionen an, die indes vorläufig kaum entscheidend sein dürften. Die Mittellamelle und die aus ihr hervorgehenden Schleimmassen be- stehen nach Wille aus einem Calciumsalze der Tangsäure, analog dem oder identisch mit dem Calciumpektat höherer Pflanzen. Ebenso dürfte auch die „Schleimcuticula" zusammengesetzt sein, jene Lamelle, welche die Rinden- zellen auf der freien Außenseite überzieht. Auf den Eigenschaften dieser letzteren Substanzen dürfte (wenigstens großenteils) einerseits die bekannte starke Schrumpfung der Laminarien beim Eintrocknen, die Fähigkeit im wasserarmen Zustande zu harten Massen 166 IX. Phaeophyceae. ZU werden, andererseits natürlich auch die starke Quellung bei Wasserzufuhr beruhen. Ersteres wird am besten illustriert durch die Tatsache, daß die Eingeborenen Patagoniens Lessoniastamnistücke, andere Völker an anderen Orten Laminariastiele als Messergriffe benutzen. — Sie stoßen den Stiel des Messers in die frische Masse und lassen sie trocknen. Die Löcher, Risse und Spalten, welche das Laub der Laminaria- ceen gliedern, werden durch innere Prozesse eingeleitet und durchgeführt. Man braucht nur einmal Laminarien im Laub Wechsel an- zusehen, um sich da- von zu überzeugen. Natürlich kann Wellenbewegung usw. den Vorgang fördern. Es han- delt sich immer um Störungen im Gewe- beverband, welche durch Wundver- schluß beseitigt werden. Nach Kil- LiAN beginnt bei den Laminarien die Rißbiklung damit, daß an gegenüber- liegenden Stellen der Spreite eine schwache Rinne ent- steht (Fig. 425a,/); diese wird rasch tieferund schmäler; damit wölbt sich die Oberhaut in die inneren Gewebe hinein. Diese letz- teren beginnen zu reißen und schließ- lich wird auch die äußerste Zellage durchgeteilt wie in Fig. 425 a, :? zu sehen. Die eine Fläche pflegt der anderen etwas vor- aufzueilen. Ist die Trennung vollzogen, so wölben sich die Rindenschichten durch vermehrtes Wachstum an ihrer Außenseite über die Wundfläche vor (Fig. 425 a, j) und schließen endlich fest zusammen. Die Markgewebe sind bei alledem nur passiv beteiligt. Nicht wesentlich anders ist die Sache bei Macrocystis. Skottsberg betont besonders, daß hier der Prozeß mit Zerreißung der inneren Schichten beginne. Ich glaube eher, es gi-eifen innere und äußere Veränderungen ineinander. In Präparaten von Gruber sah ich etwas Fig. 425 a. Spaltenbildung bei Lammaria n. KiLLIAN. 4. Laminariales. 167 weitergehende Zerstörungen des Gewebes als Killian sie angibt. Selbst wenn diese nicht regehnäßig auftreten, führen sie hinüber zu Agarum. Die Bildung der Löcher im Laub dieser Alge beginnt nach Humphrey mit der Herauswölbung eines Buckels auf einer Fläche des Blattes, dem eine Vertiefung auf der anderen entspricht (Fig. 425 b, i). Nunmehr stirbt das Gewebe im Scheitel der „Beule" ab (Fig. 425 b, 2), und zwar beginnt 2 ^ Fig. 425 b. Lochbildung bei Agarum n. Setchell, dieser Prozeß von der Innenseite derselben her. Hand in Hand mit diesem Absterben von Zellen geht ein Wundverschluß. Andere Tange reihen sich gewiß an den einen oder anderen Typus an, man vergleiche McMillan über Nereocystis, Grabendörfer über Lessonia, Setchell über Phyllaria. Goebel und Reinke erinnern an die Ähnlichkeit mit Palmblättern. Einige Laminariaceen wie Alaria, Phyllaria, Saccorrhiza, Nereocystis, Costaria, vielleicht auch noch wenige andere Gattungen tragen auf den Fig. 426. Haftscheibe eines älteren Keimlings n. Killian. Laubflächen farblose Haarbüschel, welche ziemlich weitgehend an die für Hydroclathrus usw. geschilderten erinnern. Nach Murray, Yendo u. a. haben wir es einfach mit Aussprossungen der äußersten Rindenschicht zu tun. Bei Alaria bleiben dieselben meistens auf der Oberfläche, werden aber nach Wille doch bisweilen in Gruben versenkt. Das ist bei Phyllaria und Saccorrhiza die Regel und erfolgt überall dadurch, daß die den Büscheln benachbarten Rindenzellen stärker wachsen als diejenigen, welche Haare tragen. 168 IX. Phaeophyceae. Auf älteren Alariaexemplaren schwinden die Haare nach WiLLE^häufig, ebenso bei Nereocystis nach Setchell, und nach demselben Autor- tragen, wie schon erwähnt, die interkalar nachwachsenden Teile der Lamina von Phyllaria dermatodea ebenfalls keine solchen mehr. Die Krallen (Hafter, Hapteren) haben wir in ihrer wirteligen Anordnung usw. schon auf S. 130 behandelt. Sie entstehen aus Rindenzellen des Stieles, welche ein energisches, wenn auch lokal begrenztes Wachstum entfalten. So werden zuerst kleine '^^^^wmwm'^ci- schl sp Fig. 427. Orig. Kuckuck. Längsschnitt durch das Sporangien-tragende Laub von Lammarm saccharina. i schwächer, 2 stärker vergrößert, m Mark, r Rinde, sp Sporangien, / Paraphysen, schl Schleimkappe. Höcker erzeugt, welche dann weiter erheblich in'-^ die Länge wachsen, und zwar ausschließlich an der Spitze; auch die Dichotomierung geht allein von der Spitze aus, sie erinnert an diejenige der Wurzelträger von Sek- Literatur. 169 ginella. Daß interkalares und Spitzenwachstum an derselben Pflanze ge- geben ist, braucht nicht aufzufallen; dieselbe Erscheinung war schon bei den Ectocarpeen zu konstatieren. Der Bau der Krallen gleicht etwa dem von Keimlingen mittleren Alters, es fehlt nämlich das eigentliche Mark, und ebenso werden im wesent- lichen die Hyphen vermißt. So besteht das Ganze aus kurzen Rinden- und längeren Zentralkörperzellen, welche auch Ringanordnung zeigen können. Die dickwandigen Zellen entbehren nach verschiedenen Autoren der sonst vorhandenen Tüpfel. Das ist verständlich; sie sind offenbar mechanische Elemente, Stoffaufnahme und Leitung besorgen sie kaum. Die Haftscheiben der jungen Pflanzen sind ganz entsprechend gebaut. Fig. 426 zeigt das ohne viel Worte. Die Haftfasern auf der Unterseite sind ebenfalls leicht erkennbar. + + + Fortpflanzung. Die Vereinigung der Sporangien zu meist sehr großen, bis handbreiten Sori wurde bereits oben erwähnt, ebenso die Verteilung der letzteren über das Laub der einzelnen Gattungen. Auch über die Entstehung ist des- wegen nichts zu sagen, weil dieselbe Punkt für Punkt mit den bereits ge- schilderten Prozessen bei Chorda übereinstimmt (Fig. 427). Paraphysen und Sporangien verhalten sich genau so wie dort. Nur die Form der ersteren weicht bei manchen Gattungen, z. B. Laminaria, Lessonia u. a. da- durch etwas ab, daß die Paraphysen auf dem Scheitel ihre Membran sehr stark schleimig verdicken (Fig. 427, 2), wie das schon Thuret schilderte und neuere Autoren lediglich bestätigten. Da die Paraphysen und Sporangien von der äußersten Rindenschicht aus gebildet werden, heben sie die cuticulaähnliche Schleimschicht, welche diese Zellen zu bedecken pflegt, als Häutchen ab, wie das bei den Phaeo- sporeen durchaus nicht selten ist. In besonders auffälliger Weise fehlt die Schleimmasse auf dem Scheitel der Paraphysen bei den Gattungen Saccorrhiza, Phyllaria, Cymathere (Griggs). Bei den ersten beiden verschleimen die Längswände mehr, bei der letzt- genannten endigen die Paraphysen, die lang keulig sind, nicht in gleicher Höhe, sodaß ein fester Zusammenschluß unterbleibt. Die Entwicklung der Zoosporen bietet, soweit bekannt, keine Be- sonderheiten gegenüber den Ectocarpeen und noch weniger gegenüber Chorda. Eine Reduktionsteilung wurde meines Wissens bei Laminariaceen bislang nicht wahrgenommen, doch ist kaum ein Zweifel, daß sie wie bei Chorda einsetzt, wenn der einzige Kern des jungen Sporangium sich teilt. Damit ist dann gesagt, daß bei unserer Gruppe der Kernphasenwechsel genau wie bei den Moosen und Farnen mit dem Generationswechsel zu- sammenfällt. Der kleine Gametophyt ist haploid, der große Sporophyt aber diploid. Literatur. Agardh, C. A., Revision der Algengattung Macrocystis. Nova acta Leopold. 1839. 19, 281. Agardh, J. A., De Laminarieis symbolas offert. Lund's Univ. Ärsskrift. 1867. Agardh, J. G., Om Bladets Udvikling hos Algerne. Forhandi. ved det 11. skand. Naturforskermöde i. Kjöbenhavn 1873. Kj0benhavn 1874. Anderson, G. et P., Guide to the Highlands and Island of Scottland. London 1834 Clouston üb. Laminarien. 170 I^- Phaeophyceae. Anderrox, G. et P., Species, genera et ordines Algarum 1848. 1. Areschoug, Observat. Phj'cologicae TV, V. De Laminariaceis nonnullis. Nova acta reg. soc. 8C. Upsaliens. 1883/84, ser. 3. 12. Barber, C. A., On the structure and development in Laminaria bulbosa Lam. Ann. of bot. 1889/90. 3, 41. 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Spezifisches Merkmal für die Tilopteridaceen sind die großen, unbeweglichen Monosporen. Die in Rede stehenden Gat- tungen haben den Habitus mitt- lerer Ectocarpeen, sie besitzen auch deren Wachstumsweise (Fig. 428). Ein trichothallisches Wachstum ist bei Haplospora Vidovicchii recht deutlich, bei Haplospora globosa aber mehr oder w^eniger verwischt durch interkalare Teilungen an be- liebiger Stelle, die übrigens auch bei der erstgenannten Form nicht fehlen. Akinetospora und Haplospora Vidovicchii bilden durchweg mono- siphone Fäden, bei Haplospora globosa dagegen und bei Tilopteris setzen speziell in den unteren Regionen Längs- und Querteil- ungen ein, welche den betreffenden Teil des Sprosses Sphacelarien- ähnlich erscheinen lassen. Die Zellen haben im wesentlichen den üblichen Bau der Phaeosporeenzelle. An Fortpflanzungsorganen kamen zur Beobachtung: l. Unilokuläre Sporangien bei Akinetospora pusilla durch Bor- net u. a. (Fig. 429, 4), bei Heterospora Vidovicchii durch Kuckuck. Die- selben, annähernd kugelig, sind bei ersterer Form mit einzelligem Stiel versehen, bei letzterer sitzend (Fig. 429, /, 2). Die relativ großen Zoo- sporen (Fig. 429, j) beherbergen ziemlich zahlreiche Chromatophoren, sie sind nierenförmig und tragen die Cilien in der Einbuchtung. Statt der Zoosporen treten auch Aplan osporen auf. P'ig. 428 n. Murray. Haplospora globosa {Sca- phospora-%iaid.mm) m. Monosporen. /// pluri- lokuläre Sporangien. 5. Tilopteridales. 173 2. Plurilokuläre Sporangien mit großen Fächern und großen Schwärmern, die zahh-eiche Chromatophoren bergen, schildert Bornet an Akinetospora pusilla (Fig. 429, 5). Die Schwärmer keimen direkt ohne irgend ein Anzeichen von Sexualität, ja sie können in den Sporangien keimen und auch im unbeweglichen Zu- stande (als Aplanosporen) entleert werden, um dann sofort auszuwachsen. 3. Bei Haplospora globosa (= Scaphospora speciosa s. unten) und bei Tilopteris werden Organe gebildet, die wir indifferent plurilokuläre Spor- angien, wenn wir aber kühn sein wollen, Antheridien nennen können. Sie liegen in der Kontinuität kurzer, haarartig endender Seitenzweiglein (Fig. 430, /), sind relativ breit, fast keulig, aber nicht fest, sondern innen hohl, wie ein Längsschnitt (Fig. 430, j) leicht ergibt, d. h. die kleinen, Fig. 429 n. Kuckuck, Bornet u. Sauvageau. / Heterospora Vidovicchii Kck.; Zweig mit unilokulärem Sporangium {ii) und Monosporen (;«)• 2 Dies., unilokuläres Sporangium. 3 Dies., Zoospore. 4 Akinetospora pusilla, unilokuläres Sporangium. 5 Dies., plurilokuläres Sporangium. 6 Dies., Pflänzchen mit Monosporangien {ni) aus einer Monospore (vi) hervorgegangen. schwärmerbildenden Zellen liegen in einer Schicht mantelartig um den mittleren Hohlraum. Die austretenden Zellen haben ganz den Bau der Spermatozoiden bei anderen Phaeosporeen. (Kuckuck, Reinke). 4. Noch interessanter als die plurilokulären Sporangien sind diejenigen Organe, welche mit Sauvageau wohl am besten als Monosporen be- zeichnet werden. Sie sitzen bei Heterospora Vidovicchii und Akinetospora pusilla auf einem einzelligen Stiel den längeren Fäden seitlich an (Fig. 429, 174 IX. Phaeophyceae. /, 6), bei Haplospora globosa stehen sie am Ende wenigzelliger Seitenzweige, während sie bei Scaphospora (Fig. 430, 4, j) infolge einiger Längsteilungen des Fadens diesem halb eingesenkt erscheinen. Bei Tilopteris endlich (Fig. 430, 2) nehmen sie dieselbe Stellung ein wie die plurilokulären Sporangien. Besonders Kuckuck erklärte die Monosporen für Eier, während Sauvageau sie den Brutknospen der Sphacelarien an die Seite stellt. Nach Kylin würden sich diese Auffassungen im gewissen Sinne vereinigen lassen. Fig. 430 n. Bornet u. Reinke. / Tilopteris MertetisU mit plurilokulären Sporangien. 2 Dies, mit Monosporen. 3 Haplospora globosa {Scaphospora speciosa), plurilokuläre Sporangien im Längsschnitt. 4, 5 Dies., Monosporen des „Scap/iosphora-Staämm^'^ 6, 7 Dies., Monosporen des „JIaplospora-Sts(dium&^'. Seine erst vor kurzem vorgetragene Auffassung leuchtet mir am meisten ein. Halten wir uns zunächst einmal an Haplospora, so ist seit Reinke, dem auch Brebner und Sauvageau zustimmten, kaum noch ein Zweifel, daß Haplospora und Scajjhospora zusammen gehören. Haplospora besitzt allein Monosporen, Scaphospora aber Antheridien und Monosporen. 5. Tilopteridales. ] 75 Während man nun bislang alle Monosporen für gleichwertig hielt, weist Kylin darauf hin, daß sie verschieden sein müssen. Die Monosporen der Haplospora enthalten vier Kerne, und treten mit einer festen Haut umhüllt aus, sie sind den Tetrasporen oder ähnlichen Organen an die Seite zu stellen, und demnach ist Haplospora die un- geschlechtliche Generation. Scaphospora dagegen (Fig. 430, j, ./, j) führt Antheridien und Oogonien. Die aus den großen Zellen austretenden Ge- bilde sind keine Monosporen, sondern Eier, sie sind nackt und besitzen nur einen zentral gelegenen Kern. Aus den Monosporangien der Tilopteris (Fig. 430, 2) sah Kuckuck nackte Zellen mit einem Kern austreten, sie gingen ziemlich rasch zu Grunde wie die großen Organe der Scaphospora nach Reinke. Das spricht auch dafür, daß wir es mit Eiern zu tun haben. Nun gibt es bei Tilo- pteris Exemplare, bei welchen die Antheridien und die nackte Zellen ent- leerenden Monosporangien auf demselben Individuum sitzen, daneben aber fanden sich andere, welche nur Monosporen besaßen. Letztere traten mit Membran umhüllt aus und waren mehrkernig. So darf man auch hier mit Kylin annehmen, daß die ersterwähnten Pflanzen die Gametophyten, die letzteren die Sporophyten sind. Vielleicht gehören Heterospora und Akinetospora ebenfalls in den gleichen Entwicklungskreis. Kylins Vermutungen müssen natürlich experimentell geprüft werden. Es wäre schon viel gewonnen, wenn man in den vierkernigen Monosporen eine Reduktionsteilung nachweisen könnte, wie Kylin annimmt. Nach allem würde man wohl mit Sauvageau annehmen müssen, daß die Tilopterideen, von den Ectocarpeen ausgehend, eine den Sphacelarien mehr weniger parallele Reihe bilden, welche speziell vielleicht durch Choristo- carpus-ähnliche Formen den ersteren genähert wird. Doch hier helfen kaum Hypothesen; hoffen wir, daß bald Tatsachen die großen Lücken aus- füllen, welche noch klaffen. 2. Choristocarpaceae. Choristocarpus tenellus wurde zwar vielfach in der Literatur er- wähnt, genaue Auskunft erhielten wir aber erst durch Kuckuck über die Alge. Sie kommt spärlich im Mittelmeer vor und gleicht im Habitus einem schwach verzweigten Ectocarpus. Die Fäden sind auch monosiphon gebaut wie bei jener Gattung, wachsen aber mit einer Scheitelzelle etwa wie Spha- cella und beherbergen auch wie diese zahlreiche Chromatophoren in den Gliederzellen (Fig. 431). Uni- und plurilokuläre Sporangien sind gefunden worden, und zwar bislang auf getrennten Individuen. Die unilokulären Sporangien entlassen relativ wenige große Zoosporen, welche im Bau denjenigen von Haplospora Vidovicchii in der Hauptsache gleichen. Mit den unilokulären Sporangien auf den gleichen Exemplaren (Fig. 431, /), gelegentlich auch ohne die ersteren, aber niemals mit plurilokulären Sporangien zusammen, finden sich ßrutknospen von etwa keulenförmigem Umriß (Fig. 431, 2). Dieselben sitzen auf einzelligem Stiel und sind selber ein- bis dreizellig, doch überwiegen zweizeilige Formen (Fig. 431, j). Als Inhalt führen die großen Zellen einen zentralen Kern, die üblichen Plasma- stränge und in diesen Chromatophoren usw. Die Brutknospen fallen, wie diejenigen der Sphacelariaceen, von ihren Stielen ab und keimen dann aus. In seiner Wachstumsweise und im Habitus hat Falkenbergs Disco- sporangium mancherlei Ähnlichkeiten mit Choristocarpus, es weicht aber 176 IX. Phaeophyceae. durch die seltsamen scheibigen, plurilokulären Sporangien wesentlich ab. Weitere Untersuchungen müssen wohl noch über die Stellung dieser Alge entscheiden. Pleurocladia lacustris, welches Kjellman noch hierher rechnet, ist nach den Untersuchungen von Klebahn und Wille zweifelsohne eine ge- wöhnliche Ectocarpee. Wohin die Choristocarpeen zu zählen sind, ist momentan wohl noch schwer zu sagen. Man sondert sie wohl am besten mit Kuckuck als kleine Familie ab. Das W^achstum durch eine Scheitelzelle erinnert unweigerlich an die Sphace- larien, und auch die Brutknospen weisen um so mehr auf diese hin, als die ersten Stufen einer Sphacelaria-Brutknospe, wie Kuckuck betont, zweifellos mit den gleichnamigen Organen der Choristocarpeen übereinstimmen. Andererseits haben die Zoosporen unver- kennbare Ähnlichkeit mit denjenigen der Tilopte- rideen. Immerhin scheinen mir die Ähnlichkeiten mit den Sphacelarien größer zu sein, und ich wäre geneigt, die Choristocarpeen der Sphacella zu nähern, und zwar um so mehr, als die uni- lokulären Sporangien dieser fast genau die gleiche Stellung und Anordnung haben wie die Brut- knospen des Choristocarpus. Kylin will neuer- dings die Pflanze den Sphacelariaceen vollends einreihen. Damit käme man dann wieder darauf, die Fruchtäste und die Brutknospen zu parallelisieren und von neuem die Frage nach dem Ersatz der unilokulären Sporangien durch Brutknospen zu diskutieren, welche schon für die Sphacelarien angeregt wurde. Auch hier, das sei nochmals betont, wurden bislang zwar uni-, nicht aber plurilokuläre Sporangien mit den Brutknospen zusammen (auf gleichem Individuum) gefunden. Fig. 431. Choristocarpus te- nellus Zan. n. KuCKUCK. / Faden mit Brutknospe und unilokulären Sporangien. 2, j Brutknospen. Literatur. Bornet, E., Les Algues de P.-R.-A. Schousboe. M^m. de la soc. des sc. nat. de Cherbourg 1892. 3. ser. 8, 165. Brebner, G., On the Classification of the Tilopteridaceae. Bristol Naturalists soc. proc. 1896/97. 8. Falkenberg, P., Über Discosporangium, ein neues Phaeo- sporeengenus. Mitt. d. zool. Stat. Neapel 1879. 1, 54. Kjellman, F. R., Bidrag tili kännedomen om Skandinaviens Ectocarpeer och Tilopterideer. Diss. Upsala 1872. Kuckuck, P., Üb. Schwärmsporenbildung bei d. Tilopterideen u. üb, Choristocarpus tenellus Kütz. Zanard. Pringsh. Jahrb. 28, 290. Kylin, H., Über die Entwicklungsgeschichte und. die systematische Stellung der Tilo- pterideen. Ber. d. deutsch, bot. Ges. 1917. 35, 298—311. Reinke, J., Fragment aus d. Naturgeschichte d. Tilopterideen. Bot. Ztg. 1889. 47, IUI. Sauvageau, C, Les Acinetospora et la sexualit^ des Tilopteridac^es. Journ. de Bot. 1899. 13, 107—127. 6. Dictyotales. 177 6. Dictyotales. Dictyotaceae. Die Vertreter dieser Familie bewerkstelligen die ungeschlechtliche Fortpflanzung durch unbewegliche nackte Sporen, welche zu viert im Spor- angium entstehen (Tetrasporen). Geschlechtliche Vermehrung durch Eier und Spermatozoiden. Die Tetrasporen stehen auf besonderen Individuen, welche aber den Geschlechtspflanzen völlig gleichen. Als Typus der Gruppe wird gewöhnlich Dictyota dichotoma be- trachtet, eine Pflanze von 10—20 cm Größe, deren bandförmige Sprosse alle in einer Ebene dichotom verzweigt sind (Fig. 432). Taonia atomaria hat einen ähnlichen Wuchs, ist aber mehr polytom zerschlitzt, Padina Pavonia — „Orecchio di mare" — bildet flache, blattartig-fächerförmige Sprosse, welche meist mehr oder weniger trichterförmig zusammengerollt sind (Fig. 433, 2), Dictyopteris (Haliseris) endlich hat in einigen Spezies eine derartige Ähnlichkeit mit Fucus-Arten, daß Anfänger und „Fort- geschrittene" sie bei flüchtiger Betrachtung mit diesem Tang verwechselten (Fig. 434). Die Dictyotaceen sind Bewohner aller wärmeren Meere und als solche z. B. im Mittelmeer ungemein häufig; einzelne Arten dringen weiter nach Norden vor, so wird Taonia noch an den englischen Küsten gefunden, und Dictyota dichotoma ist bis Skandinavien gewandert, bei Helgoland trifft man sie daher noch reichlich. Die Dictyotaceenvegetation gedeiht mit Vorliebe wenige Meter unter der Oberfläche, doch sind viele Formen gegen Lichtdifferenzen sehr un- empfindlich, deshalb geht z. B. Dictyota bei Neapel weit in schattige Grotten hinein und steigt auch in nennenswerte Tiefen hinab. Unsere Kenntnis der Gruppe gründet sich wesentlich auf die Arbeiten von Nägeli, Thuret, Cohn, Reinke, Williams, Hoyt, Sauvageau: systematische Bearbeitungen gaben Agardh, Vinassa u. a. a) Vegetationsorgane. Die ursprünglich nackten Aplano- und Oosporen der Dictyota dicho- toma umgeben sich mit Membran und wachsen bald zu zylindrisch-keulen- förmigen Keimlingen heran (Fig. 432, 2). Die letzteren bilden durch seit- liche Verzweigung runde Äste, und zwischen solche können nach Reinke noch nachträglich andere adventiv eingeschoben werden. Da einzelne dieser Äste sich zu langen, horizontalen Ausläufern entwickeln, entsteht ein Rhizom. Das Ganze wird durch meist büschelig gestellte Wurzelhaare am Substrat befestigt. Die Rundtriebe gehen später an ihren Spitzen in die bandförmigen, langen P'lachsprosse über, welche sich dichotom in einer Ebene verzweigen (Fig. 432, /), evtl. auch Adventiväste bilden. Die Rundsprosse bauen sich aus einer axilen Reihe großer, wenig gefärbter Zellen auf, welche von einem einschichtigen Mantel kleiner, chro- matophorenreicher Rindenzellen umgeben werden (Fig. 432, 7). Die Flach- sprosse sind analog gebaut: eine mittlere, großzellige Schicht (Fig. 432,.^ 435), nur aus einer Zellage bestehend, wird beiderseits von kleinzelliger Rinde bedeckt, welche natürlich an den Rändern der Bänder zusammenschließt. Man wird kaum fehl gehen, wenn man mit Hansen die Rinde als Assi- milationsgewebe, die Mittelschicht als Speicherzellen auffaßt. Oltmanns, Morphologie u. Biologie d. Algen. 2. Aufl. IL 12 178 IX. Phaeophyceae. Rund- und Flachsprosse wachsen mit einer charakteristischen Scheitel- zelle, wie das für die ersteren Cohn, für die letzteren Nägeli beschrieb. An den runden Trieben gliedert die Scheitelzelle durch einfache Quer- wände scheibenförmige Segmente ab (Fig. 4o2, 2) und diese zerfallen durch vier exzentrische Längswände in eine große zentrale und vier periphere Zellen (Fig. 432, 7), welche letzteren dann in viele kleinere zerlegt werden. Die Scheitelzelle der Flachsprosse (Fig. 432, 6) gleicht, von der Fläche derselben betrachtet, einer bikonvexen Linse, sie gliedert durch uhrglas- förmige Wände ein Segment nach dem andern ab; die Segmente zerfallen zunächst durch eine mittlere Längswand (Fig. 432, j), um sich dann, Fig. 432. Dictyota dichotoma n. Thueet, Cohn u. Präp. Grüber. / Habitusbild. 2 Keim- ling n. Cohn. 3 Sproßscheitel von der Fläche. 4 Ders. im Längsschnitt. 5 Sproß- scheitel mit beginnender Dichotomierung. 6 Ders. schwach vergrößert. 7 Querschnitt eines Keimlings. wenigstens oberflächlich, in zahlreiche Zellen zu zerlegen. Ein axiler Längs- schnitt senkrecht zur Fläche des Laubes zeigt ein Bild der Scheitelzelle (Fig. 432, 4), wie es ähnlich auch von einem Rundtrieb erhalten werden könnte. Man sieht leicht, daß auch hier durch exzentrische Längswände die beiden Rindenschichten vom Mittelkörper abgetrennt werden. Die dichotome Verzweigung (Fig. 432, 6) der Bänder beginnt mit der Bildung einer axilen Längswand (senkrecht zur Laubfläche) in der Scheitel- zelle selber (Fig. 432, 5). Nachdem die beiden Hälften sich etwas ver- größert haben, entsteht in jeder eine uhrglasförmige Wand, welche ein wenig schräg auswärts gerichtet ist (Fig. 432, 5). So sind zwei neue 6. Dictyotales. 179 Scheitelzellen konstituiert, mit deren Hilfe nun zwei divergierende Sprosse erzeugt werden. Nach Reinke bleiben die am Rande der Flachsprosse liegenden Teile der Segmente relativ lange teilungsfähig; aus ihnen können bisweilen recht zahlreiche Adventiväste hervorgehen. Vereinzelt entstehen sie auch aus der Fläche des Thallus; alles das besonders nach Verletzungen der Haupt- sprosse. Padina Pavonia hat auf jugendlichen Stadien etwa das Aussehen der Fig. 433, /. Der untere Teil des Pflänzchens liegt dem Substrat auf Fig. 433. Padina Pavonia. Orig. n. Präp. Gruber. / junge, 2 halberwachsene Pflanze. 2 Schnitt durch den gerollten Scheitel. 4 Dass. stärker vergrößert. 5 Schnitt durch die Haai'leiste und Sorus. 6 Keimling n. Reinke. v Randzelle, s Segment, su untere, ro obere Rinde, cic Cuticulaähnliche Lamelle, sp Sporangien. und ist diesem mit Rhizoiden angeheftet, der spateiförmige Hauptsproß aber erhebt sich fast senkrecht von demselben. In der Figur konnte das nicht wohl zum Ausdruck gebracht werden. Vom Hauptsproß gehen seitliche Achsen aus, welche ebenfalls mit ihren basalen Regionen angeheftet, mit dem Oberteil aber frei sind (Fig. 433, /). Alle aufstrebenden Sprosse sind anfänglich rund, verbreitern sich aber später an ihrer Spitze zu den breiten fächerförmigen Körpern, von denen wir schon oben sprachen (Fig. 433, 2). 12* 130 IX. Phaeophyceae. Da die ältesten Fächersprosse auch noch ziemlich weit nach oben (Fig. 433, 2) nicht wenige Seitenglieder erzeugen, welche nicht mehr am Substrat haften, so entsteht ein einigermaßen kompliziertes System von Flachsprossen. Das aber, was wir eben schilderten, stellt noch nicht die ganze Pflanze dar; nach Reinke nämlich liefern die Keime der Padina durch scheinbar regellose Teilungen einen kugeligen bis birnförmigen Körper, welcher sich am Substrat festheftet. Von diesem Zentralknoten wölben sich einzelne Zellen vor und entwickeln sukzessive eine Anzahl Sprosse, welche mit der Basis dem Substrat aufliegen und sich früher oder später aufrichten (Fig. 433, 6). Verstehe ich Reinke recht, so wäre der in Fig. 433, / wiedergegebene einer von diesen Sprossen. Will man die Befunde deuten, so müßte man den Zentralknoten wohl als reduzierte primäre Achse der Pflanze auffassen, die großen breiten Gebilde als deren Seitenachsen. Solche Dinge sind ja für Aglaozonia be- reits beschrieben, wir werden ähnlichen Erscheinungen bei Placophora, Pollexfenia, Leveillea usw. noch wiedet begegnen. Die jungen, gerundeten Sprosse der Padina besitzen eine Scheitelzelle nach dem Muster der Dictyota. Solche bleibt bis zu dem Augenblick in Tätigkeit, in welchem die Verbreiterung des Thallus beginnt; dann wird sie durch einige Längswände zerlegt, und ihre Produkte bilden eine sog. Scheitelkante, will sagen eine Reihe teilungsfähiger Zellen, welche durch Vermehrung in radialer und tangentialer Richtung erst die Spatel-, dann die Fächerform liefert. Die Scheitelkante bleibt aber nicht flach, sondern infolge gesteigerten Wachstums auf der Oberseite (welches nach Bitter durch das Licht indu- ziert wird) rollt sie sich bald nach ihrer Entstehung mantelartig ein. Dann gewähren Radialschnitte durch den Rand das Bild der Fig. 433, j, welches lebhaft an Farnblätter erinnert. Die von den Randzellen abgeschiedenen Segmente werden nach Nägeli durch eine Wand parallel zur Fläche zer- legt, jedoch ist dieselbe ein wenig exzentrisch nach außen (oben) verschoben (Fig. 433, 4). Damit ist zunächst die Rinde der Oberseite [ro Fig. 433, j) gegeben, diejenige der Unterseite {sn Fig. 433, j) wird erst viel später ab- getrennt und schließlich kann auch die mittlere Zellschicht in zwei oder mehr Lagen zerfallen. Taonia Atomaria bildet ebenfalls zunächst einen Zentralknoten. Die aus ihm hervorgehenden Sprosse, welche übrigens kein ausgeprägtes Rhi- zom bilden, zeigen nur für ganz kurze Zeit eine Scheitelzelle; sie verbrei- tern sich nach wenigen Teilungen derselben und erhalten damit sofort eine Scheitelkante, in der sich das übliche Randwachstum vollzieht, nicht selten mit dem Unterschiede, daß die Initialen durch schräg gestellte Wände keil- förmig erscheinen. Die Gabelung oder mehrfache Zerspaltung des flachen Sprosses erfolgt einfach dadurch, daß einzelne Gruppen von Initialen im W^achstum dauernd gehemmt werden. Der Zentralteil des erwachsenen Thallus ist hier mehrschichtig. Haliseris (Dictyopteris) polypodioides (Fig. 434) endlich zeigt an den Keimlingen wieder einen „Zentralknoten" mit rhizomartigen Bildungen (Fig. 434, 2). Dem Knoten entspringen in verschiedener Form die eigent- lichen Sprosse, die schon sehr zeitig eine flächenförmige Verbreiterung auf- weisen (Fig. 4;)4, 2). In unserem Fall ist aber nicht das ül)liche Randwachs- tum zu verzeichnen, sondern es finden sich, wie Reinke und Kny zeigten, und wie auch Ed. Gruber wieder beobachtete, über dem Ende der Mittel- rippe einige wenige Zellen (Fig. 434, j), welche man gewöhnlich als Ini- tialen bezeichnet. Sie sind durch ihren Inhalt alsbald kenntlich, und sie 6. Dictyotales. 181 liegen in einer einfachen Reihe, wie aus einer Scheitelansicht (Fig. 434, ^) leicht zu ersehen ist. Ich glaube, man könnte hier noch besser von Scheitel- zellen reden, denn eine einfache Überlegung zeigt, daß die mit i und i' bezeichneten Elemente die ganz bevorzugt teilungsfähigen sein müssen. Damit nähert sich die Sache wesentlich den Erscheinungen, die wir für Fucus und Hormosira zu beschreiben haben werden, und an diese Tange erinnert auch der anatomische Aufbau von Haliseris. Die zwei- schichtige Laubfläche geht in der Mitte in die mehrschichtige Mittelrippe über und diese läßt einen zentralen Teil nebst Rinde leicht erkennen. Auch ein sekundäres Dickenwachstum ist wie bei Fucus an der Basis der Fig. 434. Haliseris polypodioides. i Habitusbild, Orig. 2 Keimpflanze n. Reinke. 3 Scheitel von der Fläche gesehen n. dems. 4 Ders. von oben; Präp. Gruber. /, /' Initialen. Sprosse nachzuweisen; nach Johnson spielt es sich ebenso ab wie bei jener Gattung (s. unten). Die meisten Dictyotaceen bilden farblose oder doch nur schwach ge- färbte Haare („Sproßfäden"), welche sich, wie in so vielen Fällen, mit der Beleuchtung vermehren resp. vermindern. Dictyota und Haliseris haben Haarbüschel, welche mehr oder weniger regelmäßig über den Thallus verteilt sind; bei Padina und Taonia dagegen finden sich Querbinden (Fig. 433), welche dem wachsenden Rand annähernd 182 I^- Piiaeophj'ceae. parallel verlaufen: Die Haarbänder korrespondieren auf Ober- und Unter- seite nicht, sondern alternieren miteinander, sie sind auch meist verschieden entwickelt; die Oberseite pflegt auf Grund stärkerer Beleuchtung bevorzugt zu sein. Nach Bitter können bei Padina infolge von Kontakt an Stelle der Haare Rhizoiden auftreten, die ja in den unteren Regionen ohnehin reich- lich gegeben sind. Die Haare entstehen als Auswüchse größerer Rindenzellgruppen (Fig. 433, j, 5), und schon Nägeli schildert, wie bei der radialen Streckung der jungen Haare die äußerste Schicht der Mutterzellmembran Cuticula- ähnlich abgehoben wird (Fig. 433, j, 5, cu). Auch ein Teil der Wandungen, welche die Haare produzierenden Rindenzellen trennten, bleibt in Gestalt dünner Leisten resp. Lamellen an der Cuticula hängen. Die Zellen der Dictyotaceen haben, soweit bekannt, normale, ge- tüpfelte Wände, welche bei Padina besonders auf der Oberseite mit Kalk mehr oder weniger inkrustiert werden. Im Zentrum der großen Mittelzellen findet sich der Zellkern umgeben von Plasma, das nach allen Richtungen Strahlen gegen den Wandbelag sendet (Fig. 435, /, 2). Die Chromatophoren sind zahlreich, klein, linsenförmig. Nach den Angaben von Hansen sind sie gegen Alkohol empfindlich, sie zerfließen in demselben. Daß diese Organe besonders in den Rindenzellen liegen, bedarf wohl kaum der Er- wähnung. Ihre Produkte sind ölartige Substanzen; darüber vergleiche man das Kapitel Assimilation. Auch über die Kernteilungen und über Centrosomen wolle man den entsprechenden Abschnitt im allgemeinen Teile nachlesen. Mottier unter- suchte das. b) Fortpflanzung. Als Fortpflanzungsorgane kommen in Betracht: Aplanosporen (Tetra-, Octosporen), Oogonien und Antheridien. Zur Bildung der Aplanosporen wölben sich Rindenzellen unter Füllung mit dichten Plasmamassen über die Oberfläche der Sprosse vor. Geschieht das von mehreren benachbarten Zellen gleichzeitig, so wird auch eine „Cuticula" abgehoben, wie bei der Haarbildung. Die vorgewölbte große Zelle gliedert nach unten eine inhaltsarme Basalzelle ab, welche in der Kontinuität der Rinde verbleibt (Fig. 435, /), sie selbst aber teilt sich bei den meisten Gattungen in 4, bei Zonaria in 8 Tochterzellen. Zonaria variegata bildet nach Sauvageau an den Küsten von Teneriffa im Dezember und Januar 4, im Februar 8 Sporen in den Sporangien. Wo 4 Sporen ge- bildet werden, liegen diese genau so wie die Tetrasporen der Florideen (Fig. 435, j), welche als cruciatim divisae bezeichnet werden (s. später). Hier wie dort wird dann auch an dieser Stelle eine Reduktionsteilung voll- zogen, welche Williams und Mottier eingehend beschrieben. Die Kern- teilung, welche der Abtrennung der Basalzelle voraufgehrt, ist eine normale und zeigt 32 Chromosomen. Die erste Mitose aber, welche sich im jungen Sporangium vollzieht, ist eine heterotypische; in ihrem Gefolge treten 16 Chromosomen auf und solche sind natürlich auch der fertigen Spore eigen. Die Sporen werden nicht durch Membranen von einander getrennt und im nackten Zustand verlassen sie auch durch einen Riß oder eine Öffnung die Mutterzelle, um direkt, ohne Eigenbewegung zu keimen. Bitter u. a. sahen eine Keimung bereits im Sporangium. Diese letzteren stehen bei allen bekannten Arten auf besonderen Pflanzen und solche zeigen bei allen Teilungen 32 Chromosomen bis zu dem Beginn der Sporenbildung. 6. Dictyotales. 183 Bei Dictyota sind die Sporangien über beide Seiten der Laubfläclie zerstreut, bei Padina dagegen entwickeln sie sich in der Regel nur auf der Unterseite, und zwar im Anschluß an die Haarleisten (Fig. 433, 5) derart, daß zu beiden Seiten einer solchen Sporangien entstehen. Da die Haare häufig — nicht immer — während der Sporangienbildung zugrunde gehen, werden auch äußerlich die sporenbildenden Zonen als braune Doppellinien sichtbar (Fig* 433, 2). Bei Taonia Atomaria ist wieder der Anschluß an die X^ r^'A^'i Fig. 435. Dictyotadichotoma n. ThuEET. 1—3 Thallusquerschnitte, / mit Spo- rangien, 2 mit weiblichem, 3 mit männ- lichem Sorus. 4 Spermatozoiden n. Williams. 5 Ei im Moment der Be- fruchtung n. Williams. Haarleisten zu erkennen. Sie stehen hier auf beiden Thallusflächen, und da die Haarlinien vielfach zickzackartig verlaufen, geschieht das Gleiche mit den Sporangienlinien. Doch kommen auch Sporangien über die Thallus- fläche unregelmäßig zerstreut vor. Prinzipiell in gleicher Weise bildet Halopteris die Sporangien in kreis- förmigen Zonen um die Haarbüschel, deren Orientierung wir oben schil- derten. Für Zonaria gilt in der Hauptsache dasselbe. X84 I^- Ptaeophyceae. Die Sexualorgane sind wieder bei Dictyota am besten (durch Thuret und Williams) untersucht. Oogonien und Antheridien stehen bei dieser Gattung auf verschiedenen Individuen. Die Oogonien sitzen in Haufen (Sori) beisammen (Fig. 435 2). Zwecks Bihlung derselben wölben sich Gruppen von Rindenzellen weit vor, erhalten dichten, dunkelbraunen Inhalt und gliedern schließlich nach unten (innen) eine Basalzelle ab (Fig. 435, 2). Die Antheridien entstehen ebenso, doch bleiben die äußersten Zellen eines Sorus steril und bilden, wie aus Fig. 435 j leicht ersichtlich, eine becher- artige Hülle um die eigentlichen Antheridien. Diese besitzen eine Basal- zelle wie die Oogonien, stellen aber ihrerseits ein plurilokuläres Sporangium mit sehr zahlreichen und ungemein regelmäßigen Fächern dar (Fig. 435, j), welche nur noch sehr schwach gefärbt sind: die Chromatophoren sind offenbar sehr stark reduziert. Oogonien- wie Antheridienhaufen sind noch von der Cuticula-ähnlichen Membran Schicht des Muttersprosses überzogen. Bei der Bildung der Sexualorgane finden nur normale Mitosen statt, die Zahl der Chromosomen ist stets 16, genau wie in der ganzen Pflanze, welche die Geschlechtszellen produziert. Padina Pavonia ist im Gegensatze zu Dictyota einhäusig. Die Oogo- nien bilden wieder, wie die Sporangien, konzentrische Doppelbänder auf der Unterseite der Sprosse neben den Haarleisten, die Antheridien dagegen treten in radiären Reihen, welche die Oogonialzonen markstrahlähnlich durch- setzen, auf den Fächersprossen auf. Die Entstehung der zweierlei Organe stimmt im Prinzip mit derjenigen bei Dictyota überein. Die Oogonien bilden außer der Basalzelle noch eine zweite Stielzelle, Reinke nennt sie nicht unzweckmäßig Ersatzzelle, weil aus ihr nach Entleerung des alten ein neues Oogon hervorgehen kann. Antheridien (Sauvageau) und Oogonien der Taonia Atomaria bilden Dictyota-ähnliche Sori auf beiden Seiten der Sprosse; solche aber schließen sich in ihrer Entstehung vielfach an die Haarleisten an, speziell weibliche Sori aber fand Reinke auch zerstreut auf der Laubfläche ohne Zusammen- hang mit den Haarbildungen. Haliseris zeigt einzeln stehende Oogonien über die Thallusfläche zerstreut, daneben, nach Johnson, ziemlich tief ein- gesenkte Antheridialsori, besonders in der Nähe der Mittelrippe. Bezüglich mehrerer der erwähnten Gattungen sei daran erinnert, daß die Fortpflanzungsorgane in ihrer Stellung denen von Encoeheen (S. 111) ähneln. Nach mancherlei Irrfahrten älterer Beobachter hat Williams die Befruchtungsvorgänge der Dictyotaceen im wesentlichen geklärt. Nach ihm wie nach Hoyt und Lewis werden die Oogonien und Antheridien periodisch entleert, und zwar etwa alle 14 Tage in Zusammenhang mit den Spring- und Nipptiden. Einige Arten machen freilich wohl eine Ausnahme. Die Eizellen (Fig. 435, 5) sind große nackte Zellen, auf diese stürzen sich oft in ungeheurer Menge, wohl chemisch angezogen, die Spermatozoiden (Fig. 435, j) welche einen großen Kern besitzen, seitlich den roten Augen- fleck und an diesem eine nach vorn gerichtete Geißel führen. Williams vermutet, das noch eine zweite, ganz kurze, nach rückwärts gerichtete, zu finden sein werde. Die Bewegung wird durch ausgelöst. Die Befruchtung geht in normaler Weise vor sich. Der Spermakern durchdringt das Plasma und vereinigt sich mit dem Kern des Eies in der üblichen Weise. Der Bau des letzteren ist aus der Fig. 435, 5 ohne weiteres zu ersehen. Schon 9—10 Stunden nach der Befruchtung beginnt der Kern der Zygote sich zu teilen und damit wird die Entwicklung des 6. Dictyotales. 185 Keimlings, der naturgeuiäß mit 32 Chromosomen diploid ist, in die Wege geleitet. Williams vermißte nicht selten die Befruchtung der Eier. Diese können sich trotzdem bis zu einem gewissen Grade weiter entwickeln. Weit freilich kommen die parthenogenetischen Keimlinge nicht, auch die Kern- teilungen in ihnen sind unregelmäßig. Die Pflanzen welche aus den Zygoten hervorgehen, gleichen ganz und gar denjenigen, welche von den Aplanosporen aus gebildet werden; nur sind sie verschieden in ihren Produkten. Aus den Zygoten kommen un- geschlechtliche Individuen, aus den Aplanosporen geschlechtliche, erstere sind diploid, letztere haploid, die Reduktion findet bei der Sporenbildung statt, d. h. Abschluß der ungeschlechtlichen Pflanze. Man hat daraus auf einen Generationswechsel wie bei Moosen und Farnen geschlossen, nur mit dem Unterschiede, daß Sporophyt und Gametophyt einander äußerlich völlig gleichen. Mit dieser Auffassung stimmen Hoyts Befunde überein. Er erzog aus den Sporen nur Geschlechtspflanzen und aus den Zygoten nur ungeschlechtliche. Die Beobachtungen im Freien stimmen damit freilich nicht ganz über- ein. Williams wie 'Sauvageau fanden an ganz verschiedenen Orten viel mehr Tetrasporen als Geschlechtspflanzen, ja letztere waren bisweilen kaum nachzuweisen. Wie sich diese Widersprüche aufklären werden, bleibt abzuwarten; ich nehme einstweilen an, daß beide Beobachtungen richtig sind. Über eine Anzahl von Gattungen, die man fast nur aus den Herbarien kennt, geben Agardh, Kützing, Kjellman (natürl. Pflanzenfamilien) Auskunft. Spatoglossum und Stoechospermum scheinen sich an Taonia anzu- schließen, sie wachsen bei dichotomer Verzweigung mit Scheitelkante. Bei Spato- glossum sind die Fortpflanzungsorgane über den Thallus zerstreut, bei Stoecho- spermum stehen lange Sori den Thallusrändern in zwei Reihen parallel. In den Soris scheinen neben den Oogonien usw. sterile Fäden vorzukommen. Glossophora ähnelt Dictyota, die Fortpflanzungsorgane aber stehen auf zungenförmigen Papillen, welche sich über die Thallusfläche erheben. Zonaria (s. auch Richards) bildet teils krusten förmige Gestalten (fast wie Aglaozonia), teils aufrechte Lappen mit Mittelrippe. Der aufrechte Sproß kann mehr oder weniger zerteilt sein und fällt dadurch auf, daß er massenhaft Rhizoiden bildet, welche abwärts wachsend die älteren Teile dicht einhüllen. Lobospira endlich wächst mit Scheitelzelle, bildet aber Sympodien. Die unteren Achsen werden durch Dickenwachstum stielrund und die seitwärts ge- drängten Spitzen rollen sich in den unteren Regionen rankenartig ein. Literatur. Agardh, J. G., Till Algernes Systematik. Nya Bidrag. II. Zonaria. Lund's Univers. Ärs- skrifter. 1872. 9. V. Dictyoteae. Ebenda, 1881/82. 17. — , Analecta algologica Cont. I. Act. univers. Lundens. 1892/93. 29. Bitter, G., Zur Anatomie und Physiologie von Padina Pavonia. Bar. d. deutsch, bot. Ges. J 899. 17, 255. CoHX, F., fjber einige Algen von Helgoland. 1865. Rabenhorst's Beitr. Heft 2. Hansen, Ad., Über Stoffbildung bei den Meeresalgen. Mitt. der zcol. Station Neapel 1893. 11, 255. 186 IX. Phaeophyceae. HoYT, W. D., Alternation of generations and sexualitj' in Dictyota dicbotonia. Bot. Gaz. 1910. 49, 55. — , Periodicity in the production of the sexual cells of Dictyota dichotoma. Ebenda 1907. 43, 383. Johnson, Th., On the systematic position of the Dictyotaceae with special reference to the genus Dictyopteris Laniour. Journ. Linn. Soc. J889. 27, 463. Kny, L., Über echte und falsche Dichotomie. Sitz. ßer. d. Ges. naturf. Freunde zu Berlin. Bot. Ztg. 1872. 30, 691. Lewis, J. F., Periodicity in Dictyota at Naples. Bot. Gaz. 1910. 50, 59. MOTTIER, D. M., Nuclear and Cell Division of Dictyota dichotoma. Ann. of bot. 1900. 14, 163—193. Nägeli, C, Neuere Algensysteme. Zürich. 1847. Reinke, J., Entwicklungsgeschicbtl. Unters, üb. d. Dictyotaceen des Golfs von Neapel. Nova Acta Leopold. 1878. 50. — , Ein paar Bemerkungen über das Scheitelwachstum bei Dictyotaceen und Fucaceen. Bot. Ztg. 1877. 35. — Rostafinski, Erwiderung. Bot. Ztg. 1877. 35. Richards, H. M., Notes on Zonaria variegata Lam. Proc. Am. Acad. Arts a. Sc. Boston 1890. 25, 83. Sauvageau, C, Sur les antheridies du Taonia atomaria. Journ. de bot. 1897. 11, 86. — , Observations sur quelques Dictyotacees et sur un Aglaozonia nouveau. Bull. stat. zool. d' Arcachon 1904/5. 7, 1. Thuret, G., Rech, sur la fecondation des Fucacees et les antheridies des algues. Ann. des sc. nat. bot. 1855. 4 ser. 3. — , Etudes phycologiques 1878. ViNASSA DE Regny, P. E., Le Dictiote mediterranee. Atti Soc. Tose. Pisa. Proc. verb. 1892. 8, 98. Williams, J. Lloyd, Mobility of antherozoids of Dictyota and Taonia. Journ. of bot. 1897, 361. — , Reproduction in Dictyota dichotoma. Annais of Bot. 1898. 12, 560. — , Studies in Dictyotaceae. Ebenda, 1904. 18, 141, 183. Ebenda, 1905. 19, 531. 7. Fucales. Die Geschlechtsorgane sitzen in flaschenförinigen Vertiefungen der Rinde (Konzeptakehij. Eier und Sperniatozoiden. Ungeschlechthche Ver- mehrung fehlt. I. Durvilleaceae. Abweichend von älteren Gepflogenheiten versuche ich mit Skotts- BERG u. a. die Durvillea und ihre Verwandten von den Fucaceen los- zulösen. Sie mögen einen Übergang von den Laminaiiaceen zu den Fuca- ceen bilden. Durvillea, in welche Gattung ich. hier mit Kjellman u. a. Sarco- phycus einschließe, besitzt Laminaria-ähnlichen Habitus und Laminaria-gleiche Dimensionen. Sie kommen mit diesen gemengt an den Küsten Feuerlands und Patagoniens vor, kehren aber auch in den australischen Gewässern usw. wieder. Eine groIBe Haftscheibe, welche nach Meyen bis 5 Zoll breit wird, trägt einen Stiel, welcher oben in eine bald mehr, bald weniger tief fingerförmig geteilte Spreite (Fig. 436) übergeht, deren Finger z. B. bei D. utilis aufgeblasen-gerundet sind. Man würde nun auch ein Laminarien- ähnliches Wachstum mit interkalarem Vegetationspunkt und event. Laub- wechsel annehmen. Indes ist von letzterem nichts bekannt und Graben- dürfer zeigte, daß die Pflanze überall gleichmäßig, durch einfache Teilung der Rindenzellen zu wachsen vermag, daß ein interkalarer Vegetationspunkt ebenso fehlt wie eine Scheitelzelle. Demgemäß müssen auch die Lappen ganz anders als bei den Laminarien entstehen; sie sind tatsächlich einfache lokale 7. Fucales. 187 Auswüchse und entstehen am Rande des „Blattes" als Zäpfchen, die sich besonders an ihrer Spitze verlängern, freilich ohne daß auch hier ein be- stimmter Vegetationspunkt sichtbar wird. Nach allem ist also Durvillea eine Parallelbildung zur Laminaria, deren Aufbau aber eine Verwandtschaft nicht zu dokumentieren vermag. Über die ganze Laubfläche sind Konzeptakeln verteilt, welche denen der sogleich zu besprechenden Fucaceen durchaus ähnlich gebaut sind. In diesen finden sich die Antheridien und Oogonien, welche denen der Fucaceen in vieler Bezeichnung gleichen, doch sitzen die Oogonien auf verzweigten Fäden (Fig. 437), sie liefern je 4 Eier. Vielleicht muß hierher Himantothallus und auch Ascoseira gerechnet werden. Skottsberg beschrieb sie, soweit das sein Material zuließ. Fig. 436. Dtirvülea n. GRABEN- Fig. 437. Durvillea. Oogonien n. Skottsbesg und DÖRFER. WhITTING. 2. Fucaceae. Die Fucaceen bilden meistens stattliche Formen mit festem Gewebe, welches eine assimilierende Rinde, einen Zentralkörper und zahlreiche Festigungshyphen erkennen läßt. Letztere durchwachsen besonders die unteren Regionen der Sprosse und bilden das Haftorgan, welches entweder scheibenförmig oder krallenartig gestaltet ist. Das Hauptmerkmal der Fucaceen sind die Konzeptakeln (Scaphidien), d. h. flaschenförmige Vertiefungen der Oberfläche, welche nur mit enger Mündung auswärts endigen (Fig. 454). Sie erzeugen fast sitzende Oogo- nien und auf gleichen oder getrennten Individuen verzweigte Haarbüschel (Fig. 454) mit Antheridien. In systematischer Richtung haben Agardh, Areschoug, Harvey, Hooker, Kützing, Postels und Ruprecht, de Toni, Savageau und viele Floristen unsere Gruppe bearbeitet. Das Wichtigste über Fortpflanzung und Entwickelungsgeschichte ist in den Arbeiten von Thuret und Oltmanns enthalten; ihnen reihen sich an Valiante, Gruber, Rostafinski, Farmer und Williams, Strasburger, Yamanouchi, Nienburg, Gardner und viele andere, die wir später nennen, ohne damit hier ihre Mitarbeit am Ganzen leugnen zu wollen. IS8 IX- Phaeophyceae. Die Fucaceen bilden in fast allen Meeren waki- oder buschartige Be- stände; neben den Laminarien stellen sie, besonders in nordischen Regionen, die Hauptmasse der Algen, welche der ganzen Vegetation das Gepräge auf- drückt. Die Fucaceen lieben die Oberfläche. Wo Ebbe und Flut wechseln, wo nur irgend festes Substrat einen Ankerplatz gewährt, erscheinen die charakteristischen Fucaceengürtel, welche bei Niedrigwasser frei liegen. In dieser Weise tritt Fucus selber in der Nordsee und an fast allen atlantischen Küsten auf; zu ihm gesellen sich vielfach Ascophyllum, Hinianthalia, Pel- vetia u. a. Letztere steigt gern über die höchste Wassermarke empor und lebt von Spritz \vasser. Schon im Norden zeigt Halidrys Neigung in etwas größerer Tiefe, vom Wechsel der Gezeiten wenig berühit, Einzelbüsche zu bilden. Sie teilt diese Eigenart mit ihren südlicheren Vettern Cystosira, Sargassum u. a. Tatsächlich kommt wohl kaum irgendwo in tropischen und subtropischen Meeren ein Fucaceengürtel zustande, immer sind es, wie im Mittelmeer, lockere Bestände einzelner stark buschiger Pflanzen, welche dem Beschauer entgegentreten. Wie die fucaceenreichen australischen, neuseeländischen usw. Küsten sich in dieser Beziehung verhalten, übersehe ich nicht ganz; sicher ist nur, daß dort eine relativ große Zahl verschiedener Gattungen in mannigfaltiger Ausgestaltung auftritt, so: Hormosira, Notheia, Scaberia, Cystophora, Margi- naria, Scytothalia, Seiroccocus usw. Alle Fucaceen bewohnen das Meer, in reinem Süßwasser finden sie sich nicht, wohl aber wandern sie in das Brackwasser ziemlich weit ein. Beherbergt doch die salzarme östliche Ostsee immer noch Fucus vesiculosus, allerdings nicht selten in sehr zarten Standortsformen. Daß so große, schwimmfähige Algen durch Strömungen verschleppt werden, ist kein Wunder, so sehen wir z. B. Ascophyllum nodosum in die Ostsee vertrieben und dann in der seltsamen forma scorpioides auftreten, deren Vorkommen Reinke geschildert hat. Die abgerissenen Stücke liegen, ohne sich festzusetzen, auf dem Boden stiller Buchten und vermehren sich rein vegativ nur durch Zerbrechen und nachfolgendes Wachstum. Ab gerissene und vom Strome fortgeführte Sprosse von Sargassum bevölkern das Sargassomeer, von welchem später noch die Rede sein soll. Hier sei nur bemej'kt, daß auch an diesen Pflanzen ein völlig normales Wachstum nicht wahrgenommen wurde. a) Gliederung der Familie. Wir gliedern im folgenden die Fucaceen nach ihren Vegetations- organen in die unerläßlichen Unterabteilungen. Das kann genau so be- anstandet werden wie bei den Ectocarpales, Sphacelariales usw.; es sollten auch hier die Geschlechtsorgane den Ausschlag geben. Allein wir sind mit der vergleichenden Erforschung dieser Bildungen immer noch nicht weit genug und so wäre es doch wohl bedenklich, wenn wir z. B. alle Formen zusammen schlössen, welche ein Ei im Oogon entwickelt. Daraufliin darf man doch wohl Himanthalia und die Gystosiren und Sargassen nicht zu- sammenwerfen. Ich legte bei Charakterisierung der Gruppen einiges Ge- wicht auf die Form der Scheitelzelle; das hat Murray beanstandet. Des- halb möchte ich betonen, daß auch ich dies Merkmal nicht für ein absolut konstantes halte, allein bei den Fucaceen spiegelt sich, wie in so manchen anderen Fällen, die Art des Gesamtwachstums in der Scheitelzelle wieder 7. Fucales 189 Beides (Scheitel und Gesamtaufbau) sind Korrelate, und insofern halte ich mich für berechtigt, immer wieder auf die Scheitelzellen zurückzugreifen. Wir unterscheiden nun am besten folgende Gruppen: Anomalae. Hormosira, Notheia. Kleine, vielleicht reduzierte Formen. Hormosira mit rosenkranzförmig aneinander gereihten, blasig auf- getriebenen Gliedern, dichotom verzweigt. Notheia mit seitlicher Verzweigung und dünnen Sprossen. Hormosira hat vier, Notheia drei Scheitelzellen; erstere führt vier, letztere acht Eier im Oogon. Fuco-Ascophylleae mit Fucus, Pelvetia, Xiphophora, Myrio- desma, AscophyUum, Axillaria, Seirococcus, Scytothalia, Phyllospora, Marginaria. Thallus abgeflacht, meist breit, immer in einer Ebene verzweigt, und zwar die Hauptsprosse dichtotom, bei manchen Gattungen die Nebensprosse seitlich. Alle älteren Sprosse mit einer eigen- artigen vierseitigen Scheitelzelle. Im Oogon typisch acht Eier, jedoch ist diese Zahl bei vielen Gattungen reduziert. Konzeptakeln meistens an den Spitzen der Hauptsprosse oder in modifizierten Seitensprossen (Kurztrieben, Sexualsprossen). Loriforiues. Himanthalia. Lang riemenförmiger Thallus mit drei- seitiger Scheitelzelle, in einer Ebene dichotom verzweigt. Konzeptakeln über die ganzen Riemen verteilt; frei davon ist nur die becherförmig er- weiterte Basis. Ein Ei. Cystosiro-Sargasseae. Die Vertreter dieser Gruppe wachsen ständig mit dreiseitiger Scheitelzelle. Verzweigung stets reichlich, Konzeptakeln in den Spitzen der Langtriebe oder auf besonderen Kurztrieben. Ein Ei im Oogon. a) Bilaterale Formen: Halidrys, Bifurcaria, Carpoglossum, Platythalia, Platylobium. ß) Radiäre Gattungen: Landsburgia, Cystosira, Cystophyllum, Coccophora, Cystophora. y) Bilaterale und radiäre Formen, deren vielfach spezifisch entwickelte Fruchtsprosse an der Basis mindestens einen charakteristischen, assimilie- renden Flachsproß bilden: Anthophycus, Carpoglossum, Contarinia, Pterocaulon, Sargassum, Turbinaria. Eine Übersicht der Verwandtschaften mag nachfolgendes Schema geben: ^ Marginaria Phyllospora Scytothalia Seirococcus Axillaria Sargassum Cystosira i c^ S. Contarinia " §' ^ ^^ AscophyUum Pelvetia Fucus Anthophycus //Pycnophycus | ^ §^ Halidrys />^ J ^ > ' 1 ^„---'Himanthalia } Loriformes Anoma/ael^^'^''^^^''^- ^^"^ \ Notheia ^9(3 IX. Phaeopbyceae. Vegetationsorgane. Wir behandeln zunächst die vegetativen, dann die Fortpflanzungs- organe; dabei müssen naturgemäß diejenigen Gruppen in den Vordergrund gestellt werden, welche zwar nicht die phylogenetisch ältesten Formen wohl aber die best untersuchten sind. Fuco-Ascophylleae. Die Oosporen des Fucus (Fig. 438) keimen sehr bald nach der Be- fruchtung. Zunächst sichtbar wird an dem kugeligen Körper eine papillen- artige Vorstülpung als Anlage des ersten Rhizoids. Dieses besorgt alsbald die Festheftung und wird dabei unterstützt von den äußersten Membran- schichten, welche stark verschleimen. Das ist auch später (Fig. 438, i) noch erkennbar. Mit der Anlage des Rhizoids ist auch die Polarität der Pflanze ge- geben, und RosENViNGE zeigte für Pelvetia, Ascophyllum, Fucus, Winkler für Cystosira, Kniep wieder für Fucus, daß in erster Linie das Licht dieselbe induziert, indem die stärker beleuchtete Seite zum Sproßpol, die schwächer beleuchtete zum Wurzelpol wird. Winkler fand, daß die Polarität schon durch eine Belichtung von 4 Stunden bei Cystosira induziert werden kann. Die Keimung erfolgt freilich erst nach 16 — 18 Stunden. Fucus, den Kniep in dieser Beziehung eingehend untersuchte, keimt auch nach etwa 17 Stunden. Die Polarität wird in der 12. und 13. Stunde nach der Befruchtung des Ei's festgelegt; von der Beleuchtung, welche die Zygote in dieser Zeit erfährt, ist die Lage von Wurzel und Sproß abhängig. Während der ersten 11 Stunden des Lebens ist die Einwirkung von außen ohne Bedeutung. Nach Farmer und Williams wie auch nach Kniep beginnt die Kernteilung in den Keim- lingen erst, nachdem die Wurzelpapille bereits vorgewölbt war. Die Spindel stellt sich mit einem Pol gegen die Basis, mit dem anderen gegen den Scheitel der jungen Pflanze. Diese Erscheinung ist aber durchaus sekundär. Die senkrecht zur Spindel auftretende erste Wand scheidet dann natürlich Sproß und Wurzel. Dieser ersten folgen rasch weitere Teilungen, der Keimling zerfällt so in zahlreiche Zellen (Fig. 438, 2, j), vermehrt seine Wurzelhaare und er- langt etwa Keulenform; außerdem erhält er auf seinem Scheitel eine Ver- tiefung, aus welcher lange Haare hervorwachsen (Fig. 438, 2, j). Bis zu diesem Punkt besitzt der junge Fucus völlig kreisrunden Quer- schnitt, er behält denselben an seiner Basis auch bei, an der Spitze aber macht sich späterhin eine Verbreiterung und eine Abflachung bemerkbar (Fig. 438, j); bald wird eine Mittelrippö sichtbar und kurz darauf beginnen auch schon, in Verbindung mit einer laubartigen Verbreiterung des Ganzen, die für unseren Tang so charakteristischen Dichotomien (Fig. 438, 4). Diese führen endlich zur Ausbildung eines oft mehrere Fuß langen reich ver- zweigten Sproßsystems, das nun freilich seinen Gabelhabitus nicht immer beibehält; durch abwechselnde Verdrängung eines Gabelsprosses entstehen Sympodien mit fast gleichmäßig durchlaufender Mittelrippe (Fig. 438, 4). Bei vielen Fucusarten entstehen seitlich von der Mittelrippe durch Trennung der mittleren Gewebeschichten Schwimmblasen. Die Konzeptakeln bilden sich auf scharf umschriebenen Stellen (Fig. 438, 4) an den Enden der seitwärts geschobenen Gabeläste. Diese sistieren damit, oft unter starker Aufschwellung, ihr Wachstum. An der Basis der Fucussprosse pflegt später das Gewebe beiderseits der Mittelrippe zugrunde zu gehen (Fig. 438, 4). Dort setzt dann ein sekundäres Dicken- wachstum ein, außerdem brechen zahlreiche Hyphen, von denen später noch 7. Fucales. 191 eingehender gehandelt werden soll, hervor und bilden unter Verschlingung miteinander nicht bloß eine Haftscheibe, sondern dienen auch als Festigungs- mittel, welches die Pflanze gegen das Zerreißen in der Brandung sichert. Pelvetia ist erheblich kleiner als Fucus, sie hat im wesentlichen seinen Wachstumsmodus, nur ist eine Mittelrippe nicht sichtbar, statt dessen er- scheinen die einzelnen Bänder des Thallus rinnenartig gerollt. PV-^ Fig. 438 n. Thuret u. Oltmanns. /, 2 junge Keimpflanzen von Fiuus vesiculosus. 3 Keimling mit beginnender Rippenbildung von Fucus vesiculosus. 4 Fucus platycarpus. Habitusbild. 5 Keimling im Längsschnitt, ck Zentralkörper, r Rinde. \Q2 I^- Ptaeopbyceae. In den jüngsten Keimpflanzen von Fucus ist. wie wir sahen, die erste Wand als Querwand fest bestimmt, die folgenden variieren, wie ich zeigte, mannigfach: das erörtern wir nicht, sondern betrachten gleich zwecks Orientierung über die Gewebebildung den Längsschnitt eines zyhndrisch- keuligen Keimlings, wie ihn Fig. 438, j wiedergibt. Wir unterscheiden auch hier wieder unschwer einen Zentralkörper und eine Rinde; wenn wir dann unsere Figur mit dem, was wir bei Laminaria erörterten, vergleichen, so ist kein Zweifel, daß die äußerste Rindenschicht wiederum durch Teilung in verschiedenen Richtungen das Gewebe des Zentralkörpers vermehrt. Doch wir wenden unsere Aufmerksamkeit zuerst dem Scheitel zu. Recht junge Pflänzchen lassen bereits eine schwache Einstülpung (Fig. 438, j) erkennen. Aus dieser geht später durch gesteigertes Wachs- tum peripherer Zellen eine ziemlich tiefe Grube hervor, welche, wie ich zeigte, an ihrem Grunde eine dreiseitige Scheitelzelle (Fig. 439, /) aufweist. Dieselbe unterscheidet sich auf dem Querschnitt in nichts von den Scheitel- zellen der Moose und Farne, auf dem Längsschnitt aber gleicht sie an- nähernd einer bikonvexen Linse; die Segmente werden schalenartig von ihr abgegliedert. Nachdem ein Segment sich in einige Zellen zerlegt hat, stülpt sich die oberste von diesen vor und wächst zu einem Haar aus (// Fig. 439, /), das dann — mit basalem Vegetationspunkte begabt — weit aus der Scheitelgrube hervorwächst. Die dreiseitige Scheitelzelle bleibt aber nicht erhalten, sie geht, wenn der jugendliche Sproß sich abflacht, in eine vierseitige über, welche für die Fucaceen charakteristisch ist. Hand in Hand damit wird die ursprünglich runde Scheitelgrube in einen Spalt übergeführt, welcher, der Thallusfläche parallel, in den Scheitel einschneidet. Er ist durch lippenartige Wülste ziemlich weit geschlossen, schützt also zweifellos die Scheitelzelle recht gut; er ist außerdem mit Schleim gefüllt. Die Form der Scheitelzelle wird aus dem Schema (Fig. 439 a) wohl am leichtesten klar. Wir haben es mit einer vierseitigen, abgestumpften Pyramide zu tun, welche durch Wand / zunächst ein Basalsegment nach innen (unten) abgliedert, dann folgen rechts und links die Wände 2 resp. j, welche zwei „Flächen"-segmente herstellen, und endlich liefert die Wand 4 ein „Rand"-segment, dem eventuell weitere durch Wände parallel zu 4 folgen können. Die Flächensegmente pflegen schmäler zu sein als die Rand- segmente, deshalb ist die Scheitelzelle nach den beiden Hauptrichtungen hin nicht völlig gleich. Aus den oben gewählten Bezeichnungen ist nun schon ersichtlich, wie die Scheitelzelle orientiert ist, das geht auch aus den Schnitten der Fig. 439 hervor, die nunmehr ohne weiteres verständlich sein dürften. Fig. 439, 2 ist unschwer erkennbar als Längsschnitt senkrecht zur Thallusfläche und zum Scheitelspalt, Fig. 439. j ist den beiden letzten parallel geführt und Fig. 439, 4 ist ein Querschnitt durch den Scheitel, rs ist ein Randsegment der Scheitelzelle v, /7s ein Flächensegment derselben. Die Figuren zeigen außerdem noch, daß Teile der Segmente auch hier wieder Haare bilden. Dies scheint aber nur noch bei jungen Pflanzen der Fall zu sein, bei älteren werden die Haare gewöhnlich am Scheitel vermißt. Soll nun in einer Spitze Dichotomie eintreten, so funktioniert einfach das zuletzt abgeschiedene Randsegment als neue Scheitelzelle; rs in Fig. 439, j, 4 könnte sehr wohl eine solche darstellen. Indem diese beiden Scheitelzellen neue Segmente abgliedern, entsteht eine ganze Reihe von relativ großen, inhaltsreichen Zellen, unter welchen die Scheitelzellen nur 7. Fucales. 193 Fig. 439. Fucus vesiculosus n. Oltmanns. / medianer Längsschnitt durch einen noch runden Keimling. 2 Längsschnitt senkrecht zur Fläche einer älteren Keimpflanze. 3 Ders. parallel zur Fläche. 4 Querschnitt durch den Scheitel etwa bei q Fig. 439, 2, j, v Scheitel- zelle, h Haare, rs Randsegment, fls Flächen^iegment. mit Mühe erkannt werden können. Erst wenn die Randsegmente in kleinere Zellen zerlegt sind, werden die Scheitelzellen wieder deutlicher. Die hier zuletzt erwähnten Tatsachen waren für Rostafinski die Veranlassung, für Fucus eine Mehrzahl von Initialen anzuneh- men ; indes konnte ich zeigen, daß tatsächlich nur eine Scheitelzelle gegeben ist. Zu demselben Resultat kam wohl ein wenig früher als ich Woodworth; ich kannte aber damals seine Arbeit nicht. Für Pelvetia hatte schon vor Rostafinski Kny eine einzige, etwas variable Scheitelzelle ge- funden, die auch ich wieder be- obachtete. Ohne die Literatur zu berücksichtigen, hat Holtz sie nochmals beschrieben. An Fucus und Pelvetia reiht sich außer Xiphophora (s. Barton) und Myriodesma (s. Murray) Ascophyllum. Wir haben es hier mit dichotom Oltmanns, Morphologie u. Biologie der Algen. 2. Aufl. II. 13 Fig. 439 a. Schema einer 7^2«r?«-Scheitelzelle. V Scheitelzelle, bs Basalsegment , fs Flächen- segment, rs Randsegment. 194 IX. Phaeophyceae. verzweigten Langtrieben zu tun, welche ihrerseits wieder, meist in huschel- iger Anordnung, Kurztriebe in Randspalten tragen (Fig. 44U, /. :?). die schon Magnus beschrieb. Die Kurztriebe führen (in den oberen Regionen der älteren Pflanzen) an den aufgetriebenen Spitzen Konzeptakeln (Fig. 440, j); einzelne können zu Langtrieben auswachsen, und das ist die Regel bei den- jenigen, welche zuerst an der Basis junger Pflanzen erzeugt werden (Fig. 440, /). Fig;. 440. Ascophyllum nodomm n. Oltmanns. / junge Pflanze. 2 Stück eines Lang- triebes mit büschelig gehäuften Kurztrieben. 3 Dass. mit Fruchtsprossen. 4 Scheitel einer jungen Pflanze. 5, 6 Randgruben resp. Spalten mit Scheitelzellen und daraus er- wachsenden Kurztrieben, v, »/—/// Scheitelzellen, kt, kt'—^ Gruben für die Kurztriebe. Die jüngsten bekannten Keimlinge des Ascophyllum gleichen denen von Fucus. Die Hauptsprosse besitzen im Alter dieselben vierseitigen Scheitelzellen wie diese, und die dichotome Verzweigung spielt sich ebenfalls in derselben Weise wie dort ab. Wenn man aber die Scheitelgruben auf Schnitten parallel zur Thallusfläche genau mustert, so ergibt sich, daß in derselben vierseitige Scheitelzellen nicht bloß durch Dichotomie entstehen und dann voneinander fortrücken, sondern man kann auch feststellen, daß kleinere 7. Fucales. 195 Teile der Segmente, welche von ihrer Scheitelzelle schon ziemlich weit entfernt liegen (bei kt, Fig. 440, 4), sich zu neuen vierseitigen Scheitelzellen entwickeln. Der Vorgang erinnert u. a. an Equisetum, bei welchem ja auch ziemlich weit von der Hauptscheitelzelle entfernt neue Organe dieser Art aus den Segmentteilen herausgeschnitten werden. Die Entstehung der letztgenannten Scheitelzellen von Ascophyllum ist natürlich eine seitliche, sie leitet auch die seitliche Verzweigung ein — freilich mit einigen Kom- plikationen. Schon in Fig. 440, 4 bei kf sieht man, daß die „kleinen" Scheitelzellen — nennen wir sie sekundäre — in einer schwachen Ver- tiefung liegen. Wächst jetzt der Sproß weiter, so werden jene Vertiefungen verstärkt und gleichzeitig wird das Grübchen, welches eine solche sekun- däre Scheitelzelle auf seinem Grunde trägt, aus der Scheitelspalte heraus, außen auf die scharfe Kante des Sprosses geschoben {kf^ Fig. 440, 4). Eine junge Pflanze oder der Oberteil eines wachsenden Sprosses trägt also außer der Scheitelspalte auf seinem Rand eine Anzahl sekundärer Gruben, welche nicht genau alternieren, aber auch nicht genau opponiert sind. Die in den untersten Gruben eines Keimlings vorhandenen Scheitel- zellen können, wie schon oben angedeutet, direkt zu einem Seitensproß aus- wachsen, in den oberen Regionen älterer Sprosse aber teilt sich die eine sekundäre Scheitelzelle in einer Randgrube mehrfach, und so liegen in dieser letzteren, die sich allmählich schlitzartig gestaltet, zwölf und mehr Scheitel- zellen, von denen Fig. 440, j einen Teil andeutet. Zunächst wächst nur eine derselben zum Kurztrieb heran (Fig. 440, 6\ doch folgen bald mehrere und so entsteht ein Büschel verschieden alter Organe gleichen Namens (Fig. 440, 2), welche endlich, wie schon erwähnt, meistens an der Spitze Konzeptakeln produzieren. Verlorene Kurztriebe können nach dem Gesagten leicht und weitgehend durch andere aus den Randspalten ersetzt werden. — Alle in diesen liegenden Scheitelzellen werden ohnehin niemals verwendet, ein ruhender Rest bleibt immer übrig, schon deswegen, weil die austreiben- den Sprosse neue Scheitelzellen produzieren, welche an ihrer Basis liegen bleiben [v^' Fig. 440, 6). Auch an den unter abnormen Bedingungen lebenden Formen des Asco- phyllum nodosum, wie A. scorpioides und A. Mackayi, sind noch die glei- chen Strukturverhältnisse sichtbar, immerhin scheint mir bei der letzteren Form die Zweigbildung aus Gruben in den Vordergrund zu treten, während bei der ersten die dichotome neben der anderen ihre Rechte fordert. Wie ich und später Ed. Gruber gezeigt haben, erschließen nun die bei Ascophyllum beobachteten Prozesse das Verständnis für eine nennens- werte Zahl anderer Formen: Seirococcus axillaris stellt wiederum flache Sprosse mit breiten Seitenauszweigungen dar, welche wir Blätter nennen wollen (Fig. 441, /, 2, bl). Kleine, aber recht zahlreiche Fruchtsprosse stehen sowohl an dem Innenrande der Blätter, als auch auf der Kante des Hauptsprosses (Fig. 441, /). An letzterer Stelle brechen auch häufig größere Sprosse (Fig. 441, /) hervor. Denken wir uns die basale Region {b Fig. 440, 6) der Randspalten von Ascophyllum lang vorgezogen, so haben wir im wesent- lichen das Bild des Seirococcus und damit die Verbindung zwischen beiden Gattungen. Die Entwicklungsgeschichte beweist die Richtigkeit dieser Auffassung. Die vierseitige Scheitelzelle liegt in einer Einbuchtung der Spitze (Fig. 441, j-, bei v). Sie gliedert rechts und links randsichtige Segmente ab, welche rasch zu selbständigen Scheitelzellen werden und von der Mutterzelle fortrücken [v' Fig. 441, j). Zwischen beiden entstehen hier wie überall normale Rindenzellen (r); diese aber bleiben noch weiter teilungsfähig, und wenn 13* 196 IX. Phaeophyceae. die sekundären Scheitelzellen (z. B. v'") etwas von der Mutterzelle fort- gerückt sind, entwickelt sich die Rinde zu einem Höcker {bl Fig. 441, j), welcher endlich (Fig. 441, 2) zu jenem Organe wird, das wir oben Blatt nannten. Ich denke, Fig. 441, 2 zeigt die Sache hinreichend; die Blätter werden genau abwechselnd auf beiden Kanten gebildet. Wenn ich in diesem Falle das Wort Blatt anwende, so geschieht das, weil die fraglichen Organe niemals im Leben eine Scheitelzelle besitzen, \1 / Fig. 441. Seirococcus axillaris n. Ed. Gruber. / oberes Ende eines Langtriebes. 2 Schema der Sproßspitze. 3 Längsschnitt durch die Scheitelgrube parallel zur Fläche, v^ zd—in Scheitelzellen, bl Blätter, r Rinde. das unterscheidet sie scharf von den Achsengebilden unserer Gattung. Aus dem gleichen Grunde darf man sie auch nicht mit den später zu besprechen- den Flachsi)rossen der Sargasseen vergleichen. Es versteht sich von selbst, daß die seitlichen Scheitelzellen in der- jenigen Region liegen, welche man Blattachsel taufen darf. Es hat aber 7. Fucales. 197 nicht mit eiiier Scheitelzelle in der letzteren sein Bewenden, vielmehr teilt sich dieselbe wiederholt, es entsteht eine ganze Serie von solchen, und sie werden dann auch in Grübchen versenkt, bis sie meist zu fruchtenden Sprossen auswachsen. Die mannigfachen Wachstumsprozesse, welche sich in den Blatt- achseln abspielen, lassen die Scheitelzellen bald mehr auf die Basis des Blattes, bald mehr auf den Rand des Thallus hinaufrücken. Eine Dichotomie, wie bei Ascophyllum, ist bei Seirococcus nicht be- obachtet worden. Seitenzweige entstehen, wie aus Fig. 441, / ersichtlich, vom Rande der Hauptsprosse aus irgend einer der dort liegenden Scheitel- zellen. Axillaria, Scythothalia, Cystophora, Marginaria, Phyllospora, sind auf Grund der an obigen Gattungen gemachten Erfahrungen leicht ver- ständlich, man vergleiche Gruber, Skottsberg u. a. Cystosiro-Sargasseae. Als einfachsten Typus dieser Gruppe darf man wohl Halidrys be- trachten, obwohl auch hier nicht fest steht, ob er der ursprüngliche ist. Halidrys siliquosa bildet große, meist in einer Ebene verzweigte Büsche. Die einzelnen Sprosse sind ein wenig flachgedrückt, die Seiten- zweige stehen auf der Kante der Hauptsprosse unregelmäßig alternierend (Fig. 442, /). Einige derselben, welche indes im voraus kaum bestimmt sind, werden zu Langtrieben, andere stellen Kurztriebe oder gar nur Zähne ohne merkliche Funktion dar, wieder andere Seitensprosse tragen Kon- zeptakeln (Fig. 442, i fspr\ und endlich werden zahlreiche derselben zu den schotenförmigen Schwimmblasen {Ibl), auf die wir unten zurückkommen. Dieselben sind quer-gekammert, doch tritt das an frischen Exemplaren, nach welchen auch Fig. 442 gezeichnet wurde, sehr wenig hervor. Alle Verzweigungen der Halidrys gehen aus von einer dreiseitigen Scheitelzelle (Fig. 450), welche auf dem Grunde einer schleimerfüllten Grube resp. eines ziemlich tiefen Kanales liegt. Die Scheitelzelle bildet abwechselnd nach rechts und links neue gleichnamige Organe. Einzelheiten darüber sollen unten folgen. Der Halidrys siliquosa gegenüber hat H. osmundacea relativ breite Sprosse mit Mittelrippen, und insofern leitet sie hinüber zu Carpoglossum, Plathythalia u. a., die durch Vergleichung mit Halidrys sehr leicht verständ- lich werden, weswegen ich auf die Originalarbeiten verweise. In ziemlich naher Beziehung zu Halidrys steht auch eine der wenigen rhizombildenden Fucaceen (auch Cystosira crinita scheint solche zu haben), nämlich Bifurcaria (Pycnophycus) tuberculata. Scheinbar gabelig ver- zweigte — der Floridee Furcellaria nicht unähnliche — vertikale Sprosse (Fig. 443, /) erheben sich von einem knorrig-unregelmäßigen Wurzelstock (Fig. 443, 2) welcher dem Substrat aufliegt und sich mit ihm durch Haft- scheiben verbindet. Die Wachstumsweise der Pycnophycus-Rhizome ist vielleicht am ein- fachsten verständlich, wenn wir uns denken, daß der in Fig. 442 gezeichnete Halidryssproß horizontal auf das Substrat gelegt sei. Ein großer Teil der wachsenden Spitzen würde unter mäßiger Aufwärtskrümmung kugelig oder un- regelmäßig knorrig aufschwellen und rhizomartig weiter wachsen {rh' Fig. 443, 2\ ein kleinerer Teil aber würde sich scharf aufrichten und zu Langtrieben {Itr Fig. 443, 2) werden. Daß der Vergleich mit Halidrys zulässig ist, lehrt eine Betrachtung der Scheitel. 198 IX. Phaeophyceae. Die knorrigen Rhizomspitzen enthalten tiefe Scheitelgruben (Fig. 443, ^). und diese beherbergen Scheitelzellen genau von der Form, welche wir bei Halidrys kennen. Letztere sondern abwechselnd rechts und links ein Glied ab Fig. 442. Halidrys siliquosa. Orig. / Stück eines Sprosses in natürlicher Größe. 2 Spitze desselben; etwas vergrößert. Ibl Schwimmblasen, /5/>r Fruchtsprosse. (Fig. 443, j); das ließ sich unschwer erkennen. Äußerlich freilich tritt die Sache nicht so scharf hervor, weil die Scheitelgruben mitsamt den sie tragenden Sproßenden meist recht unregelmäßig wachsen. 7. Fucales. 199 Von den in Fig. 443, j gezeichneten Scheitelzellen setzen die meisten das Rhizom fort, einzelne, z. B. aber werden zu Langtrieben. Die Ver- zweigung der letzteren ist an sich eine seitliche, der Gabelhabitus ist sekundär. Alle vertikalen Sproßenden tragen Konzeptakeln, und wenn ich richtig orientiert bin, sterben sie nach der „Frucht- reife" ab. Das Rhizom bildet dann neue auf- rechte Äste. Den bislang er- wähnten bilateralen For- men stehen die radiä- ren Cystosireen gegen- über; unter ihnen mag als einfachste Form zu- nächst Landsburgia quercifolia erwähnt sein (Fig. 444), welche eigent- lich nur eine radiäre Halidrys darstellt. Die gestreckten Achsen pro- duzieren in -'/j -Stellung Seitensprosse, welche zum kleineren Teile Langtriebe werden; zum größeren Teile stellen sie vegetative Kurztriebe von Blattform dar. Ver- mutlich gegen das Ende der Vegetationsperiode werden, wie bei Hali- drys, Sexualsprosse (/j-^-r Fig. 444) gebildet, welche von den vegeta- tiven Kurztrieben kaum abweichen, höchstens ein wenig kleiner sind. Einen von dieser Pflanze weit abweichen- den Habitus gewinnt Cystosira (Fig. 445, 4] dadurch, daß ihr Haupt- stamm kurz bleibt und von den Nebenästen weit überragt wird. Im übrigen ist diy Entsteh- ung der Seitenzweige durchaus nicht so ver- schieden von der bei Landsburgia, wie man glauben möchte. Nach Valiante, welcher die Cystosiren genau studierte, verlaufen die ersten Teilungen der Oospore in dieser Gattung im wesentlichen so wie bei Fucus, nur werden hier gleichzeitig zahlreiche primäre Rhizoiden gebildet. Fig. 443. Pycnophycus tuherculatns n. ThURET U. Ed. GrUBER. / Stück eines aufrechten Sprosses. 2 Rhizom. 3 Schnitt durch das Ende eines Rhizoms (schematisiert). 4 Längs- schnitt durch eine Scheitelgrube; die Scheitelzelle v hat sukzessive v^ und 7'^^ gebildet, v Scheitelzellen, sp Scheitel- spalten, rh Rhizom, rli Rhizomäste, Itr Langtriebe. 200 IX. Phaeophyceae. Auch hier resultiert ein blattförmig verbreiterter Sproß (Fig. 445, j). Der- selbe verzweigt sich aber zunächst nicht an seiner Spitze, er bildet viel- mehr auf einer flachen Seite „adventiv" einen neuen Vegetationspunkt (mit dreiseitiger Scheitelzelle), etwa an der Stelle, wo „Stiel" und „Spreite" in einander übergehen {v Fig. 445, /). Von dieser neu erstandenen Bildungs- stätte gehen nun die weiteren Verzweigungen aus. Ein zweiter, flacher Sproß {spr^^ Fig. 445, 2) entwickelt sich dem ersten gegenüber, dann folgt, wie aus der Fig. 445, 2 und j ersichtlich, ein dritter, vierter usw. Aber nur die beiden ersten Sprosse stehen opponiert, die folgenden divergieren um einen Winkel von 144^, d. h. es bildet sich eine normale "'/s-Stellung heraus, wie das leicht aus Fig. 445, 5 zu ersehen ist, und in diese wird >/ Y' ^^ -l ? Fig. 444. Landsburgia quercifoUa n. Ed. Gruber. / Stück eines Sprosses. 2 Scheitel von der Seite. 3 Ders. von oben, fspr Fruchtspross. auch auf Grund von nachträglichen Verschiebungen der erste und zweite Sproß einbezogen. Der Hauptsproß, welcher in der geschilderten Weise alle Seitenzweige erzeugt, bleibt bei vielen Arten (C. abrotanifolia u. a.) so kurz, daß man ihn kaum erkennt, bei einigen wird er länger und mag bei C. crinita eine Länge von 20 — 30 cm aufweisen, überall aber bleibt er kürzer als die Seitenäste, welche ihn immer weit überragen (Fig. 445. j, 4). Die Seitenäste, speziell die ersten, sind bei Cyst. abrotanifolia, discors, Erica marina usw. flach (Fig. 445, 3), sie verzweigen sich auch wie Hali- drys in einer Ebene, häufig erst spät gehen sie in mehr oder weniger ge- rundete Äste mit radiärer Verzweigung. — meist nach zwei Fünftel — über. Andere Spezies, wie Cyst. barbata, crinita u. a. zeigen die flachen Seiten- äste nicht oder nur in geringem Maße. Bei allen Arten aber pflegt die 7. Fucales. 201 Verzweigung der Seitensprosse eine sehr ausgiebige zu sein, und vielfach endigen die letzten Äste als dornartige Kurztriebe. Daraus resultieren dann die Erica- und Lycopodium-ähnlichen Arten. Fig. 445. Cystosiren n. VALIANTE. / u. 2 Keimpflanzen von Cyst. spec. 3 junge Pflanze von Cyst. abrotanifoUa. 4 Desgl. von Cyst. harbata. 5 Stammscheitel von Cyst. abrotanifolia. 6 Fruchtsproß von Cyst. crinita. 7 Ders. von Cyst. Hoppei. v Vegetations- punkt, spr Sprosse verschiedenen Alters. 202 IX- Phaeophyceae. Die Hauptstämme wachsen oft erheblich in die Dicke, und dies Dicken- wachstum kann sich bei Cyst. Erica marina, Montaguei, opuntioides usw. auf die Basis der primären Seitenäste fortsetzen, derart, daß hier dicke birn- oder spindelartige Körper entstehen, von welchen sich dann der dünnere Oberteil der Äste scharf abhebt. Diese fast knollenartigen Ge- bilde sind, ebenso wie die sie tragenden Stämme, nicht selten mit stachel- artigen Organen besetzt, welche einfach Rindenwucherungen darstellen. Selbst wenn solche Stacheln in den oberen Regionen der reich verzweigten Seitenäste vorkommen, so dürfen sie doch nicht mit den oben erwähnten Dornen verwechselt werden. Luftblasen sind bei Cystosira häufig genug, sie stellen Auftreibungen der Äste (meist höherer Ordnung) dar, welche oft in Reihen vor einander liegen (Fig. 445, 7). Luftblasen an dickeren Ästen sind selten. Die Konzeptakeln bedecken meistens die letzten Auszweigungen, welche dadurch mehr oder weniger modifiziert werden. An derberen Zweigen er- scheinen sie einfach eingesenkt (Fig. 445, 7), an dünneren, zumal an dorn- artig gestalteten Ästchen anderer Formen treten sie als Verdickungen her- vor, wie aus Fig. 445, 6 ersichtlich., Arten wie Cystosira abrotanifolia sind einjährig, die Mehrzahl aber der Cystosiren perenniert. Bei letzteren brechen nach vollendeter P'ruktifi- kation die Seitensprosse vom Hauptsproß ab. Es bleiben Narben wie nach dem Blattfall höherer Pflanzen zurück; diese aber werden durch Wundcallus verschlossen, und später können an der nämlichen Stelle Adventiväste her- vorbrechen, wie das an anderer Stelle noch weiter geschildert werden soll. Ln übrigen sind auch an der Basis einjähriger Arten und relativ junger Pflanzen Adventivsprosse keineswegs ausgeschlossen. In die Verwandtschaft von Halidrys und Cystosira gehören auch die Gattungen Cystophora und Cystophyllum, die vielfach noch in zahlreiche Gattungen zerlegt werden. Selbst systematisch scheinen mir diese, teils den australischen, teils den indischen usw. Meeren angehörigen Formen noch nicht genügend durch- gearbeitet zu sein, und entwicklungsgeschichtlich fließen die Angaben so spärlich, daß ich hier auf eine Behandlung unter Hinweis auf die Werke von Harvey, HoOKER, KüTZiNG verzichte. Ungefähr dasselbe gilt für Coccophora und Sca- beria (s. Lorraino, Smith; Yendo u. a.). Der südafrikanische Anthophycus longifolius bildet ein leicht über- sehbares Anfangsglied einer eigenartigen (auf S. 1